Weihnachtsessen

Biokarpfen: Die fetten Jahre sind vorbei

22. Dezember 2011, 08:56
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    foto: apa/ebener

    Vor Weihnachten ist Hochsaison für die Karpfenzüchter.

Karpfen haben gemeinhin einen schlechten Ruf als zu fette Fische, aus dem Waldviertel kommen Weihnachtskarpfen andererer Art

Heidenreichstein - Als Weihnachtsessen ist er schon okay, den Rest des Jahres dümpelt er jedoch wenig beachtet vor sich hin. Der Karpfen, allen voran der klassische gebackene Weihnachtskarpfen, hat einfach einen schlechten Ruf: Ziemlich fett ist dieser Fisch - und irgendwie schmeckt er meist auch ein bisschen nach Schlamm.

Doch die fetten Jahre sind neuerdings vorbei. Besonders der Karpfen aus dem Waldviertel ist auf dem besten Weg, sein Imageproblem loszuwerden. Einer der wichtigsten Wegbereiter ist Marc Mössmer, der bereits vor 20 Jahren mit der biologischen Zucht von Karpfen in Haslau bei Heidenreichstein im oberen Waldviertel begonnen hat.

Zwei Drittel Bioteiche

Von den österreichweit jährlich produzierten 1000 Tonnen Karpfen sind etwa 200 Tonnen aus Bio-Zucht, Tendenz steigend. "Im Waldviertel werden bald zwei Drittel der rund 1400 Fischteiche kontrolliert biologisch bewirtschaftet, das ist ein Riesenerfolg", sagt Mössmer, Mitbegründer der Arge Biofisch.

Die Fischbauern dieser Arbeits- und Vermarktungsplattform bewirtschaften ihre Teiche nach den Richtlinien von Bio Austria. Das beginnt schon beim Schutz der Land-Wasserübergänge und Schilfgürtel, die wertvolle Biotope für selten gewordene Pflanzen und Tiere sind. Festgelegt ist auch, dass sich die Karpfen den überwiegenden Teil ihres Futters aus der Naturnahrung des Teiches selbst suchen müssen.

20 Quadratmeter Lebensraum 

Jeder Fisch hat dafür mindestens 20 Quadratmeter Lebensraum zur Verfügung - in der konventionellen Karpfenzucht sind es nur etwa 2,5. "Große Teichflächen mit geringer Besatzdichte reduzieren bei den Tieren Aggression und Stress und sind damit auch ein wesentlicher Aspekt der Krankheitsprävention", ergänzt Herwig Waidbacher vom Institut für Hydrobiologie und Gewässerma- nagement der Universität für Bodenkultur.

Fett und modrig schmeckt ein Karpfen nur dann, wenn er in beengten Zuchtverhältnissen in kurzer Zeit mit viel Getreidefutter gemästet wurde. Im kühlen Waldviertel brauchen die Fische drei bis vier Jahre bis zur Speisereife. Das langsame Wachstum bringt ein besonders festes weißes Fleisch mit einem Fettanteil von nur rund fünf bis sieben Prozent.

In der Bio-Fischzucht werden ausschließlich biologisches Getreide und Hülsenfrüchte zugefüttert, vorzugsweise aus dem eigenen Betrieb. Und genau diese Art der Ernährung, ohne externe Zugabe von tierischem Eiweiß, ist wohl das größte ökologische Plus des Karpfens. Angesichts der weltweiten Überfischung der Meere löst die Industriefischerei mit der Produktion von Fischmehl und -öl für Tierfutter massive Umweltprobleme aus.

Für jedes in Aquakultur produzierte Kilogramm Lachs und Forelle werden zweieinhalb bis fünf Kilogramm wild lebender Fisch als Nahrung benötigt. Laut Angaben von Greenpeace Österreich müssen bei der Tunfisch-Mast im Mittelmeer sogar 20 Kilogramm Futterfisch eingesetzt werden, um ein Kilogramm Blauflossentun zu erzielen.

Rund die Hälfte der österreichischen Karpfenproduktion wird um die Weihnachtszeit verkauft. Der etwas höhere Preis im Vergleich zu konventionellem Karpfen werde allein durch den einzigartigen Geschmack wettgemacht, ist Marc Mössmer überzeugt.

