Elektromobilität vs. Wasserstoffzeitalter

27. Dezember 2011, 16:29
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Neben dem Elektroauto gibt es eine andere Alternativtechnologie für Erdöl: Die Brennstoffzelle. Der Wasserstoff wird noch aus Erdgas erzeugt

Zynisch könnte man sagen, dass man mit Batterieelektrizität nicht fliegen und nicht Kampfpanzer fahren kann. Bei hohen Lasten, weiten Wegen und großen Geschwindigkeiten ist die Speicherfähigkeit eines Akkus rasch am Ende. Da braucht man einen Energieträger mit hoher Energiedichte bei geringem Gewicht und geringem Volumen.

Wasserstoff enthält pro Kilogramm rund dreimal so viel Energie wie fossiler Brennstoff, Nachteil ist allerdings auch seine geringe Dichte. Darum muss man ihn hoch komprimieren oder tief kühlen, damit er annähernd die Energiedichte von Benzin aufweist, bezogen auf das Volumen.

Trotzdem ist ausschließlich der Wasserstoff als Nachfolger fossiler Energieträger vorstellbar. Manfred Klell vom Hycenta Research Graz, sozusagen Österreichs Mister Wasserstoff: "Wir haben drei Szenarien, ein grünes, also wir erzeugen Strom mit Wind, Wasser, Sonne, haben einen Überschuss, machen mit Elektrolyse Wasserstoff und erreichen einen CO2-freien Energiekreislauf. Das zweite lautet, uns ist alles wurscht, und wir ersticken im Müll und Abgas, und das dritte ist das Mad-Max-Szenario, also wir bekriegen uns um die Ressourcen."

Tatsächlich scheinen Wasserstoff und Elektrizität aus unbedenklichen Quellen eine gute Kombination. Strom lässt sich schlecht speichern, Wasserstoff ist ein guter Energiespeicher. Spannt man die beiden zusammen, wäre das eine Win-Win-Situation - allerdings nicht ohne Schwierigkeiten, wobei die größten Hürden gar nicht technischer, sondern wirtschaftlicher Natur sind.

Wasserstoff, wie er derzeit gehandelt wird, ist eigentlich ein Erdölprodukt, und selbst unter diesen Umständen gibt es bereits ein Preisproblem. Klell bringt die Situation folgendermaßen auf den Punkt: "Technisch ist die Anwendung von Wasserstoff ausgereift, sowohl im Verbrennungsmotor als auch in der Brennstoffzelle. Das Haupthindernis ist der Preis, also Treibstoffkosten mindestens mal drei, Fahrzeugkosten auch mindestens mal drei. Wasserstoff aus der Elektrolyse ist dann auch noch um den Faktor zehn teurer als aus Erdgas." Damit rückt die Vision von Wind-, Sonne- und Wasserkraftwerken, deren Elektrizitätsenergie in Wasserstoff gespeichert wird, um dann verteilt zu werden, wieder in weite Ferne.

Ran an die Fördermittel

Warum es gleichzeitig einen starken Druck in Richtung Elektroauto gibt, erklärt Klell dann so: "Die Mineralölfirmen, die auch den Wasserstoff vertreiben, sehen kein Zusatzgeschäft darin, und deswegen forcieren sie den Wasserstoff auch nicht, wohingegen die Stromversorger ein hoch attraktives Geschäftsfeld sehen, wenn sie Elektromobilität pushen." Und es gibt noch einen Grund, warum das Elektroauto derzeit mehr Aufsehen erregt. Klell: "Praktisch alle Fahrzeughersteller haben Brennstoffzellenfahrzeuge in Entwicklung, sie werden aber nicht so in den Vordergrund gerückt, weil derzeit eher Elektromobilität in ist, was auch heißt, dass hier Fördermittel leichter zu bekommen sind."

Somit scheint noch einmal klarer: Wasserstoff und Strom sind keine Konkurrenten. Klell: "Das Problem ist nicht so sehr Wasserstoff oder Strom, sondern wo die Energie dafür herkommt." Auch die Verteilung der Energie ist in beiden Fällen schwieriger als bei Mineralölprodukten, und zwar aus dem simplen Grund, dass es für Benzin und Diesel schon eine Infrastruktur gibt, für Strom und Wasserstoff noch nicht.

So kommen wir also zu dem folgenden Schluss: Wasserstoff funktioniert grundsätzlich bereits im Auto, mit Verbrennungsmotor sowieso, aber ebenso mit Brennstoffzelle. Auch die Speicherung und der Transport sind technisch im Griff, mit Einführung von 700-Bar-Druckspeicherung erreicht man sogar annähernd die Reichweiten von Dieselautos. Die ökologisch sinnvolle Herstellung von Wasserstoff aus regenerierbaren Quellen, die nicht mit der Lebensmittelproduktion konkurrieren, ist aber noch viel zu teuer. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/23.12.2011)

 

  • Zwar hat die Mineralölindustrie kein besonders Interesse, mit Wasserstoff einen Konkurrenten für Benzin und Diesel an die Tankstelle zu bringen. Die OMV forscht aber trotzdem.
    foto: werk

    Zwar hat die Mineralölindustrie kein besonders Interesse, mit Wasserstoff einen Konkurrenten für Benzin und Diesel an die Tankstelle zu bringen. Die OMV forscht aber trotzdem.

  • Bugrad eines Verkehrsjets mit Radnabenmotor und Brennstoffzelle an Bord.
    foto: skarics

    Bugrad eines Verkehrsjets mit Radnabenmotor und Brennstoffzelle an Bord.

  • Manfred Klell, Geschäftsführer des Grazer HycentA, Österreichs einziger Wasserstoff-Forschungsgesellschaft, beim Anzapfen.
    foto: werk

    Manfred Klell, Geschäftsführer des Grazer HycentA, Österreichs einziger Wasserstoff-Forschungsgesellschaft, beim Anzapfen.

  • Fakt bleibt jedenfalls: Mobilität benötigt Energie, und die Elektrizitätswirtschaft will Strom verkaufen.
    foto: werk

    Fakt bleibt jedenfalls: Mobilität benötigt Energie, und die Elektrizitätswirtschaft will Strom verkaufen.

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