"Ungeheure Aufbruchsstimmung"

Interview
  • Das Eis schmilzt: Erst kommen die Ingenieure und Diplomaten, dann die Touristen.
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    foto: aus dem band "die welt der antarktis. geheimnisse des südlichen kontinents", mit freundlicher genehmigung des delius-klasing-verlages.

    Das Eis schmilzt: Erst kommen die Ingenieure und Diplomaten, dann die Touristen.

  • Der Mensch dringt immer weiter vor und erobert selbst unter extremen 
Bedingungen neues Terrain.
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    foto: aus dem band "die welt der antarktis. geheimnisse des südlichen kontinents", mit freundlicher genehmigung des delius-klasing-verlages.

    Der Mensch dringt immer weiter vor und erobert selbst unter extremen Bedingungen neues Terrain.

  • Dies ist die Folge des Klimawandels, der für 
die neue Welt am Polar auch Schwierigkeiten bringen kann.
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    foto: aus dem band "die welt der antarktis. geheimnisse des südlichen kontinents", mit freundlicher genehmigung des delius-klasing-verlages.

    Dies ist die Folge des Klimawandels, der für die neue Welt am Polar auch Schwierigkeiten bringen kann.

  • Aber der Klimawandel ermöglicht auch einen industriellen Aufbruch im Norden.
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    foto: aus dem band "die welt der antarktis. geheimnisse des südlichen kontinents", mit freundlicher genehmigung des delius-klasing-verlages.

    Aber der Klimawandel ermöglicht auch einen industriellen Aufbruch im Norden.

  • Informationen: www.dertraumvomaufbruch.de
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    foto: aus dem band "die welt der antarktis. geheimnisse des südlichen kontinents", mit freundlicher genehmigung des delius-klasing-verlages.
  • Literatur:
David McGonigal, Lynn Woodworth: "Die Welt der Arktis. Geheimnisse des südlichen Kontinents".Delius-Klasing-Verlag 2011. Aus dem Englischen von Wolfgang Rhiel. ISBN 978-3-7688-3240-3
Matthias Hannemann: "Der neue Norden. Die Arktis und der Traum vom Aufbruch."Scoventa-Verlag 2011, ISBN 978-3-942073-02-8
    foto: delius-klasing-verlag/scoventa-verlag

    Literatur:

    David McGonigal, Lynn Woodworth: "Die Welt der Arktis. Geheimnisse des südlichen Kontinents".
    Delius-Klasing-Verlag 2011. Aus dem Englischen von Wolfgang Rhiel. ISBN 978-3-7688-3240-3

    Matthias Hannemann: "Der neue Norden. Die Arktis und der Traum vom Aufbruch."
    Scoventa-Verlag 2011, ISBN 978-3-942073-02-8

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    grafik: der standard

Nordeuropa-Experte Matthias Hannemann ortet eine Art "Frontiergedanken" an den einstigen Enden der Welt

STANDARD: Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Arktis, warum?

Matthias Hannemann: Zum einen, weil ich als Jugendlicher an einem Austauschprogramm am Polarkreis teilgenommen habe, zum anderen aufgrund der ungeheuren Aufbruchsstimmung, die da herrscht. Die ist eine Folge der Klimaerwärmung, aber auch des politischen Klimawandels nach dem Ende des Kalten Krieges.

STANDARD: Sie beschreiben die Arktis als eine Art "Neuer Wilder Westen". Ist das nicht romantisierend?

Matthias Hannemann: Die Romantik hat immer schon unser Bild vom Norden gefärbt. Seit den Römern gibt es die Idee, dass die Zivilisation nordwärts schreitet. Auch Jules Vernes hat in seinen Romanen von einem Norden geträumt, in dem es vielleicht doch noch einmal was zu holen gibt. Und auch die medialen Bilder, die uns heute umgeben, beschwören einen Norden, in dem die Zivilisation mit der Natur ringt, getrieben von dem uralten Bild, dass man immer noch einen Schritt nach vorn tun kann.

STANDARD: Mehr als 20 Prozent der unerschlossenen Energiereserven sollen im Nordpolarmeer liegen. - Ist es da nicht schon klar, wer im Match Industrie versus Natur gewinnen wird?

Matthias Hannemann: Die Vorstellung, dass im Norden Energiereserven liegen, gab es ja auch schon in den 70er-Jahren. Und da frage ich mich schon: Ist der Klimawandel ein willkommenes Alibi der Wirtschaft, in diese Regionen vorzudringen? Vor allem das Tempo, in dem man da jetzt vorstößt, macht mich ein bisschen unruhig.

STANDARD: In Ihrem Buch ist die Rede von der Arktis als "Naherholungsgebiet Europas". Zieht sie nicht nur weltflüchtige Aussteiger à la Henry David Thoreau an?

Matthias Hannemann: Es wird in der Arktis sicher keinen Massentourismus geben wie auf Mallorca. Doch der Tourismus orientiert sich stärker gen Norden als früher, die Kreuzfahrtschiffe sind populär, Spitzbergen und Grönland sind nicht mehr ganz so exotische Ziele wie noch vor wenigen Jahren. Der Tourismus soll Arbeitsplätze bringen.


Dem Eisbären steht das Wasser schon bis zum Hals.

STANDARD: Menschen, die vor der Modernisierung fliehen, treiben den Fortschritt an. Kann man diesem Paradox entkommen?

Matthias Hannemann: Da bin ich wenig schwärmerisch veranlagt. Die Sehnsüchte waren immer schon da, aber jetzt kann man sie ausleben: Jetzt gibt es auch Billigflieger nach Nordschweden.

STANDARD: Wie sähe ein verantwortungsbewusster Aufbruch in die Arktis aus?

