Hochschulpolitik darf kein Fass ohne Boden sein, kritisiert Laura Rudas, Bundesgeschäftsführerin der SPÖ - Sie verlangt von Töchterle mehr Effizienz
STANDARD: Wissenschaftsminister Töchterle hat die Eckpunkte des Hochschulplans bekanntgegeben. War das mit der SPÖ vereinbart?
Rudas: Ja, er hat das uns gegenüber im Vorfeld angekündigt. Die entscheidende Frage fehlt allerdings, nämlich wo Minister Töchterle die Effizienz steigern will. Die Hochschulpolitik kann kein Fass ohne Boden sein, in das hineingeschüttet wird. Es muss zu einer Effizienzsteigerung kommen. Es ist unumstritten, dass die Unis mehr Geld brauchen - wesentlich ist aber, dass das Geld im Hörsaal und nicht in der Verwaltung ankommt.
STANDARD: Töchterle glaubt, dass es in acht Wochen eine Einigung mit der SPÖ gibt. Sie auch?
Rudas: Das kommt auf die Punkte an. Prinzipiell halte ich nicht viel von Deadlines. Dinge brauchen ihre Zeit. Und wenn der Minister jeden einzelnen Punkt an eine Forderung knüpft, werden die Verhandlungen länger dauern. Aber ab Jänner wird es Arbeitsgespräche geben.
STANDARD: Die Studienplatzfinanzierung wird ein Knackpunkt werden. Wie soll das funktionieren?
Rudas: Wir haben nicht prinzipiell etwas gegen eine Studienplatzfinanzierung. Aber das ist eine Frage der Ausgestaltung. Es ist logisch, dass die Finanzierung auch nach der Zahl der Studenten geht. Aber das dürfen dann nicht weniger, sondern müssten mehr werden. Hier soll es kein Limit geben. Wichtig ist mir der Gestaltungswille. Es braucht mehr Akademiker gerade in unterbesetzten Bereichen wie etwa Technik. Mitarbeiter der Montan-Uni fahren mit dem Bus, um Studenten zu keilen! Daher: Wir sollten uns überlegen, wie wir mehr junge Menschen zum Studieren motivieren können, anstatt zu überlegen, wie wir sie von der Uni abhalten können.
STANDARD: Wird die SPÖ noch über Studiengebühren verhandeln?
Rudas: Unsere Position ist: Wir sind gegen die Wiedereinführung von Gebühren. Aber natürlich können wir andere Modelle diskutieren. Es ist nur schade, dass immer über zusätzliche Hürden diskutiert wird anstatt über Chancen.
STANDARD: Wird intern diskutiert?
Rudas: Natürlich. Aber nur über Solidarbeiträge - nicht über Studiengebühren. (Saskia Jungnikl, DER STANDARD, Printausgabe, 22.12.2011)
LAURA RUDAS (30) ist Nationalratsabgeordnete und seit November 2008 Bundesgeschäftsführerin der SPÖ.