Deutsche Forscher widmen sich einer antiken afrikanischen Kultur, über die kaum etwas bekannt ist
Frankfurt - Die Nok-Kultur zählt zu jenen Kulturen, von denen außer einer bestimmten Art von Artefakten - in diesem Fall Terrakotten - so gut wie nichts erhalten geblieben und auch nichts aus historischen Quellen überliefert ist. Beheimatet war sie im Gebiet des heutigen Nigeria, (wieder-)entdeckt wurden ihre erste Hinterlassenschaften Mitte des 20. Jahrhunderts. Zunächst ging man davon aus, dass diese Kultur etwa um 500 vor unserer Zeitrechnung auflebte und sich für etwa 700 Jahre hielt. Inzwischen werden die Anfänge der Nok-Kultur deutlich weiter zurück datiert, wie die Goethe-Universität Frankfurt am Main berichtet.
Wissenschafter der Goethe-Universität sind seit 2005 mit der Erforschung der Nok-Kultur beschäftigt. Durch neue Fördergelder der Deutschen Forschungsgemeinschaft geht diese Arbeit nun in die zweite Phase des bis 2020
konzipierten Langzeitprojekts. Zu den bisher gemachten Funden gehören Keramikgefäße, Steingeräte, Eisenobjekte,
pflanzliche Reste und Terrakotten. "Eisen ist selten, was wahrscheinlich
daran liegt, dass die Produktion des neuen Werkstoffes gerade erst
erfunden wurde. Viel häufiger begegnen uns Keramikgefäße", berichtet
Forschungsleiter Peter Breunig. Und fügt hinzu, warum die Zeit drängt: "Der Hunger des internationalen Kunstmarktes nach früher afrikanischer
Kunst löst schon seit einigen Jahren Raubgrabungen aus, wir müssen die
wissenschaftlichen Zusammenhänge unbedingt weiter sichern, bevor es zu
spät ist."
Erkenntnisse
Die Terrakotten spielen eine besondere Rolle, weil sie eine Entwicklung zeigen, die man als Chronologie der Nok-Kultur verwenden könnte. Die bisher gewonnenen Daten deuten darauf hin, dass sich die Kultur bereits zwishen 1500 und 900 vor unserer Zeitrechnung entwickelt hat. Danach erlebte sie offenbar ihre Blüte, denn fast alle
Terrakotten stammen aus dieser Phase. Diese Blütezeit brach aus bisher
ungeklärten Gründen zwischen 400 und 300 vor unserer Zeitrechnung abrupt ab, aus
späterer Zeit sind nur noch kärgliche Spuren erkennbar.
In der zweiten Projektphase werden sich die Archäologen
darauf konzentrieren, mehr über die räumliche Verteilung von Fundstellen
im Gelände zu erfahren: "Wir gehen von der Hypothese aus, dass das
Siedlungsgebiet nicht mit Dörfern oder Städten, sondern mit
Streusiedlungen und Einzelgehöften überzogen war." Ein eigener Projektteil widmet sich überdies den pflanzlichen Resten, die zwischen den diversen Funden zu Tage getreten sind. Sie liefern Hinweise auf die Umwelt und die Wirtschaftsweise der versunkenen Kultur. (red)