Chiranuch Premchaiporn soll monarchie-feindliche Kommentare zugelassen haben
Bangkok/Wien- Einer thailändischen Journalistin drohen 50 Jahre Haft
wegen "Majestätsbeleidigung". Chiranuch Premchaiporn, genannt "Jiew", hatte auf
dem von ihr betriebenen Internet-Diskussionsforum "Prachatai" ("Freier Mensch")
Kommentare erhalten, in denen angeblich die Monarchie herabgewürdigt wurde. Das
berichtete Chiranuch in einem Interview mit der französischen Zeitschrift "Le
nouvel Observateur".
In Thailand wird "Majestätsbeleidigung" als schwere Straftat geahndet, für
die bis zu 15 Jahre Haft vorgesehen sind. Bei mehrfachen derartigen Delikten
wird das Strafmaß multipliziert. "Ich persönlich riskiere fünf Jahre Gefängnis,
wegen der (zehn) Kommentare auf "Prachatai" drohen mir 50 Jahre", sagte
Chiranuch. Dieses Gesetz sei ein Mittel der Unterdrückung um die Menschen zum
Schweigen zu zwingen, klagte sie.
Tatsächlich werden andere Vergehen oft weniger schwer bestraft. So wurde ein
Universitätsprofessor, der in einem Eifersuchtsanfall seine Frau totgeschlagen
hatte, zu 50 Tagen gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Der 61-jähriger Großvater Amphon Tangnoppaku
dagegen, dem man vorgeworfen hatte, monarchie-feindliche SMS verschickt zu
haben, bekam 20 Jahre Gefängnis. Tangnoppaku
bestreitet, überhaupt zu wissen, wie
man SMS verschickt.
Die Journalistenorganisation "Reporter ohne Grenzen" ("Reporters Sans
Frontières/RSF") hat nun eine Kampagne gestartet. Auf einem Plakat mit einem
Foto einer in der Andamanischen See gelegen Trauminsel steht: "Fuck democracy,
book a vacation in Thailand" ("Scheiß auf die Demokratie, mach Urlaub in
Thailand"). (APA)