Brasilien und Argentinien nutzen den Mercosur-Gipfel, um Weltpolitik zu machen
Während die Europäische Union mit der Schuldenkrise und sich selbst
beschäftigt ist und in den USA alle Signale längst auf den
Präsidentschaftswahlkampf stehen, nützen aufstrebende Nationen wie
Brasilien und Argentinien den Mercosur-Gipfel, um Weltpolitik zu machen.
Da wurde ein Freihandelsabkommen mit Palästina abgeschlossen, um der
Anerkennung des Landes durch mehrere lateinamerikanische Regierungen
noch mehr Gewicht zu verleihen - nach der Aufnahme in die Unesco ein
weiterer Erfolg für die palästinensische Regierung.
Auch vor neuen Scharmützeln mit Großbritannien schreckt man nicht
zurück: Auf Antrag Argentiniens wurden die Seehäfen für unter der Flagge
der Falkland-Inseln fahrende Schiffe gesperrt. Der Krieg um die Islas
Malvinas von 1982 rückt unvermittelt wieder ins Gedächtnis.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich der 1991 gegründete "Gemeinsame
Markt des Südens" eine politische Agenda gibt: 2007, wenige Monate vor
dem Ausbruch der Wirtschaftskrise, sorgte man durch hitzige Debatten
über die Auswüchse des Kapitalismus für Schlagzeilen. Venezuelas
Staatschef Hugo Chávez forderte etwa, das Bündnis solle "vom
Neoliberalismus dekontaminiert" werden.
Mit den Beschlüssen des aktuellen Gipfels von 2011, die weit über die
herkömmliche Wirtschaftspolitik hinausgehen, hat der Mercosur jedenfalls
eines signalisiert: Mit Lateinamerika wird zu rechnen sein - auch
weltpolitisch. (DER STANDARD-Printausgabe, 22.12.2011)