Matthias Hannemann: Man muss es schaffen, alles gleichzeitig zu denken: die Energiepolitik, den Umweltschutz, die Diplomatie, die Interessen der Menschen am Polarkreis und die der Menschen weiter weg. Zugleich sollte man nichts überstürzen.

STANDARD: Sie schreiben: "Der Süden muss erst völlig im Eimer sein, um sich der Verwandtschaft im Norden zu erinnern." Ist es schon so weit? Hat das verstärkte öffentliche Interesse am Norden etwas mit der Wirtschaftskrise zu tun?

Matthias Hannemann: Ich kann mir gut vorstellen, dass die Krise unser Verlangen nach dem Ursprünglichen, Echten verstärkt. Aber auch nach einem Ort, der noch ein unbeschriebenes, weißes Blatt ist und an dem es ein "Weiter so" gibt. Wobei das eine spannende Frage ist, ob wir da nicht einer Illusion hinterherjagen.

Ich halte die Entwicklung, also die Erschließung der Arktis, für nicht mehr aufhaltbar, wir können sie nur kritisch begleiten und Regeln entwickeln, wie man Öl und Gas produziert und die nötigen Sicherheitsbestimmungen garantiert.

STANDARD: Das Eis verschwindet, die Nordostpassage wird befahrbar, Touristen und Industrie kommen. - Wird der Nordpol da nicht zur Banalität?

Matthias Hannemann: Natürlich gewinnt der Nordpol seinen Reiz daraus, dass er unerreichbar schien. Banal wird er dann, wenn das Eis verschwunden ist. Die Frage ist, ob man dem Klimawandel auf Dauer trauen darf.

Das Spannende am Norden ist, dass die Konturen der Welt von morgen sichtbar werden. Sonst bleibt der Klimawandel ja sehr abstrakt, im Norden ist er heute schon konkret erkennbar. Wobei man nicht vergessen darf, dass der Klimawandel für diese neue Welt im Norden auch Schwierigkeiten bedeuten könnte.

STANDARD: Was haben Sie von Ihren Reisen in den Norden gelernt?

Matthias Hannemann: Ich hatte beim Schreiben schon das Gefühl, viel zu erfahren über die Grundfragen der Gesellschaft: Was braucht man im Leben, und welche Rolle spielt der Staat dabei? Und über die Bedeutung der Bildungspolitik - denn der ganze Fortschritt in den Regionen funktioniert ja nicht, wenn er nicht von einer klugen Schul- und Forschungspolitik flankiert wird.

STANDARD: Gilt all das Gesagte in Sachen Pioniergeist und Fortschritt auch für die Antarktis?

Matthias Hannemann: Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg ist vergangene Woche in der Antarktis zu einer Gedenkfeier für Roald Amundsens erfolgreiche Südpolexpedition vor genau 100 Jahren eingetroffen: Er hat in seiner Rede darauf hingewiesen, dass Norwegen viel größer sei, als man glaubt. Das ist Symbolpolitik. Die Antarktis hat ganz andere Voraussetzungen, aber das Thema kommt, sicher! (Tanja Paar/DER STANDARD/Rondo/23.12.2011)

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14 Postings

Aber der Pinguin der bei dieser Arktis Story in Print abgebildet war war peinlich

ich war auch leicht schockiert, als ich nach dem posten die printausgabe durchgeblättert habe.

ich dachte inuits leben dort?? oder irre ich mich?? fals ja ist eigentlich klar wem das land "gehört"

drunter und drüber

in diesem artikel geht es allerdings, wie schon erwähnt, drunter und drüber:
- dass einer "nordeuropa-experte" ist, macht einen nicht zum arktis-experten.
- das antarktis-buch, das abgebildet ist, hat kaum etwas mit dem inhalt des interviews zu tun. das ist verwirrend. gibt's denn kein arktis-buch??
- und der kommentar unter dem eisbären-bild ("Dem Eisbären steht das Wasser schon bis zum Hals") mag zwar lustig-flockig klingen, ist aber makaber, im grunde genommen ist er geschmacklos.

.

seit in einem standardartikel dargelegt wurde dass der eisbaer seinem fressverhalten nach korrekt nicht als fleischfresser sondern als fettlutscher bezeichnet werden sollte kann ich die tiere nicht mehr ernst nehmen...

Der neue 'Wilde Westen'.
Topographen gibts wohl keinen in derStandard Redaktion.

auch interview lesen vor dem kritisieren

Her mit Franz Josefs-Land, Russkis, aber flott. Wird schon was zu finden sein dort.

der süden kann noch so im arsch sein

dass interessiert doch ottonormalverbraucher aus einer industrienation nicht... die wollen stärkere autos, schnellere computer und billig, viel essen.

und bitte ohne viel zu arbeiten.

solangs denen da unten noch schlechter geht isses hier oben noch besser...

entlarvend

das bild mit der unterschrift "Dem Eisbären steht das Wasser schon bis zum Hals" zeigt für wie blöd uns der standard schreiberling hält.

Ist man doch eh gewohnt, oder?

Vom bequemen Sofa aus,hört sich so eine Arktisdurchquerung Romantisch an,aber tatsächlich ist es eine Eishölle.

Eine Arktisdurchquerung (Russland - Kanada) ist so weit ich weiß noch fast niemandem gelungen. Messner hat's 95 versucht, ist aber gescheitert. Vor 2 Jahren haben's glaube ich Belgier probiert. Ich weiß nicht, ob's die geschafft haben. Geschafft hat's aber schon jemand.

Arktis, Antarktis,

Polarbären, Pinguine,...

Eigentlich ja eh alles ein- und dasselbe!

Trotzdem:
Ein Bild aus einem Buch über die Antarktis und darunter etwas von industriellem Aufbruch im NORDEN zu schreiben ist schon etwas - peinlich!!!

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