Das Unangenehme ist jetzt erledigt, 2012 ist die Darlehensaffäre bloß noch eine aus dem vergangenen Jahr
Dem deutschen Bundespräsidenten geht es nicht anders als dem
Normalbürger. Die lästigen Dinge (Steuererklärung, Zahnarztbesuch)
möchte man vor Weihnachten vom Tisch haben, um sich gut erholen und
danach fit ins neue Jahr starten zu können.
Bei Wulff war das die leidige Affäre um seinen Privatkredit vom
Unternehmer-Ehepaar Geerkens. Der Druck war in den vergangenen Tagen so
groß geworden, dass das Staatsoberhaupt sich nun gezwungen sah, doch
eine persönliche Erklärung mitsamt Entschuldigung abzugeben.
Sein Kalkül: Das Unangenehme ist jetzt erledigt und muss die
traditionelle Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten, die am 25.
Dezember ausgestrahlt wird, dann schon nicht mehr beflecken. Und 2012
ist die Darlehensaffäre bloß noch eine aus dem vergangenen Jahr.
Ob diese Rechnung aufgeht, ist allerdings fraglich. Das Krisenmanagement
in der Kreditcausa war verheerend. Selbst seine reichlich softe
Entschuldigung brachte Wulff erst nach zehn Tagen über die Lippen.
Details hat er immer erst dann eingeräumt, wenn sie ohnehin schon in den
Zeitungen standen. Da ist viel Porzellan kaputtgegangen.
Auch wenn Wulff sich mit seiner späten Erklärung eine Atempause
verschaffen kann, eines ist klar: Wenn jetzt noch irgendeine gravierende
Verfehlung auftaucht, dann wird ihn keine Entschuldigung mehr retten.
Dann kann er das höchste Staatsamt nicht mehr ausüben. (DER STANDARD-Printausgabe, 23.12.2011)