Abhörskandal

Murdoch soll erneut aussagen

21. Dezember 2011, 18:08

Britischer Richter will Medienmogul vorladen

Dem US-australischen Medienzaren Rupert Murdoch steht auch im neuen Jahr ein unangenehmer öffentlicher Auftritt bevor. Nachdem der Chef der News Corp-Holding im Sommer dem Medien-Ausschuss des britischen Unterhauses Rede und Antwort stehen musste, will nun Lordrichter Brian Leveson den 80-Jährigen in den Londoner High Court vorladen. Dort arbeitet eine unabhängige Kommission unter Levesons Leitung den Abhörskandal beim Murdoch-Blatt News of the World (NoW) auf.

Normalerweise wird die Zeugenliste für die live im Internet übertragenen Befragungen stets erst wenige Tage im Voraus bekanntgegeben. Doch im Verhör des früheren NoW-Chefredakteurs Piers Morgan ließ Kommissionsanwalt Robert Jay am späten Dienstagnachmittag durchblicken, dass Murdoch Senior demnächst vorgeladen wird. "Ich kann ihn nach seinem eigenen Eindruck fragen, wenn es so weit ist", sagte Jay, der mehrfach seinen Unwillen über ausweichende Antworten des heutigen CNN-Stars zeigte.

Im Gerichtssaal 73 des Königlichen Justizpalasts kamen gestern zum letzten Mal im alten Jahr fragwürdige Praktiken der berüchtigten Londoner Boulevard-Blätter zur Sprache. Die von Premierminister David Cameron eingesetzte Leveson-Kommission soll dem Parlament Vorschläge machen, wie die Balance zwischen Pressefreiheit und Privatsphäre in Zukunft besser gewahrt werden kann.

Mitarbeiter des inzwischen eingestellten Boulevard-Blatts NoW haben offenbar tausende prominenter Briten abgehört und eine Vielzahl von Privatdetektiven auf Mitglieder des Königshauses wie auch gegnerische Anwälte angesetzt. Die seit Jahren schwelende Affäre führte im Juli zum Rücktritt hoher Murdoch-Manager sowie des Londoner Polizeipräsidenten, dessen Beamten wegen lascher Ermittlungen unter Korruptionsverdacht standen. Inzwischen ermittelt eine neue Sonderkommission der Kripo gegen mehr als ein Dutzend Mitarbeiter des Murdoch-Konzerns. (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD; Printausgabe, 22.12.2011)

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