SPÖ: Töchterle sitzt auf halber Milliarde Euro - Ministerium: Derzeit 270 Millionen Euro Rücklagen, zum größten Teil nicht frei verfügbar
Wien - SPÖ und ÖVP streiten wegen Rücklagen des Wissenschaftsministeriums. So soll das Ressort Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) auf einer halben Milliarde Euro Rücklagen sitzen, wie die Tageszeitung "Kurier" unter Berufung auf eine parlamentarische Anfrage von SP-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl berichtet, die noch nicht eingebracht wurde. Im Wissenschaftsministerium betonte man am Freitag auf Anfrage der APA, dass die Rücklagen derzeit 270 Millionen Euro betragen und "zum allergrößten Teil nicht frei verfügbar sind".
Schon im Sommer hatte die FPÖ in einer parlamentarischen Anfrage die "merkwürdige Budgetpolitik" des Wissenschaftsministeriums kritisiert. Damals betrugen die Rücklagen des Ressorts 332 Millionen Euro (Stand: 31. März 2011). Zu diesem Betrag zählt die SPÖ nun 212 Millionen Euro - jene Summe, die das Ministerium bis Oktober 2011 weniger ausgegeben haben soll als im Vorjahr, wie Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) laut SPÖ im parlamentarischen Finanzausschuss erklärt haben soll.
Kuntzl will deshalb von Töchterle wissen, woher die Rücklagen kommen, warum Geld trotz der angespannten Situation an den Unis zurückgehalten werde und warum die Mittel nicht zur Verbesserung der Kapazitäten an den Hochschulen verwendet werden. Hintergrund dürfte zunehmender Unmut der SPÖ über die wiederkehrenden Studiengebühren-Forderungen Töchterles sein.
Im Wissenschaftsministerium betont man, dass "die Gelder sehr wohl gebraucht werden, nur eben zu einem späteren Zeitpunkt". Die Mittel würden in den kommenden Jahren u.a. für den Wissenschaftsfonds FWF, Klinikbauten in Wien, Graz, und Innsbruck, Infrastruktur an Unis, das Projekt MedAustron, das Institute of Science and Technology (IST) Austria, die Akademie der Wissenschaften, das Förderprogramm GEN-AU, das Vienna Biocenter, wissenschaftliche Anstalten wie die Zentralanstalt für Meteorologie (ZAMG) und verschiedene Projekte wie die Europäische Astronomieorganisation ESO oder das Europäische Kernforschungszentrum CERN verwendet werden. Zudem handle es sich dabei um eine "Reserve für unvorhergesehene Ausgaben". Zum Teil seien dies auch noch nicht ausgegebene Gelder, etwa bei Verzögerungen von Bauprojekten. (APA)