Das aktuelle Weißbuch des Bundesheeres zeigt auf, dass Minister Norbert Darabos kaum Spielraum zur Gestaltung des Heeres hat: Sein Minibudget (0,718 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) geht zu 58 Prozent in Personalkosten
Wien - In der festgefahrenen Debatte pro und kontra Wehrpflicht ist fast in Vergessenheit geraten, dass das Bundesheer von der Verfassung eigentlich als Milizheer vorgesehen ist. So ist es beinahe überraschend, dass man dem am Mittwoch erschienenen "Weißbuch 2010" entnehmen kann, dass im Vorjahr 4250 Soldaten aus dem Milizstand zu Übungen einberufen wurden - wobei in einem Fall (bei der Pionierkompanie Vorarlberg) sogar ein Ernstfall zu bewältigen war: Die Milizsoldaten wurden für Katastrophenhilfe bei einem Murenabgang eingesetzt.
Insgesamt haben die Landstreitkräfte in den Jahren 2009 und 2010 genau 471.880 Personenstunden im Katastropheneinsatz eingebracht. Mehr als 975.000 Liter Löschwasser wurden von den Luftstreitkräften transportiert.
Der Bericht listet auch genau auf, dass das Bundesheer 4229 Zivilbeamte, 4586 Vertragsbedienstete und 214 Lehrlinge (etwa Kleidermacher und Luftfahrzeugmechaniker) beschäftigt. 2660 weiblichen Zivilbediensteten stehen 349 Soldatinnen gegenüber. Der gesamte Personalaufwand des Bundesheeres betrug 1,185 Milliarden Euro - 58,45 Prozent des Budgets.
Die jährlichen Rüstungsausgaben werden mit 460 Millionen Euro angegeben, davon entfallen allerdings allein 217,7 Millionen auf die Ratenzahlungen für den Eurofighter. Für Baumaßnahmen am Fliegerhorst Hinterstoisser in Zeltweg kamen weitere 35,9 Millionen dazu.
Als Schwerpunkt werden weiterhin die Auslandseinsätze auf dem Westbalkan genannt. (cs, DER STANDARD, Printausgabe, 22.12.2011)