Eine Oase in der Wüste

21. Dezember 2011, 17:27
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Ein feiner Film, ein Plädoyer für das Weggehen und für die Familie zugleich

Ein Film, in dem die Hauptperson so heißt wie der Schauspieler, der sie darstellt, kann nicht der schlechteste sein - erst recht, wenn es sich in beiden Fällen um den dicken Dorfpolizisten aus Brandenburg, Horst Krause, handelt.

"Warum soll Krause 'Schulze' heißen, wenn er doch aussieht wie Krause", erklärte einst Regisseur Bernd Böhlich. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Bekannt wurde Polizist Krause mit Polizeiruf 110, am Dienstagabend hatte er mit Krauses Braut auf ARD einen ganzen Film für sich.

Das ist gut, denn Geschichten aus der Welt eines 60-jährigen Dorfpolizisten, der mit seinen beiden ältlichen Schwestern auf dem Land auch noch einen Gasthof betreibt, gibt es genug zu erzählen, zumal sich im fiktiven Schönhorst auch allerlei skurrile Dorfbewohner tummeln. Direkt sind sie allesamt, forsch und nicht immer die höflichsten, die Kamera spart auch keine schiefen Zähne und wabbeligen Oberarme aus. Aber das Herz haben sie auf dem sogenannten rechten Fleck.

Dabei rumpelt es in Krauses Braut die meiste Zeit gewaltig. Eine der Schwestern will im fortgeschrittenen Alter ganz in Weiß heiraten und mit dem Liebsten nach Köln ziehen.

Die Geschwister, liebenswert-neidisch, sympathisch-eifersüchtig, aber wollen nicht, dass die Familie auseinandergerissen wird. Als die Braut von der Hochzeitsreise nach Dubai schwärmt ("nur Wüste, die nächste Oase ist hunderte Kilometer entfernt"), meint die andere: "Da kannste auch in Brandenburg bleiben."

Dann geht sie doch, und das Leben geht trotzdem weiter. Manchmal ist der Klamauk zu viel. Aber es ist ein feiner Film, ein Plädoyer für das Weggehen und für die Familie zugleich. (Birgit Baumann, DER STANDARD; Printausgabe, 22.12.2011)

  • "Krauses Braut": Mehr dazu hier auf ARD
    foto: ard/rbb

    "Krauses Braut": Mehr dazu hier auf ARD

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