Was Berufstätige unter beruflicher Karriere verstehen und wie die reale Situation aussieht, untersuchte eine Studie
Macht die Arbeit Spaß? Gibt es berufliche Aufstiegsmöglichkeiten?
Erhalten die Berufstätigen Anerkennung? Diese und weitere Faktoren
wurden in einer Studie des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung untersucht. Dargestellt wird, was
Berufstätige unter beruflicher Karriere verstehen und in welchen
Gegebenheiten diese Vorstellungen mit der tatsächlichen Situation nicht übereinstimmen. Vergleichsanalysen zu einer Untersuchung aus dem Jahr 2003 und aktuellen Ergebnissen einer Studie der Stiftung für Zukunftsfragen aus
Deutschland, geben Aufschluss über
die langjährige Entwicklung, erläutert Institutsleiter Peter Zellmann in einer Aussendung.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
- Fast zwei Drittel der Berufstätigen haben eine Arbeit, die Spaß macht.
- Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für die knappe Hälfte der Berufstätigen gegeben.
- Der Anteil der Berufstätigen, der nach eigenem Ermessen über ein überdurchschnittlich hohes Einkommen verfügt, hat sich im Vergleich zu 2003 halbiert.
- Der Vergleich mit deutschen Berufstätigen zeigt: Österreichische Berufstätige glauben, bessere Aufstiegschancen zu haben.
- Die Karrierevorstellungen, und die tatsächlichen Arbeitsgegebenheiten weichen vor allem beim Verdienst, leitender Tätigkeit und Aufstiegschancen voneinander ab.
- Berufstätige Frauen äußern bei ihren Vorstellungen von beruflicher Karriere vor allem mehr Aufstiegschancen und berufliche Selbstverwirklichung. Weniger Rolle spielen ein hohes Einkommen und Führungspositionen.
Persönliche Arbeitsqualität im Vergleich 2011 versus 2003
- 63 Prozent der Berufstätigen haben eine Arbeit, die Spaß macht (2003: 66 Prozent).
- 50 Prozent können Beruf und Familie vereinbaren.
- 40 Prozent erfahren in ihrer Arbeit Erfolgserlebnisse und erhalten Anerkennung (2003: 42 Prozent).
- 37 Prozent können sich in der Arbeit selbst verwirklichen (2003: 35 Prozent).
- 34 Prozent haben berufliche Aufstiegschancen (2003: 32 Prozent).
Im Vergleich zu Deutschland haben österreichische Berufstätige weniger Spaß an ihrer Arbeit, dafür erwarten sie bessere Aufstiegschancen. Im Geschlechtervergleich weisen die Ergebnisse nach, dass Frauen seltener über Arbeitsgegebenheiten wie überdurchschnittliches Einkommen, angesehene Tätigkeiten oder Führungspositionen verfügen, die allgemein unter einer beruflichen Karriere verstanden werden. Dafür spielen Freude an der Arbeit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine größere Rolle im Arbeitsleben der Frauen.
Berufliche Karriere
Was berufliche Karriere für die Befragten bedeutet:
- 58 Prozent sind der Meinung, beruflich Karriere zu machen bedeutet, dass man eine Arbeit hat, die Spaß macht.
- 57 Prozent meinen, dass berufliche Aufstiegschancen zur Karriere gehören.
- 45 Prozent der Berufstätigen verstehen die Erfahrung von Erfolgserlebnissen und Anerkennung unter beruflicher Karriere.
- 44 Prozent denken bei Karriere an Selbstverwirklichung im Beruf.
- 42 Prozent meinen, dass überdurchschnittliches Einkommen zur Karriere gehört.
- 42 Prozent der Berufstätigen verstehen unter beruflicher Karriere, dass man eigene Vorstellungen verwirklichen kann.
Laut den Ergebnissen der Stiftung für Zukunftsfragen weicht zum Teil die Meinung, was unter beruflicher Karriere zu verstehen ist, stark von der tatsächlichen Arbeitssituation der Berufstätigen ab: Während für 42 Prozent ein überdurchschnittlicher Verdienst zur Karriere gehört, verdienen nur zwölf Prozent wirklich überdurchschnittlich viel. Mehr als ein Drittel der Berufstätigen stellen sich vor, dass das Tätigsein in einer Führungsposition zu einer beruflichen Karriere gehört - tatsächlich sind aber nur14 Prozent in einer Führungsposition tätig.
Was auffalle ist, dass die Differenzen zwischen der tatsächlichen Situation der Berufstätigen und den Vorstellungen, was unter beruflicher Karriere zu verstehen ist, dort am größten sind, wo Berufstätige auf objektive Rahmenbedingungen angewiesen sind (z.B. viel Geld, Tätigkeit als Vorgesetzter, hohes Ansehen). Bei subjektiven Werten, die von den Berufstätigen selbst empfunden werden (z.B. Spaß, Anerkennung, Selbstverwirklichung) liegen dagegen die tatsächlich erlebte Arbeitsplatzsituation und die Vorstellungen über berufliche Karriere enger beisammen, so Peter Zellmann.
Dennoch: "Die Arbeitswelt der Menschen ist offensichtlich besser als ihr Ruf. In
Hinblick auf ein notwendiges Maß an Spaß an der Arbeit im Alltag, haben
die meisten Menschen offensichtlich den für sie richtigen Beruf gewählt.
Was ihnen am ehesten fehlt, sind Aufstiegschancen und höherer
Verdienst", resümiert Institutsleiter Peter Zellmann. (red, derStandard.at, 21.12.2011)