In Vaduz wird noch immer nicht transparent gearbeitet
Liechtenstein arbeitete zuletzt glaubhaft daran, den Ruf einer verschwiegenen Steueroase abzulegen. Man will das Image loswerden, ein Finanzplatz zu sein, bei dem die Diskretion der Bankkunden über alles gestellt wird und sogar bei Steuerbetrug oder anderen undurchsichtigen und kriminellen Finanztransaktionen des ausländischen Kunden gemauert wird.
Diese Einsicht war dem Fürstentum nicht so sehr aus moralischen Überlegungen gekommen. Es waren schmerzliche Skandale, die das traditionsreiche liechtensteinische Finanzplatzmodell desavouierten. Die bekannteste dieser Affairen war die rund um den ehemaligen Bankangestellten Heinrich Kieber, der während seiner Arbeit bei der LGT Treuhand umfangreiche Kundendaten von ausländischen Steuerhinterziehern an sich brachte und dann damit die gesamte liechtensteinische Finanz-Nomenklatura, bis hinauf in fürstliche Kreise, erpresste und zugleich narrte.
Da kommt dieser verworrene Vorwurf, Akten zur Buwog-Affäre seien entwendet, verändert, Teile davon sogar eliminiert worden, zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Auch wenn dies nur ein Einzelfall sein dürfte, zeigt dies, dass in Vaduz noch immer nicht transparent gearbeitet wird. Das blitzschnelle Einberufen einer parlamentarischen Sondersitzung zwei Tage vor Weihnachten zeigt, dass man sich in Liechtenstein darüber klar ist, dass der Fall schlecht fürs Image ist. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.12.2011)