"Ich dachte, er hat ein Messer"

Rote Karte nach Fanattacke gegen AZ-Goalie Esteban im Spiel gegen Ajax zurückgenommen

Amsterdam - Alkmaar-Tormann Esteban Alvarado Brown hat seine Tritte gegen einen Hooligan von Ajax Amsterdam mit Angst vor einer Waffe erklärt. "Ich dachte zuerst, er hat ein Messer", sagte der Schlussmann der costa-ricanischen Sportzeitung Al Día. "Wenn Sie sich verteidigen, denken Sie nicht über ein oder zwei Tritte nach. Ich hatte Angst, dass der Mann bewaffnet war."

Alkmaars Torhüter war erst durch das Publikum auf den 19 Jahre alten Angreifer aufmerksam geworden, der sich von hinten genähert hatte. "Die Leute begannen zu pfeifen, der Schiedsrichter deutete hinter mich. Als ich mich umdrehte, sah ich ihn auf mich zuspringen und ich musste seinem Tritt ausweichen. Er wollte mich schlagen."

Rachegefühle hegt Esteban aber nicht. "Wenn ich ihn treffen könnte und er mir eine Entschuldigung anbietet, nehme ich diese an. Es wäre nett, wenn er um Vergebung bitten würde", sagte der 22-Jährige, der sich für sein eigenes Verhalten ebenfalls entschuldigte. "Ich entschuldige mich gerade bei unseren jüngeren Fans, für die ich ein Vorbild bin. Aber ich musste mich verteidigen."

Das Achtelfinalduell des niederländischen Fußballcups zwischen Ajax Amsterdam und Alkmaar war am Mittwochabend beim Stand von 1:0 abgebrochen worden. Alkmaar-Trainer Gert Jan Verbeek hatte seine Spieler in der 37. Minute zum Abtreten aufgefordert, nachdem Esteban nach seiner Selbstverteidigung vom Schiedsrichter ausgeschlossen worden war.

Platzverweis aufgehoben

Am Donnerstag wurde die Rote Karte allerdings für ungültig erklärt. Die Anklagevertretung beim niederländischen Fußballverband (KNVB) befand, dass die gewalttätige Reaktion des Costa Ricaners auf die Attacke nicht zwingend mit einem Platzverweis bestraft hätte werden müssen. Dem Keeper wurde zugutegehalten, er sei "hinterrücks überfallen worden, er konnte den Angreifer nicht sehen". Beide Klubs müssen nun bis zum 27. Dezember einen Bericht an den KNVB schicken. Einen Tag später will der Verband über die Wertung der Begegnung entscheiden.

Es stellte sich übrigens auch heraus, dass der 19-jährige Fan gar nicht in der Amsterdam-Arena hätte sein dürfen, weil ihm wegen früherer Vorfälle längst ein Stadionverbot erteilt worden war. Abgesehen von einem Strafverfahren droht ihm nun ein lebenslanges Verbot, niederländische Fußballstadien zu betreten.

Nach dem Abbruch ist es zu schweren Ausschreitungen wütender Fans gekommen. Die Polizei rückte vor der Amsterdam Arena mit Wasserwerfern an und nahm acht mutmaßliche Randalierer fest - vier wegen Gewaltanwendung und vier wegen des illegalen Einsatzes von Feuerwerkskörpern.

Entschuldigung von Ajax

Der Amsterdamer Klub entschuldigte sich für den Zwischenfall. "Das ist ein schrecklicher Vorfall, den wir als Verein sehr bedauern. Wir bieten unsere ehrlich gemeinte Entschuldigung an. Wir finden das sehr schlecht, und das wird der Junge zu spüren bekommen", erklärte Ajax-Finanzdirektor Jeroen Slop.

Der 19-jährige Fan war auf das Spielfeld gerannt und auf den Alkmaar-Torwart zugestürmt. Der Schlussmann  verteidigte sich - "begreiflicherweise", wie die Zeitung "De Telegraaf" am Donnerstag urteilte. Schiedsrichter Bas Nijhuis schickte den Keeper dennoch zunächst mit Rot vom Platz. Begründung: Alvarado habe noch zwei Mal auf den Fan getreten, als dieser bereits am Boden lag.

"Ich habe gesehen, dass Esteban attackiert wurde und sich verteidigt hat", sagte der verständnisvolle Ajax-Coach Frank de Boer. "Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte, aber ich kann ihn mit seinem südamerikanischen Temperament verstehen." Der Angreifer wurde festgenommen. (sid/APA/Reuters)

  •  Esteban reagiert und tritt zu.
    foto: apa/epa/kraak

    Esteban reagiert und tritt zu.

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