Kastenstände

Volksanwalt klagt wegen Schweinekäfigen

22. Dezember 2011, 17:41
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    foto: apa/fohringer

    Dass Nutzschweine in Österreich künftig mehr Bewegungsfreiheit haben sollen, wurde zwischen SPÖ und ÖVP vereinbart. Doch wie, wurde nur zum Teil verkündet.

Trotz der politischen Einigung auf weniger Kastenstandtage hat die Volksanwaltschaft die geplante Höchstgerichtsklage eingereicht

Wien - Als die Einigung auf weniger Käfigtage für Sauen feierlich vor Journalisten verkündet wurde, befand sich die Höchstgerichtsklage wegen der - von der Bauernschaft als "Ferkelschutzkorb" bezeichneten - Kastenstände bereits auf dem Postweg. "Wir haben den Brief an den Verfasssungsgerichtshof Mittwochvormittag abgeschickt. Zu Mittag kam dann das Aviso für die Pressekonferenz", erläutert Volksanwalt Peter Kostelka.

Am Nachmittag teilten Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) und Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) der Presse mit, dass Muttersauen in den rund 8000 heimischen Zuchtbetrieben spätestens 2033, also in 22 Jahren, ganz ohne körpergroße Käfige in artgerechteren Gruppen leben sollen. In Teilbereichen werde es schon 2013 Verbesserungen geben (der Standard berichtete, siehe "Wissen"). Für Kostelka nur eine Absichtserklärung: "Relevant ist nicht, was geplant ist, sondern was rechtlich gilt. Die Volksanwaltschaft hat 13 Monate gewartet."

Ende September 2010 hatte die Volksanwaltschaft die Sauenhaltung als dem Tierschutzgesetz krass widersprechend kritisiert, dem auch für Tierschutz zuständigen Gesundheitsminister empfohlen, "umgehend" Änderungen zu veranlassen - und eine Verfassungsklage in den Raum gestellt. Laut Gesetz sei es verboten, einem Tier Leid zuzufügen. Die durchgehende Einsperrung der Muttersauen nach dem Ferkeln tue dies jedoch. Im März entwarf Stöger daraufhin eine neue Verordnung.

Bauernbund mauerte

Doch das Landwirtschaftsministerium, das solchen Verordnungen zustimmen muss, schaltete auf stur. Bauernbundpräsident Fritz Grillitsch sprach von einem "Angriff auf heimische Schweinezüchter". Erst Ende November - Grillitsch ging, der Schweinezüchter Jakob Auer folgte ihm als Bauernbundchef nach - kam Bewegung in die Sache. Nach Verhandlungsmarathons auf Ministerebene, am Montag etwa 20 Stunden am Stück, wurden ÖVP und SPÖ am Mittwoch handelseins. "Die Vernunft siegt beim Ferkelschutzkorb", kommentierte Auer.

Am Donnerstag nun ging eine weitere Verordnung in Begutachtung: Eine universitäre Fachstelle soll eingerichtet werden, um neue, kastenstandfreie Ställe zu entwickeln - sowie moderne Haltungssysteme für andere Nutztiere. Dass der Kern der Vereinbarungen, die neuen Regeln für die Schweinehaltung, hingegen unter Verschluss gehalten wird - mit dem Argument, Stögers Verordnung vom März sei bereits begutachtet worden - macht Fach- und Tierschutzexperten skeptisch.

Eine offene Frage sei, ab wann genau der Bau herkömmlicher Ställe untersagt sein werde, meint ein Wiener Nutztierexperte. Ab 2019, versichert man im Büro Stöger. Die VfGH-Klage trotz Politeinigung will man dort nicht kommentieren. "Die Klage ist gegenstandslos", meint hingegen eine Sprecherin Berlakovichs. (Irene Brickner, DER STANDARD, Printausgabe, 23.12.2011)

Wissen
Laut den Ministern dürfen Sauen im Deckstall ab 2013 statt 124 nur mehr zehn Tage im Käfig stehen - im Abferkelstall, mit einer Übergangsfrist bis 2033, 33 statt 35 Tage. Da jedes Tier rund 2,3 Trächtigkeiten pro Jahr erlebt, verringert sich die Einsperrzeit von 365 auf 99 Tage. (bri)

Kommentar von Irene Brickner
Klage als Korrektiv

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Posting 1 bis 25 von 85
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Baltasar König
01
11.1.2012, 11:31
Dem Bauernbund

sind, meines Erachtens,

die Bauern ebenso egal, wie die Sauen, wie die Konsumenten.

