Schwache Konjunktur

Vergessliche Politik

Kommentar | Günther Oswald , 21. Dezember 2011, 18:17

Der Reformeifer der Regierung war schnell wieder verflogen

Es ist eine fast unlösbare Aufgabe, mit der die Regierung konfrontiert ist. Das Wachstum bricht ein, was eigentlich Konjunkturprogramme nötig machen würde. Der Schuldenstand ist aber bereits so hoch, dass man sich keine neuen Konjunkturprogramme leisten kann. Der angekündigte Sparkurs droht das Wachstum noch weiter abzuschwächen.

Arme Regierung, könnte man sagen. Für Mitleid gibt es aber keinen Grund. Alle namhaften Experten haben Rot-Schwarz nach der weltweiten Krise ab 2008 aufgefordert, endlich tiefgreifende Strukturreformen durchzuführen. Mit den Vorschlägen von Wirtschaftsforschern, Rechnungshof und Co könnte man ganze Bibliotheken füllen.

In die Realität wurde aber nur wenig umgesetzt. Der Reformeifer war schnell wieder verflogen. Das gesamtstaatliche Defizit wird heuer wieder über drei Prozent liegen. Was dabei angesichts der Hysterie über die Finanzmärkte gerne übersehen wird: Die Realwirtschaft ist 2011 um mehr als drei Prozent gewachsen. Es gab in Österreich also ein Hochkonjunktur-Jahr.

Damit sind wir schon beim Grundproblem dieser und vor allem früherer Regierungen. Man ist sich schnell einig, in Krisenzeiten die Ausgaben hochzufahren. Auf das Gegensteuern in guten Phasen wird dann gerne vergessen. Wäre man nicht so vergesslich, hätte man es jetzt mit Problemen zu tun, die tatsächlich lösbar sind. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.12.2011)

ocelote
01
22.12.2011, 08:41
ökonomischer Schwachsinn

Es ist ein Unterschied, ob man das Produktionspotential wieder erreicht hat oder nicht. Nur weil sich die Lücke verkleinert hat ist sie immer noch vorhanden und daher sind die 3 % Wachstum immer noch weit von einer hochkonjunktur vorbei. Das wär so wie bei einer Berauffahrt aus einem hohen Steigungsgrad zu schließen gleich am Gipfel zu sein und sich deshalb schon mal auf die Bergabfahrt vorzubereiten.

Kleinhirn
00
22.12.2011, 18:53

Wirtschaftswachstum Österreich:
2006 3,7%
2007 3,7%
2008 1,4%
2009 -3,8%
2010 2,3%
2011 3%

Umgerechnet wenn man Ende 2008 als 100% heranzieht(vor dem "crash" von -3,8%), ist unsere Wirtschaft seit diesem Höchstzeitpunkt um 1,36% gestiegen.
Ist zwar keine Hochkonjunktur, aber "Vorkrisenniveou" wurde mittlerweile schon wieder überschritten.
Wirtschaftsprognosen für das nächste Jahr sehe ich immer mit skepsis, es gibt so viele, die Bandbreite deckt immer einen großen Bereich ab, aber nur sehr wenige sind im nachhinein richtig.
Einzig viele Prognosen über Rezession nehme ich ernst, das sind nämlich selbsterfüllende Prophezeiungen.

Dilbert
22
22.12.2011, 08:31

Unsere Politiker haben Keynes entweder nicht gelesen oder nicht verstanden.

ocelote
01
22.12.2011, 08:51
da sind sie offensichtlich nicht alleine

Das Wachstum kehrte bereits 1932 wieder zurück. nach ihrer logik hätte es sparpakete anstelle eine new deal gebraucht ... und das ist nicht ganz mit keynes vereinbar.

_oHo_
00
21.12.2011, 23:43
Im Nachhinein ist man eben immer schlauer.

zum Zeitpunkt der Budgeterstellung ging man von 1,9% aus.

Nächstes Jahr schlittern wir in die Rezession, die Wirtschaftsjournalisten sind sich aber trotzdem einig, dass die Schuldenbremse ergo Einsparungen das richtige Mittel sind.

Kurzum: Das wirtschaftsjournalitische Niveau entspricht der jenem der Politik.

Kritiker1A
00
22.12.2011, 08:48
Deshalb muß die Budgetkonsolidierung auch über echtes Sparen erfolgen und nkicht über Erhöhung von Steuern.

Denn ein solche Ersparnis hält egla wie sich die Wirtschaft bzw. Steuer künftig entwickelt!

Erwin Wolfram
00
22.12.2011, 07:48
...

ich glaub die schuldenbremse wird direkt auf die kreditwuerdigkeit wirken.

videoopa
00
21.12.2011, 22:43
Mitzi, zu spät, so retten wir das sinkende Schiff nicht

http://www.youtube.com/videoatta... D6vgb1x84U

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