Krankenschwestern

Die Kompensatoren des kranken Systems

22. Dezember 2011, 19:25
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    foto: standard/newald

    Zwei Schwestern, ein Patient - das ist eher die Ausnahme als die Regel: In Österreich kommen auf 1000 Einwohner 7,6 diplomierte Pfleger. In Deutschland sind es 10,98, in der Schweiz sogar 15,9.

90.000 Krankenschwestern und Pfleger kämpfen mit den gleichen Bedingungen wie die Ärzte: Zeitdruck, Personalmangel, Überlastung - Doch anders als den Medizinern fehlt ihnen die Lobby, um sich Gehör zu verschaffen

Wien - Überstunden, viel Verantwortung, zu wenig Personal - in den vergangenen Wochen wurde in der Öffentlichkeit viel debattiert um die Arbeitsbelastungen der knapp 40.000 Ärzte in Österreich. Im größten Krankenhaus des Landes, dem Wiener AKH, drohten die Mediziner sogar mit Streik, sollte weiter eingespart werden.

Dem gegenüber stehen rund 90.000 Krankenschwestern und Pfleger, deren Klagen kaum hörbar ist. Die Bedingungen sind dieselben. Doch anders als bei den Ärzten hat diese Berufsgruppe keine echte Interessenvertretung. Das Dienstrecht ist restriktiv, die Hierarchie im Gesundheitswesen ebenso. "Ich bin vermutlich die Einzige der 90.000, die frei darüber sprechen kann, was schiefläuft im System", sagt Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes. Anders als bei der Ärztekammer gibt es keine Pflichtmitgliedschaft, die Vernetzung ist sehr lose.

"Wir sind nicht besonders politisch, das liegt in der Tradition des Berufes", sagt Frohner, "das Rollenbild der Frau macht einen großen Teil der defensiven Haltung aus." 92 Prozent der Menschen in Gesundheits- und Pflegeberufen sind weiblich und im Durchschnitt 38,5 Jahre alt. Die Verweildauer im Dienst beträgt für gewöhnlich zehn Jahre. Burnout und Erschöpfung, davon will Frohner gar nicht erst anfangen: "Wir sind darauf konditioniert, die Mängel des Systems zu kompensieren."

Die demografischen Veränderungen und gleichzeitigen Einsparungen hätten in den vergangenen zehn Jahren zu einer spürbaren Leistungsverdichtung geführt. Die Patienten werden älter, die Krankheitsverläufe komplexer. Dazu kommt der sogenannte Auslastungs-Turnover: Es kommen mehr Patienten auf ein Bett als früher. Gleichzeitig soll die Langzeitpflege billig werden. Frohner: "Wir sind in einer Sandwich-Position, die sich zunehmend verschärft."

Ja, der Zeitmangel sei ein echtes Problem, erzählt Saskia R., die gerade im dritten und damit letzten Ausbildungsjahr zur diplomierten Krankenschwester ist. "Das Gespräch mit dem Patienten, der unser Mittelpunkt sein sollte, bleibt auf der Strecke."

Bald ist sie auf Jobsuche, deswegen möchte sie anonym bleiben. "Es ist ohnehin schwierig, einen Job zu finden", obwohl die Personaldecke in allen Bundesländern laut Frohner "dünn bis löchrig" sei. Aus Spargründen würden mehr Pflegehelfer denn Diplomierte eingestellt. Die sind nun mal günstiger.

Blutdruck oder Blumenvase

Botengänge, Administration, Blumen wässern, Essen ausgeben - all diese berufsfremden Tätigkeiten würden die wichtige Gesprächszeit mit dem Patienten auffressen, kritisiert Frohner. "Von der Ausbildung her ist uns das Blutdruckgerät näher als die Blumenvase." Eine konkrete Forderung des Pflegeverbandes ist daher Büro-, Reinigungs- und Servicekräfte in den Spitälern einzustellen, um das Pflegepersonal zu entlasten. Unter den Bedingungen würden die Kräfte aus dem Ausland auch bald ausbleiben, befürchtet Frohner. Das Berufsbild habe ein Attraktivitätsproblem.

Um auch den pflegenden Angehörigen Unterstützung zu bieten, schlägt sie "Pflege-Stützpunkte" vor, flankierend zu den niedergelassenen Ärzten. "In den Niederlanden funktioniert das." (Julia Herrnböck, DER STANDARD, Printausgabe, 23.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 181
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Hendrik1
01
25.12.2011, 18:32
Ohne jetzt alles gelesen zu haben...

