Ermittlungsrichter hat bis zum 16. Jänner Zeit für Beschluss
Fort Meade - Im Verfahren um den mutmaßlichen
Wikileaks-Informanten Bradley Manning hat die Verteidigung am
Donnerstag zur Milde für ihren Mandanten aufgerufen. Zum Abschluss
einer siebentägigen Anhörung nannte Anwalt David Coombs das Vorgehen
der Behörden gegen seinen Mandanten "überzogen". Er machte unter
anderem geltend, dass die Manning angelastete Weitergabe von 700.000
größtenteils geheimen Dokumenten an die Enthüllungsplattform keinen
Schaden angerichtet habe. Vor diesem Hintergrund wären 30 Jahre Haft
für den derzeitigen Obergefreiten mehr als genug, sagte der
Verteidiger.
Die Anklage sprach dagegen in ihrem Schlussplädoyer von
erdrückenden Beweisen dafür, dass Manning "konstant, bewusst und
methodisch" interne Dokumente aus Computern gezogen habe, um sie dann
Wikileaks zuzuspielen. Die Plattform hatte die Unterlagen massenhaft
ins Internet gestellt. Detaillierte Informationen über die Kriege im
Irak und in Afghanistan sowie unzählige Diplomatendepeschen kamen an
die Öffentlichkeit.
Die Anhörung in Fort Meade (US-Bundesstaat Maryland) sollte
klären, ob die Beweise für die Eröffnung eines Militärprozesses
ausreichen. In dem Falle könnte Manning im Fall eines Schuldspruchs
wegen "Unterstützung des Feindes" eine lebenslange Gefängnisstrafe
erhalten. Das jedenfalls strebt die Anklage bisher an. Das Plädoyer
von Coombs für eine geringere Strafe bereits zu diesem Zeitpunkt
deutet darauf hin, dass die Verteidigung offenbar von einer
Entscheidung zugunsten eines Militärprozesses ausgeht.
Der zuständige Ermittlungsrichter hat zunächst bis zum 16. Jänner
Zeit für den Beschluss. Er könnte auch die bisher 22 Anklagepunkte
abändern. Manning selbst hätte die Möglichkeit, einen Prozess zu
umgehen, indem er sich selbst schuldig bekennt. In solchen Fällen
erhält der Angeklagte in der Regel dann eine geringere Strafe, als
sie ihm bei einer Verurteilung in einem Prozess gedroht hätte.
In ihrem Schlussplädoyer wiesen die Ankläger auf einen Reihe von
Zeugenaussagen hin, denen zufolge auf Mannings Computern eindeutige
Beweise für den Diebstahl der Geheiminformationen und Verbindungen zu
Wikileaks entdeckt wurden. Die Verteidigung ihrerseits hob erneut
hervor, Manning emotionale Probleme gehabt habe und deshalb von
vornherein keinen Zugang zu geheimen Dokumenten hätte haben dürfen.
Auch sei Manning in der Truppe wegen seiner Homosexualität
ausgegrenzt worden, worunter er psychisch gelitten habe.
Vor allem aber bestritt Coombs, dass die Enthüllungen schwere
Schäden angerichtet hätten. "Der Himmel ist nicht eingestürzt, und er
wird auch nicht einstürzen", sagte er. Wenn US-Außenministerin Hillary
Clinton das anders sähe, dann solle sie Beweise dafür vorlegen. (APA)