Wuchernde Farbknollengewächse

21. Dezember 2011, 17:34
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Seit 1985 widmet die Galerie nächst St. Stephan den reduzierten wie konzentrierten Farbspielen des Neo-Minimalisten Imi Knoebel regelmäßig Soloschauen

Die neueste trägt den Titel"Kartoffelbilder" .

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Wien - An Imi Knoebels Auffassung von Kunst als etwas radikal Gegenstandslosem ändert auch eine Serie mit dem konkreten Titel Kartoffelbilder rein gar nichts. Oder - um in dieser versöhnungs- und gabenfreudigen Zeit zumindest ein winziges Zugeständnis zu machen - fast nichts: Denn die geschichteten, auf die in den 1990er-Jahren begonnenen Sandwichbilder aufbauenden Bildreliefs Knoebels erinnern tatsächlich ein wenig an die ovalen Formen der erdigen Knolle; lassen an deren ungeordnetes Wachstum denken.

Dennoch steht das konstruierende Element des bei Beuys in die Schule gegangenen Neo-Minimalisten im Vordergrund und nicht etwa bedeutungsvolle Bildinhalte. Und obwohl er sich von Anbeginn seiner Karriere am russischen Konstruktivismus, insbesondere an Kasimir Malewitsch, orientierte, ist Knoebels Œuvre ein völlig freies und undogmatisches.

Schichtete er in den Sandwichbildern noch Sperrholz und Hartfaserplatten, ist zu den bevorzugt einfachen Materialien in den letzten 15 Jahren auch Aluminium hinzugekommen. Aus Aluplatten und -profilen entsteht das konstruktive Chaos der Kartoffelbilder, wobei jeweils eine Schicht die Gemachtheit der unter ihr liegenden verschleiert: Kompositionen, zu denen er stets mittels ausgeschnittener Papierformen findet.

Wesentlich ist bei den Kartoffelbildern, die von einigen streng rechtwinkligen Arbeiten der Anima Mundi-Serie und einem schwarz-weißen Cut-Up begleitet werden, allerdings die Farbe. Matte und glänzende, manchmal sogar perlmuttschimmernde Flächen stoßen reizvoll aufeinander, locken die Blicke und lassen im Detail neue Kompositionen entstehen. "Ich will auf nichts als auf die Farbe kommen" , sagte Knoebel einmal. Erst 1977, im Todesjahr seines Mitstreiters Blinky Palermo, öffnete er sein Schaffen gegenüber der Farbe. Mit 24 Farben für Blinky Palermo setzte er dem toten Freund damals ein Denkmal. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD - Printausgabe, 22. Dezember 2011)

Bis 21. 1., Galerie nächst St. Stephan

Grünangergasse 1/2, 1010 Wien

  • Imi Knoebel ordnet die Farben nicht, sondern setzt sie in immer neue 
Verhältnisse:Glänzende, matte, schimmernde Qualitäten sowie die Struktur
 können nur vor Ort genossen werden.
    foto: galerie nächst st. stephan

    Imi Knoebel ordnet die Farben nicht, sondern setzt sie in immer neue Verhältnisse:Glänzende, matte, schimmernde Qualitäten sowie die Struktur können nur vor Ort genossen werden.

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