...finde ich durchwegs nur Postings, die die abstrusen, dummen und von Zwietracht zerfressenen Grabenkämpfe im Krankenhausalltag zwischen den Berufsgruppen widerspiegeln...eigentlich schade. Viel Potential geht bei diesen Dingen einfach verloren, nur weil sich einzelne Berufsgruppen in ihrer hierachischen Stellung einzementieren.

Moondancer
00
28.12.2011, 07:44
Frohner ist ein bisserl spät drann..

...das mit den Blumenvasen geht sich nicht mehr aus, seit der Anteil an Diplomkrankenpflegepersonal auf 20% vom Gesamtanteil (inklusive Abteilungshelfer) gesenkt wurde...da ist man nämlich froh, wenn jeden Tag eine im Dienst ist, um das Hilfspersonal zu beaufsichtigen...und so etwas wie Fachpflege zu gewährleisten.

Hendrik1
00
25.12.2011, 18:30
Ohne jetzt alles gelesen zu haben...

Kondratjew -Zyklus
 
00
23.12.2011, 20:22
Julia Herrnböck - hier das Bild einer völlig Ahnungslosen :

http://diepresse.com/home/repo... ?id=394348

odrr
00
23.12.2011, 17:47

Spitäler-Gewerkschafter zündeln beim Rathaus

http://derstandard.at/131500639... im-Rathaus

nihilisterl
00
23.12.2011, 18:29

der brand ist doch schon längst gelöscht. wenn die gewerkschaft feuerwehr spielt müssen sich die mitglieder warm anziehen. z.b. mit der pensionsreform haben die genossen wieder einmal gezeigt auf welcher seite sie stehen.

um nicht ganz zu verzweifeln müssen wir uns halt sisyphus als glücklichen menschen vorstellen.

Ancoron
01
23.12.2011, 17:39
...

Wo ist das Problem am System?
- Menschen werden zu einem großen Teil krank wegen Leistungsdruck, Wettbewerbsdenken in allen Lebenslagen, wegen dem System
- Man behandelt Krankheiten und Symptome und schaltet nicht die oft zugrunde liegenden Gründe aus, die dazu führten (wie oben das System betreffende Dinge)
- viele alte Menschen haben keine Aufgabe mehr. Sie werden häufig als "Ballast" angesehen und behandelt, weil "Leistungserbringung" alles ist, wodurch der Großteil sich vermeintlich definiert
- Menschen- und Weltbild sind bei vielen gortesk, Denk- und Handlungsweisen komplett egoistisch
- ...

Was tun?
- Nächstenliebe leben
- Respekt vor jedem und allem haben
- Mitgefühl kultivieren, das heißt den anderen verstehen
- ...

Wein Franzpolter
04
23.12.2011, 16:00

Eigentlich sind die Mehrheit der aktiv im Beruf stehenden Pflegepersonen und Ärzte Kompensatoren des kranken Systems. Gute Arbeitsbedingungen sind für beide Berufsgruppen eher die Ausnahme bzw. variieren auch stark fachbereichsabhängig und regional. In der Regel findet man in etwa aber dieses Bild vor: Fast bis komplett überlastete Oberärzte mit bis zu 90h-Wochen, Pflegepersonen die max. zu zweit für 20 - 36 Patienten zuständig sind und Turnusärzte, die am Besten bereits alles können und wissen sollten, um nicht in Konflik mit den beiden oben genannten Gruppen zu geraten.

didi111
00
23.12.2011, 14:31
Wie meinte schon ein Zeitgenosse..

Krankenschwestern sind wichtig

und

Ein Krankenhaus ohne Krankenschwestern ist wie ein Gulasch ohne Saft..

..einfach unvorstellbar....

Sarepta
22
23.12.2011, 14:13
Doch anders als den Medizinern fehlt ihnen die Lobby, um sich Gehör zu verschaffen

Soll das ein Scherz sein? Da kann man ja nur lachen, hahaha!!! Ge bitte schauts mal nach Skandinavien, insbesondere Schweden, was da Krankenschwestern leisten anstatt wie in Österreich im Kammerl zu sitzen und zu tschiken und Turnusärzte zu terrorisieren. Österreichische Spitalsärzte haben keine Lobby, meine Guete, recherchierts mal beim standard!

kl. adlerauge
00
23.12.2011, 17:59
Rauchverbot im gesamten Krankenhaus

Meines Wissens nach gilt in vielen Spitälern in Österreich generelles Rauchverbot, auch wenn einige Schwarze Schafe noch immer dagegen verstossen. Ausnahmen sind vielleicht speziell ausgewiesene Raucherzonen. Zu denen zählen aber garantiert nicht die Dienstzimmer des Pflegepersonals auf den Stationen. Somit sollten diese (ihre) Begegnungen dieser Art langsam der Vergangenheit angehören.
Und bitte, aufgrund von negativen Beispielen soll man doch nicht gleich alle in denselben Topf werfen! Schließlich wollen sie sich sicher nicht in einem ebensolchen wiederfinden, oder? Hoffentlich sind die bemühten, netten Leute bei uns in der (leisen) Mehrheit! Sie kennen wohl keinen Arzt mit charakterlichen Schwächen?

