Der AWD-Gründer zückt gern mal das Scheckbuch
Für Carsten Maschmeyer ist es wichtig, dass Freunde, Weggefährten und
Frauen prominent sind. Dafür zückt der mittlerweile ausgestiegene
Gründer des deutschen Finanzdienstleisters AWD auch gerne mal das
Scheckbuch.
Dem Sozialdemokraten Gerhard Schröder spendierte er 1998 im damaligen
Landeswahlkampf eine Anzeigenserie. Kostenpunkt: 650.000 Mark, etwa 330.
000 Euro.
Nun wurde bekannt, dass der 52-jährige Niedersachse 2007 wieder für eine
Freundschaft gezahlt hat. Mitten im niedersächsischen Landtagswahlkampf
sponserte er eine Anzeigenkampagne für ein Buch, in dem der
Christdemokrat Christian Wulff sein Leben schilderte. Dieser will zwar
von den Zahlungen nichts gewusst haben, doch wirft die Aktion ein
bezeichnendes Licht auf die Netzwerke der Mächtigen in Deutschland.
Für den abgebrochenen Medizinstudenten ist gesellschaftlicher und
finanzieller Aufstieg wichtig. Seit 2009 ist er mit der Schauspielerin
Veronica Ferres liiert. Seither wird er häufig auf roten Teppichen
abgelichtet. Bei TV-übertragenen Hilfsprojekten überreicht er gerne
Schecks. Im Web-Lexikon Wikipedia wird sein Vermögen auf 650 Millionen
Euro geschätzt.
Der frühere Langstreckenläufer startete als Verkäufer von
Bausparverträgen. Mit einer Abfertigung gründete er den Allgemeinen
Wirtschaftsdienst (AWD) und verkaufte auf Teufel komm raus
Versicherungspolizzen und Aktien - auch in Österreich, wo gegen die AWD
sowie gegen ihren Gründer durch den Verein für Konsumenteninformation
Sammelklagen anhängig sind.
Auch in Deutschland steht die AWD und mit ihr der ehemalige
Reserveoffizier medial unter Beschuss und des Öfteren vor Gericht. Auch
in Deutschland lautet der Vorwurf, dass zahlreiche Kleinanleger um ihre
Ersparnisse fürs Alter gekommen sein sollen - es gilt die
Unschuldsvermutung.
Maschmeyer, der geschieden ist und zwei erwachsene Söhne hat, hat die
AWD längst an den Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life verkauft.
Mit den Erlösen investiert er derzeit querbeet, zuletzt in den Hamburger
Pflegeklinik-Betreiber Marseille-Kliniken. Ein möglicher Zusammenhang:
Die mit dem ehemaligen Ökonomen und Wirtschaftsweisen Bert Rürup im
Jänner 2010 gegründete "MaschmeyerRürup AG" berät Firmen und Regierungen
in Fragen der Alters- und Gesundheitsvorsorge. (DER STANDARD-Printausgabe, 22.12.2011)