Wikileaks-Verfahren

Mannings Verteidiger: 30 Jahre wären genug

22. Dezember 2011, 19:35

Ermittlungsrichter hat bis zum 16. Jänner Zeit für Beschluss

Fort Meade - Im Verfahren um den mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning hat die Verteidigung am Donnerstag zur Milde für ihren Mandanten aufgerufen. Zum Abschluss einer siebentägigen Anhörung nannte Anwalt David Coombs das Vorgehen der Behörden gegen seinen Mandanten "überzogen". Er machte unter anderem geltend, dass die Manning angelastete Weitergabe von 700.000 größtenteils geheimen Dokumenten an die Enthüllungsplattform keinen Schaden angerichtet habe. Vor diesem Hintergrund wären 30 Jahre Haft für den derzeitigen Obergefreiten mehr als genug, sagte der Verteidiger.

Die Anklage sprach dagegen in ihrem Schlussplädoyer von erdrückenden Beweisen dafür, dass Manning "konstant, bewusst und methodisch" interne Dokumente aus Computern gezogen habe, um sie dann Wikileaks zuzuspielen. Die Plattform hatte die Unterlagen massenhaft ins Internet gestellt. Detaillierte Informationen über die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie unzählige Diplomatendepeschen kamen an die Öffentlichkeit.

Die Anhörung in Fort Meade (US-Bundesstaat Maryland) sollte klären, ob die Beweise für die Eröffnung eines Militärprozesses ausreichen. In dem Falle könnte Manning im Fall eines Schuldspruchs wegen "Unterstützung des Feindes" eine lebenslange Gefängnisstrafe erhalten. Das jedenfalls strebt die Anklage bisher an. Das Plädoyer von Coombs für eine geringere Strafe bereits zu diesem Zeitpunkt deutet darauf hin, dass die Verteidigung offenbar von einer Entscheidung zugunsten eines Militärprozesses ausgeht.

Der zuständige Ermittlungsrichter hat zunächst bis zum 16. Jänner Zeit für den Beschluss. Er könnte auch die bisher 22 Anklagepunkte abändern. Manning selbst hätte die Möglichkeit, einen Prozess zu umgehen, indem er sich selbst schuldig bekennt. In solchen Fällen erhält der Angeklagte in der Regel dann eine geringere Strafe, als sie ihm bei einer Verurteilung in einem Prozess gedroht hätte.

In ihrem Schlussplädoyer wiesen die Ankläger auf einen Reihe von Zeugenaussagen hin, denen zufolge auf Mannings Computern eindeutige Beweise für den Diebstahl der Geheiminformationen und Verbindungen zu Wikileaks entdeckt wurden. Die Verteidigung ihrerseits hob erneut hervor, Manning emotionale Probleme gehabt habe und deshalb von vornherein keinen Zugang zu geheimen Dokumenten hätte haben dürfen. Auch sei Manning in der Truppe wegen seiner Homosexualität ausgegrenzt worden, worunter er psychisch gelitten habe.

Vor allem aber bestritt Coombs, dass die Enthüllungen schwere Schäden angerichtet hätten. "Der Himmel ist nicht eingestürzt, und er wird auch nicht einstürzen", sagte er. Wenn US-Außenministerin Hillary Clinton das anders sähe, dann solle sie Beweise dafür vorlegen. (APA)

Kommentar posten
13 Postings
der Rabe
00
23.12.2011, 15:45
Wer solche Verteidiger hat,

braucht keine Ankläger mehr.

Diese Komplizenschaft von Kläger und Verteidiger ist ein Markenzeichen despotischer Herrschaft.

Peacefaktor
02
23.12.2011, 11:49
Was ist nur aus den USA geworden?

Jemand, der frei nach den Nürnberger Prozessen Kriegsverbrechen aufdeckt, wozu er seit diesen Gerichtsverhandlungen verpflichtet ist, sonst würde er sich strafbar machen, bekommt scheinbar einen Pflichtverteidiger, der für diese Leistung mit 30 Jahren Gefängnis zufrieden wäre?
Dieser Logik zu Folge müsste man alle "Nazivernaderer" nachträglich einfangen, und gerichtlich verurteilen und die bereits Verutreilten, die Naziverbrecher, so Ferne sie noch leben freilassen und freisprechen.
Nichts anderes passiert im Grunde in den USA: die Verbrecher bleiben ungeschoren, der Aufdecker ist der Verbrecher.
Grauslich.