Kochkurse und Rezepte 

Auf den Wochenmärkten merke er im Gespräch mit den Kunden aber oftmals eine "fehlende Waren- und Kochkunde", um aus Karpfen, Schleie, Barsch und Co köstliche Gerichte zu kreieren. "Wir bieten daher Kochkurse und Rezepte für alle möglichen Arten der Zubereitung - gebraten, im Salzmantel, blau, als Suppe", zählt der engagierte Teichwirt schmunzelnd auf. "Gerade unsere fangfrischen Biokarpfen haben es nicht verdient, immer nur mit viel Panier umhüllt zu werden!" (Ulrike Heller-Macenka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 27
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Dhimmi
12
25.12.2011, 06:38
Falsch:

"Fett und modrig schmeckt ein Karpfen nur dann, wenn er in beengten Zuchtverhältnissen in kurzer Zeit mit viel Getreidefutter gemästet wurde."

Richtig:
Modrig schmeckt der Karpfen dann, wenn er natürlich aufgewachsen ist.

Der Karpfen ist einfach ein kulinarischer Unfisch, das kann man drehn und wenden wie man will.
Einzige Abhilfe: In der Badewanne aufziehen.

Andersen
00
27.12.2011, 03:56

Ich glaub der Düringer wars der von seinen Kindheitserinnerungen bzw. dem obligatorischen Weihnachtskarpfen sprach:
"Als wie wennst im Neusiedlersee tauchst und in Grund beisst."

Timon Jakli
10
24.12.2011, 15:44
Tolle Sache...

...bloß wird mit all den Biozertifizierungen gleichzeitig anderer nachhaltig produzierter Fisch in die Ecke gedrängt. Im NÖ gibt es zig Fischbauern (zB Gut Dornau), die ihre Teichwirtschaft traditionell bewirtschaften. Dort leben die Tiere genauso zu 60% aus dem Wasser und werden nur wenig mit Getreide zugefüttert.

Die sind auch nicht fett, grundeln auch nicht und das auch schon seit 20 Jahren und weit länger.....

pox vobiscum
00
22.12.2011, 23:42

Kennt noch jemand die Geschichten von den Weihnachtskarpfen, die nach ein paar Tagen in der Badewanne zum Haustier erhoben und zu Weihnachten wieder im nächsten Schotterteich feigelassen wurden? :)

rudi rednose
01
24.12.2011, 12:57

Ja ich, mit Schrecken - nach zwei Tagen vor der Badewanne, war's mit meinem Appetit ultimativ vorbei, als der neue Freund von meinem Vater gemeuchelt wurde.

Das Thema Karpfen war dann wenigsten für alle Zukunft vorbei.

senftenberger
13
22.12.2011, 19:26
neue Rechtschreibung tut weh...

ich schätze, daß die Mehrzahl der Leser dieser Kolumne schon einige Zeit auf dieser Welt ist. Daher bitte ich der "Tunfisch" nach wie vor "Thunfisch" zu nennen.Die neue Schreibweise überlasse ich gerne den "Youngsters"

tipster
10
22.12.2011, 22:40

Nach den neuen gültigen Rechtschreibregeln sind beide Schreibweisen zulässig: "Thunfisch" und "Tunfisch".

Zinnmo
 
02
24.12.2011, 08:10

Was tut der denn?

;)

mein freund
00
22.12.2011, 21:22

mayonaise-erdäpfelsalat zum gebackenen karpfen oder majonäse-erdäpfelsalat?

Nick Tameer
11
23.12.2011, 19:06

Majonäse schmeckt mir nicht, also Mayonaise, optimalerweise sogar selbst angerührte. Aber zu Kartoffeln, nicht diesem komischen Apfelkram.

1816/55
00
26.12.2011, 09:47

Pudlns Ihna net auf... Ich lass Ihnen Ihren leckeren Kartoffelsalat, und Sie mir meinen Erdäpfelsalat, in Ordnung?

tipster
00
22.12.2011, 22:43

Beides falsch, da mit großen Anfangsbuchstaben!