Hauptsache ist, daß die Organisation selbst.
Und die Kammerumlage muß stimmen.
Zum Wohle des Funktionärs.

Spricht man das an, dann wird er sau-er.

Ingrid Goeschl
210
23.12.2011, 10:25
"Da jedes Tier rund 2,3 Trächtigkeiten pro Jahr erlebt..."

Allein dieser Satz zeigt schon, was "Tierproduktion" bedeutet.

VoK
01
30.12.2011, 07:42

Wenn man objektiv etwas betrachten will dann hat Emotionsvokabular eben keinen Platz. Das ist in der Wirtschaft, in der Technik und in der Justiz so. Spock sei Dank.

Geoffrey of Monmouth
016
23.12.2011, 10:23

Man könnte die Studie auch ganz einfach dadurch ersetzen, dass man in die Schweiz geht und schaut, wie die das dort machen. Da gab es eine Übergangsfrist von 10 Jahren, und dann war Schluss. Die Lösung in Österreich ist ja wieder nur eine Augenauswischerei.

Seltsam finde ich ja, dass ein Großteil der Österreicher niemals ein Tier quälen würde, gleichzeitig aber bedenklose solches Fleisch ist, bei dessen Produktion die Tiere von Geburt an systematisch gequält werden.

üawhr
01
23.12.2011, 11:59
Ich bin nicht solches Fleisch.

Hudri Wudri
02
10.1.2012, 14:07
Sie wuerde ich auch nicht esen ;-)

NB, Schweinderln auch nicht, wenn ich deren Stall/Hof nicht kenne.
Ansonsten ist obiges Posting mE mehr als nur passend, nicht zuletzt die skurille Diskrepanz so vieler Tierliebhaber, die Fleisch essen und sich bereits beim Abstechen wahrscheinlich uebergeben wuerden.
Schlachten ist weiss Gott nicht Jedermann/frau Sache (Informatik ja auch nicht), zu verlangen, dass Jede(r) AllesfresserIn auch mal einer zweckgebundenen Tiertoetung beiwohnen sollte, waere fuer das Menschenbewusstsein wichtig.

Kontrahent1
16
23.12.2011, 11:45
Allein schon die 99 Tage pro Jahr,

welche erlaubt sind, ist ein grausamer Witz! Jeder, der das befürwortet gehört einmal für 24 Stunden Krummgeschlossen.- Wer kann die 99 Tage überprüfen? Unverzüglich entfernt gehören diese Foltergeräte und die Schweinezucht auf eine normale Menge reduziert, welche auch die Felder (und Gewässer) vor dieser Unmenge Gülle schützt!

Mary Ann
07
23.12.2011, 09:49
bio-fleisch aus österreich...

...und das selten!!!
geboren, aufgezogen und geschlachtet in österreich - muss am etikett stehen, jedes andere fleisch stammt aus dem ausland.
und die paar cent mehr, zahl ich wirklich gerne. jede andere vorgangsweise könnte ich mit meinem gewissen nicht vereinbaren.

bin neben einem schweinebauern (das wort großindustrieller würde es besser bezeichnen) aufgewachsen. das ist ein leben auf kosten geqäulter tiere das ich nicht unterstützen will. das übernimmt nur leider die EU, mit irre hohen subventionen an die agrarindustie. je größer der bauer (industrieller) desto mehr föderungen.

Salz Burger
41
23.12.2011, 23:05

Mir ist es ziemlich wurscht, woher das Fleisch kommt. In der EU haben wir ohnehin recht gute Gesetze und in einigen Ländern gibt es richtige Spezialisten.

baka
08
23.12.2011, 09:47
Lese ich richtig?

Bis 2033 (!) soll eine artgerechtere Haltung möglich werden? Und was passiert in den nächsten zwei Jahrzehnten? Und was ist bitte ein Ferkelschutzkorb? ist das nun die hübsche Beschreibung für einen furchtbaren Kastenstand?

