Sauen dürfen sich 266 statt bisher 205 Tage bewegen - Tierschützer kritisieren "faulen Kompromiss"
Wien - Das heikle und lang diskutierte Thema Kastenstandhaltung in der heimischen Schweinezucht ist laut Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich und Gesundheitsminister Alois Stöger gelöst. In einer gemeinsamen Pressekonferenz gaben die beiden Politiker am Mittwochnachmittag bekannt, dass sich Zuchtsauen ab 1. Jänner 2013 insgesamt 266 statt wie bisher 205 Tage pro Jahr frei bewegen können müssen.
Zusätzlich wurde den Schweinebauern, die bis 2013 investieren wollen bzw. müssen, Rechtssicherheit garantiert.
Der Vereins gegen Tierfabriken (VGT) begrüßt die Einigung. "Zunächst muss klar gesagt werden, dass diese Regelung ein Schritt in die richtige Richtung ist und Weichen für eine bessere Tierhaltung in der Zukunft stellt", so VGT-Obmann Martin Balluch.
Kritik übte der VGT an den Übergangszeiten bis 1. Jänner 2033. "Eine Übergangsfrist von 21 Jahren ist bisher für Tierschutzverbesserungen überhaupt noch nie dagewesen. Statt Fortschritte zu beschleunigen, ist eine Tendenz zu immer langsamerem Vorgehen zu bemerken", kritisierte Balluch.
Misstand aufgreifen
Laut dem VGT dürfen Betriebe mit zehn Mutterschweinen oder weniger weiterhin ohne Ablaufdatum ihre Tiere lebenslang und ganzjährig in Kastenständen halten. Die Tierschutzorganisation will darauf drängen, dass die Volksanwaltschaft "diesen Missstand aufgreift und im Rahmen einer Klage an den Verfassungsgerichtshof revidiert". "Für das Verbot einer derartigen Haltung gibt es im Tierschutzgesetz keine Ausnahme für Kleinbetriebe", so Balluch.
Zustimmung zur Einigung gab es auch vom Landesobmann der Freiheitlichen Bauernschaft Oberösterreich, Franz Graf: "Nach einem Jahr der Rechtsunsicherheit für die Landwirte punkto Ferkelschutzkörbe ist es nun endlich zu einer Einigung zwischen den beiden zuständigen Ministern gekommen", hieß es.
Uni-Projekt
Für den Bereich der Abferkelbuchten wird laut Stöger bis Ende 2017 ein wissenschaftliches Projekt laufen, das von der neu eingerichteten, unabhängigen und an der Veterinärmedizinischen Universität angesiedelten Fachstelle bewertet werden soll. "Mein Ziel war es, die Kastenstände ab 2020 drastisch zu reduzieren. Jetzt geht es vielleicht sogar noch früher. Ich gehe davon aus, dass wir noch vor 2020 die Kastenstandstage von derzeit bis zu 365 Tagen im Jahr auf etwa 20 Tage pro Wurf senken können." Tierschützer fordern ein Verbot der Kastenstandhaltung. (APA)