Walter J. Ferstl
01
23.12.2011, 08:51
"Mannings Verteidiger: 30 Jahre wären genug"

Das klingt nach einem Pflichtverteidiger und zudem nach einem, der herzlich desinteressiert ist oder durch die Prozessordnung nur sehr geringe Möglichkeiten hat. Das hat vielleicht mit dem Militärstrafrecht zu tun, dem Manning unterworfen ist.

Ansonsten müßte man nämlich sagen: Wer solche Verteidiger hat, sollte eher darauf hoffen, dass der Ankläger und vor allem der/die Richter authentischer sind.

667 one step ahead of the devil
44
22.12.2011, 22:47

den überbringer einer schlechten nachricht mundtot zu machen ist typisch für die us.

rubbberduck
20
23.12.2011, 00:20

achso ist es das. seit wann? andere beispiele.

Peacefaktor
00
23.12.2011, 11:51
da hätten wir:

zB den Wikleaks Gründer Assange
Kennedy
all die außenpolitischen Agenden
.
.
.

Der sich den Wolf tanzt
415
22.12.2011, 22:15
irgendwie sehr amerikanisch

die helikopterbesatzung macht sich einen spass daraus zivilisten und deren kinder zum spass abzuknallen. einer der da nicht mehr zuschauen wollte und dieses morden anklagt indem er diese videos weitergibt, wird wie ein schwerkrimineller behandelt und man spricht von 30 jahren gefängnis.

cool! mich wundert nur, dass nicht die todesstrafe gefordert wird. manning wird gefesselt in einen kleinbus gesetzt und von einem kampfhubschrauber wird mit schwerem maschinengewehr draufgefeuert bis der kleinbus durchlöchert ist. und wenn menschen dem insassen zu hilfe kommen wollen... auch ermord... erschießen.

das wäre doch gerecht. usa-gerecht!

http://www.guardian.co.uk/world/vid... iraq-video

der Rabe
00
23.12.2011, 15:47
Bei den Nazis war die Rache fürs Reden noch etwas drastischer:

da gab es keine lange Prozessfarce.

rubbberduck
100
23.12.2011, 00:19

das waren irgendwelche typen die mit etwas auf sie gezielt haben. das war kein spass für die hubschraberbesatzung sondern todernst, entweder sterben wir oder die. nachher gemütlich auf der couch sitzen und wissen wie es wirklich war, ist natürlich sehr viel leichter.

Mork vom Ork
01
23.12.2011, 00:11

er hat aber nicht nur diese Daten weitergegeben. Ich habe ja auch meine Sympathie - aber wenn ein Militär, der Zugang zu Geheimnissen hat diese ausplaudert, dann ist es eine Straftat. Ich glaub da muss man wirklich nicht diskutieren.

Der sich den Wolf tanzt
00
23.12.2011, 13:08
wenn man jetzt böse wäre... könnte man sagen, dass das militär unbekümmert töten darf.

sind ja nur bastarde! trotz aller entmenschlichung im krieg, darf man nicht einfach zivilisten töten, weil man schlecht geschlafen, verstopfung oder sonstige probleme hat.

haben sie sich das gespräch der piloten mit der kommandostation angehört?

wissen sie, dass im bus kleine kinder waren?

wieso muss man auf einen unbewaffneten der verletzt am boden liegt noch mit einem maschinengewehr schießen?

warum töten diese amis auch noch einige männer, welche die verletzten wegtragen wollen?

ist das krieg? hatten diese leute massenvernichtungswaffen eingesteckt?

warum glaubt die usa im irak menschen töten zu dürfen? einfach so...

jemand der sagt: holla, so nicht ist dann der kriminelle! verrückte welt. amiwelt!

V995
18
22.12.2011, 20:14
und busch ist immer noch frei

muppetbasher
21
22.12.2011, 22:26
Es gibt nichteinmal den einschlägigen Paragraphen,

nach dem Mannings verurteilt werden könnte!?
Völlig absurd, 30 Jahre eingesperrt!
50 Jahre eingesperrt für eine absurde Anklage wegen Majestätsbeleidigung in Thailand!

Niemand ist zu Schaden gekommen!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.