Anleihenzinsen stagnieren
Frankfurt/Wien - Die Geldspritze der Europäischen Zentralbank kommt noch nicht bei den Anleihenmärkten gestresster Eurostaaten an. Europas Geschäftsbanken haben sich am Mittwoch 489,2 Milliarden Euro von der Zentralbank für drei Jahre ausgeliehen. Analysten und Investoren haben daraufhin zunächst deutlich aufgeatmet, denn "das hilft den Banken, die 2012 große Anleihenvolumina tilgen müssen", so Janet Henry, Ökonomin der britischen HSBC. Von Jänner bis April etwa müssen die Banken jeden Monat knapp 50 Milliarden Euro refinanzieren.
Doch die Zinsen für spanische und italienische Staatsanleihen, die in den Fokus der Finanzmärkte gerückt waren, haben sich kaum bewegt. Am Donnerstag lag die Rendite von dreijährigen italienischen Staatsanleihen bei 5,9 Prozent. Das Zinsniveau ist zwar niedriger als vor einem Monat, doch immer noch doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Ebenso hat sich der Zins für spanische, österreichische und französische Zinsen seit Monatsbeginn zwar um knapp einen Prozentpunkt verbilligt. Diese Dynamik ist aber in den vergangenen Tagen zum Erliegen gekommen.
Zudem gibt es auch Hinweise, dass die Geldinstitute einen Teil des geborgten Geldes bunkern. Die Einlagenfazilität bei der EZB ist am Mittwoch auf 264 Milliarden Euro angewachsen, knapp 40 Milliarden mehr als noch zu Beginn der Woche. "Wir befürchten, dass die Bedenken bezüglich der Solvenz angesichts des Wachstumsstopps im kommenden Jahr wieder in den Vordergrund rücken werden", warnt Henry. Sie erwartet, dass die EZB die Leitzinsen von aktuell einem Prozent weiter senken wird, um die europäische Konjunktur zu stützen. (sulu, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 23.12.2011)