Shaman141
 
00
24.12.2011, 08:42
...

die evidenz spricht dagegen - sorry! ich hab als zivi sicher die hälfte der schwesternzimmer in wiens spitälern kennengelernt, udn in praktisch jedem wird geraucht...!

Sarepta
02
23.12.2011, 19:44
Darfma aber schon a bissl lachen, oder?

Die Ausbeutung junger Ärzte als Systemerhalter, die stupide Aufgabenverteilung an diese mit Dingen, die ansonsten überall auf der Welt von der Pflege übernommen wird, die mittelalterliche Hierarchie, in der Turnusärzte noch immer unter der Pflege stehen, die miserable Ausbildungsqualität von Turnusärten, die enorme Arbeitsbelastung, all das hat in Österreich System und darf leider in einen Topf geworfen werden, noch...

Chocoholic
01
26.12.2011, 10:59
ja Turnusaerzte werden schlecht behandelt. Aber dem Pflegepersonal Faulheit unterstellen ist nicht die feine Art oder?

Ancoron
11
23.12.2011, 17:29
...

:-) ... Sie sind Kabarettist! Geben Sie's zu! Nein, Spaß beiseite. Nochmal:
Sie reden Schwachsinn. Ich habe in den letzten 3 Jahren in ~8-10 verschiedenen Bereichen in der Pflege gearbeitet... auf der Psychiatrie kann's auf Subakut-Stationen tatsächlich sein, dass PP Zeit haben zu tschikken und im Kammerl zu sitzen... aber auf fast allen Stationen und vor allem in Pflegeheimen hat man schlichtweg so gut wie nie die Zeit, einfach rumzusitzen.
Turnusärzte rumkommandieren? Das hab ich noch nie erlebt, aber bitte... vielleicht ist das im Osten an der Tagesordnung. Dann versteh ich auch ihren Ärger, ansonsten ist's lächerlich, das Ganze, was Sie da von sich geben.

Sarepta
11
23.12.2011, 19:48

Ge bitte machens eana doch nicht lächerlich, was glaubens woher der zunehmende Ärztemangel kommt? Warum immer mehr junge Absolventen das Ausland Österreich vorziehen, wegen den Traumbedingungen? Informierens eana wenigstens a bissl, bevors derartigen realitätsfremden Unsinn von sich geben. Aja Vorarlberg? Also dort, wo nach Ärzten schon gebettelt wird? Da muss es ja so richtig toll zugehen...

Ancoron
00
23.12.2011, 22:02
...

Ja schön, reden Sie an dem vorbei, was ich sage. Meine einzige Aussage war ja, dass ich noch nicht erlebt habe, dass Turnusärzte rumkommandiert wurden. Aber bitte... :)
Dass es keine Traumbedingungen für junge Ärzte gibt (niedriger Lohn, zahlreiche Überstunden) ist einem ja bewusst. Aber sie haben ja gesagt, die Pflege würde ständig tschikken... tolltoll.

unbroken
00
24.12.2011, 09:56

Manche Ärzte können das halt einfach Net, auf menschen eingehen...haben's halt nie gelernt

Ancoron
00
24.12.2011, 10:02
...

Das ist aber auch nicht das Thema. Und das ist auch kein explizites Problem von Ärzten, sondern diese Eigenheit haben auch Menschen aus anderen Berufsgruppen.

Sarepta
00
24.12.2011, 09:03

Ja dann hams zumindest, was das betrifft, Glück im Ländle!

Takeshi Kovacs
00
23.12.2011, 17:44
Sie arbeiten wo?

in der krankenstatipn vom traumschiff? in der schwarzwaldklinik?

Ancoron
00
23.12.2011, 17:48
...

Naja, in Vorarlbergs Landeskrankenhäusern... und Sie?

Takeshi Kovacs
00
23.12.2011, 17:54
in einem

landes-kh in o-österreich

odrr
00
23.12.2011, 17:39

also da gibt es wirklich ein starkes west/ost,stadt/land gefaelle!

Sarepta
00
23.12.2011, 20:06

Oja ganz vergessen, im LKH Feldkirch, im LKH Bregenz und wie die ganzen Britschen im Ländle heissen, wimmelts ja nur so von Ärzten und solcher, die ihre Ausbildung dort antreten wollen, odrr?

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