Auch die Kurzformen "Mayo" und "Majo" sind übrigens als richtige Schreibweisen zulässig.

wienerberger
37
22.12.2011, 10:35
auch heuer wieder

geschröpftes Karpfenfilet paniert mit Vogerl-Erdäpfelsalat, so lecker, dass wir uns fragen, was wir früher an den geschmackslosen Kabeljau und Scholle nur gut gefunden haben.
Lachs und Thunfisch ist ja sowieso nur mehr was für absolute Ignoranten.

Auch wir hatten Karpfen aus der Kindheit leicht lettlend und fett nur allzu gut in Erinnerung, aber die Zeiten sind echt vorbei.
Daher steht auch heuer wieder Biokarpfenfilet und am 25ten Biominitruthahn am Speiseplan. Statt in qualvoll brauchbar zurechtgedachte Geschenke an die Erwachsenen, investieren wir das Geld in ausgezeichnete österreichische Bioqualität, und sparen dabei jede menge CO2.

Das nennen wir nun Weihnachten....

Dhimmi
01
25.12.2011, 06:53
Sorry,

irgendwie bestätigen Sie meine Vorurteile.

Rudi Lölein
00
22.12.2011, 19:15

sehr schön. wo beziehen sie, wenn man fragen darf?

wienerberger
00
22.12.2011, 19:46
merkurmarkt

bietet biokarpfenfilets vom Kainz / Waidhofen an der Thaya an

florian holzer2
510
22.12.2011, 18:44

auch wenn unsere situation angesichts zunehmender verunterschichtenfernsehverblödung willfähriger austro-weichgehirne aussichtslos scheint – die front zur vernichtung des sch..ß-wortes "lecker" wird den kampf aber auch 2012 nicht aufgeben ...

Dhimmi
00
25.12.2011, 06:44
Dann würde ich aber...

die unsäglichen "Paradeiser" und "Erdäpfel" gleich mitbetreuen.

greenling
84
22.12.2011, 20:32
lecker lecker lecker!

Was haben sie gegen dieses Wort?
Ich kämpfe dafür gegen die plumpe Deutschlandfeindlichkeit!

Ich finde lecker ist ein schönes Wort!

Atterl
 
00
25.12.2011, 02:40

Ab zur Bild!

Robert Meiersfelder
 
12
24.12.2011, 16:52
Lecker er mich

keinfisch
02
22.12.2011, 10:10
gar nicht fett

Fett sind Karpfen nur dann, wenn sie nicht richtig gefüttert werden. Die wichtigste Nahrung für Karpen aus Teichwirtschaft stellt Zooplankton dar, in erster Linie Daphnien >1mm. Zufütterung mit Getreide erfolgt nur, wenn die Biomasse vom Zooplankton im Teich zurückgeht. Siehe Publikationen der BAW Ökostation: http://www.baw-oeko.at/

Ich persönlich kann insbesondere Waldviertler Karpfen empfehlen und habe mir soeben 3 kg geschröpfte (und damit nahezu Grätenfreie!) Filets geholt ;-)

molekühl
10
23.12.2011, 14:39

Ich bezweifle sowieso stark, dass die Karpfen letztlich von Gemüse und Getreide leben - rein pflanzenfressende Fische gibts eh kaum, die sind meistens auch nicht besonders gut im verwerten desselben.
Ein großer Teil des eingebrachten Futters wird wahrscheinlich dazu dienen (halt evtl. schon vom Karpfen vorverdaut und zerkleinert), die Biomasse an Schnecken, Würmern, Insektenlarven, Kleinkrebsen etc. "anzuschieben", die dann für eine vernünftige Eiweissversorgung zur Verfügung stehen.
Bei der "Blianzierung" wäre es auch ganz interessant, wieviel Getreide schlussendlich für ein Kilo Karpfenfilet in den Teich geschüttet wird.
Sinnvoller als Fischmehl-Fütterung wirds natürlich trotzdem sein.

Utrillitn
00
22.12.2011, 16:16

Zooplankton wär zwar günstig, ich hab aber meine Zweifel, daß Wasserflöhe in der kommerziellen Karpfenzucht eine Rolle spielen.

Nick Tameer
01
23.12.2011, 19:08

Kommt drauf an, ob es Zahn- oder Bartenkarpfen sind.

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