Kontrahent1
11
23.12.2011, 11:49
Das ist wie der deutsche Atomausstieg

unter rot/grün: 30 Jahre, Zeit genug, für den Wiedereinstieg.- Jetzt, wo der Hut brannte, hat man gesehen, daß es auch schneller geht und das sogar unter einer schwarz/gelben Regierung;-) Also bitte, sofort weg mit den Foltergeräten!

rosali1
213
23.12.2011, 07:59
ganz einfach

kein fleisch mehr essen.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
14.2.2012, 15:57
wenn DU Dich mit Mangelernährung aus dem Betrieb nimmst,

bitte. Ist Dein "Vergnügen".

Salz Burger
12
23.12.2011, 23:06

ich esse gerne Fleisch und werde das auch weiterhin tun.

kopernicus
013
23.12.2011, 07:30
DANKE HERR KOSTELKA

Meine Hochachtung, sie stehen zu ihrem Wort.
Bitte verlieren sie nicht den Mut und lassen sie sich nicht über den Tisch ziehen.
Die "Einigung" von Stöger und Berlakovich ändert nichts daran, dass der Kastenstand nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar ist.
§ 16. (1) Die Bewegungsfreiheit eines Tieres darf nicht so eingeschränkt sein, dass dem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden oder es in schwere Angst versetzt wird.

(2) Das Tier muss über einen Platz verfügen, der seinen physiologischen und ethologischen Bedürfnissen angemessen ist.

andrea mayr
142
23.12.2011, 07:54
Danke

In Österreich wird die Produktion vernichtet, dafür können die Agrarfabriken im Ausland expandieren. Das Tierleid wird damit vergrößert und nicht verkleinert. So geschehen bei der Käfighaltung für Hennen. Polen und Spanien setzen die EU Richtlinien nicht und haben sogar noch zusätzliche rechtswidrige Einheiten errichtet. So schauts aus.

Char Ming
02
25.12.2011, 12:48

Sie täuschen sich. Je mehr Tierschutz in einem Land an Bedeutung gewinnt und ernst genommen wird, desto größer ist der Nachahmungseffekt in den anderen Ländern.

Takis
02
23.12.2011, 13:02

Der Konsum von käfigeiern ist trotzdem stark zurückgegangen. Man bekommt in keinem mir bekannten Supermarkt noch solche Eier und auch Fertigprodukte sind meistens mit Eiern aus Bodenhaltung gemacht.
Die Situation ist also nachweislich besser, wenngleich natürlich ein Importverbot sehr sinnvoll und wünschenswert ist. Auch bei den Schweinen.

Luis.M
03
23.12.2011, 11:45

"Aber Mama, die anderen Kinder machen das auch alle!"

Kein Grund und keine Entschuldigung, etwas zu tun, nur weil's andere auch tun. Wenn man etwas als falsch erkannt hat, muss man die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Nur wenn irgend jemand damit anfängt, etwas zu verändern, werden sich neue Standards durchsetzen.

Salz Burger
140
23.12.2011, 09:41

Atomkraftwerke wären auch noch zu erwähnen. Das Geschäft wird halt jetzt woanders gemacht und wir nutzen die Produkte trotzdem.

Ingrid Goeschl
04
23.12.2011, 10:22

Oh, der Herr Salz Burger bedauert, dass Österreich keine Atomkraftwerke hat.

Weshalb wundert mich das bloß nicht...

Salz Burger
90
23.12.2011, 10:39

Weil wir diese Kraftwerke trotzdem in Mitteleuropa ziemlich zahlreich haben, nur das Geschäft mit der Stromerzeugung woanders gemacht wird?

WLG
13
23.12.2011, 08:49

Dann muss man eben darauf achten, österreichisches Fleisch zu kaufen.

Ingrid Goeschl
04
23.12.2011, 10:23

Oder den Fleischverbrauch einschränken.

Salz Burger
110
23.12.2011, 09:42

Was nicht so einfach sein wird, wenn es wegen überzogener Vorschriften extrem teuer oder gar nicht mehr zu bekommen ist.

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