Skype statt Streit unterm Weihnachtsbaum

22. Dezember 2011, 14:28
17 Postings

Technologien wie Videotelefonie sind für viele räumlich getrennte Familie inzwischen unverzichtbar geworden

Heutzutage ist es kein Problem mehr, wenn die betagte Großmutti in Wien und die ausgewanderten Kinder in Australien leben. Ein Klick und schon erscheint das Enkerl auf dem Bildschirm und kann sich regelmäßig mit der Oma austauschen. Zu Weihnachten oder Geburtstagsfesten ist das überhaupt eine tolle Sache. Videotelefonie ermöglicht, dass auf der Welt zerstreute Familienmitglieder zusammenkommen. Mit um in PC und Mobilgeräte eingebaute Kameras und Mikrofone, die Breitband-Entwicklung und Software-Updates ist die Kommunikation noch ausgefeilter geworden.

"Skypeanukkah"

Die New York Times berichtet von einer US-amerikanischen Familie, die das jüdische Fest Hanukkah getrennt feiern muss. Dank Skype sind die Verwandten aber irgendwie doch zusammen. "Wir nennen es Skypeanukkah", sagt der 27-jährige Sohn über das Weihnachten, das die Familie heuer zum zweiten via Skype miteinander feiert. So könnten trotzdem Erinnerungen mit der Familie entstehen, die man sonst nicht hätte.

300 Millionen Minuten täglich

Skype, das nun seit acht-jähriges Bestehen feiert, hat es im Gegensatz zur Konkurrenz wie Apples FaceTime und der Google Chat geschafft, ein fixer Bestandteil vieler Heimcomputer zu werden. Weltweit zählt der VoIP-Dienst derzeit 300 Millionen Minuten Video-Anrufe pro Tag, was einem Anstieg von gewaltigen 900 Prozent seit 2007 entspricht. Die Zahl basiert auf den Angaben des Unternehmens. Rund 200 Millionen Skype-UserInnen sind es derzeit weltweit, die die kosteneffektive Alternative zur Auslandstelefonie nutzen. Einen Großteil machen Jugendliche aus.

Weniger Stress

Neben dem Gefühl der Nähe gibt es für die "Skyper" einen weiteren Vorteil den Computer für die Feiertage heran zu ziehen. "Es war mein erstes Weihnachten, das ich nicht als stressig empfand", sagt eine Userin. Lästiges Reisen und Packen fallen weg und somit auch jede Menge Stress.

Senioren

Die Digitalisierung greift nicht nur in die jungen Altersgruppen, auch ältere Personen entdecken den PC und seine Möglichkeiten. Zur Skype-Nutzergemeinde gesellen sich immer mehr Senioren, da nicht zuletzt auch Pensionistenheime Internetangebote für die BewohnerInnen aufnehmen.

"Babysitter"

Eltern erzählen davon, wie praktisch Skype ist, wenn man für zwei Stunden ins Restaurant gehen möchte und die Kinder einstweilen zuhause bleiben - unter Bewachung quasi und mit einer Art Babysitter.

Teilnahme

Das Schlagwort ist Partizipation. Am Leben anderer teilzunehmen, und nicht bloß davon zu hören. Die Partizipation am Alltag von Kindern scheint sich als größte Bereicherung der Videotelefonie zu entpuppen. Während die Technologie eine Reihe von Möglichkeiten eröffnet hat, hat sie gleichzeitig eine Vielzahl an Komplikationen mitgebracht. Eine Frau beklagte sich laut New York Times darüber, dass ihr Ex-Mann mit der gemeinsamen Tochter nur noch chattet. Derartige Interaktionen, vor allem wenn sich die Kommunikation ausschließlich auf den Bildschirm abspielt, seien nicht adäquat für eine Eltern-Kind-Beziehung. Aber sie hätten ihm "die Ausrede geliefert, die er als abwesender Vater braucht".

Sehnsucht

Natürlich kann keine Technologie das Gefühl ersetzen, das man bei der Umarmung eines geliebten Menschen empfindet. Auch nicht die Einbindung praktischer technologischer Mittel wie Skype. Die wesentlichsten Informationen werden ausgetauscht und kurzfristig - zumindest bis zum Ende des Gesprächs - lässt sich die Sehnsucht nach der Person am anderen Ende der "Leitung" lindern. (Eva Zelechowski, derStandard.at, 22.12.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Love is the message.

Share if you care.