Klein ist die neue Größe - Panda mag man eben

21. Dezember 2011, 16:34
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Fiat nimmt den Fehdehandschuh von VW (up!) auf und bringt den neuen Panda. Damit die sehen, wo die Kompetenz im Kleinwagenbau wirklich zu Hause ist

Panda, großer; zool. Ailuropoda melanoleuca. Familie der Bären. Namensgeber eines extrem beliebten Fiat-Modells. Erste Generation 1980, zweite 2003, dritte 2012. Bisher 6,4 Millionen Mal verkauft. Verbreitungsgebiet (China) des Namensgebers täuscht - dort wurde/wird er nicht verkauft, Hauptrevier sind und bleiben Europas Großstädte. Grizzly ist der Panda auch keiner, weil nicht in USA erhältlich, gegenüber dem Vorgänger legte er allerdings 114 mm in der Länge zu, ergibt mehr Koffer- und Sitzraum - zum Beispiel für:

Pan, der; mythol. griech. Hirtengott, oben Mensch, unten Ziegenbock. Erfinder der gleichnamigen Flöte. Panda-Schutzherr, weil die Herde (verkaufte Autos) ja noch größer werden soll. Diese Melodei der Zuversicht flötet auch die Werbung. Unten Pan-bockig, also miserabel ausgelegtes Fahrwerk? Hat der Panda allerdings ganz und gar nicht - es wirkt vielmehr angenehm straff und neutral austariert.

Panther, schwarzer; zool. Panthera pardus. Keiner aus der Gattung Bär, aber Fiat will wie ein Panther kämpfen, um die Position als bedeutender Kleinwagenbauer zu verteidigen. Da kann der VW-Konzern die Branche noch so in Aufregung versetzen, weil er wie ein

Berserker (etym.: rasender Krieger im Bärenfell) mit seiner up!-Offensive hineinfährt in einen Markt, wo die Karten scheinbar vergeben sind. Nicht mit uns, sagt Fiat, und der Panda ist ein kräftiges Argument für diesen Sager.

Bärenstark ist des Pandas Auftritt vor allem mit der aus Cinquecento und Ypsilon bekannten Top-Motorisierung: 0,9 Twinair Start & Stop. 85 PS, brummig wie ein Bär, super Maschine. Start & Stop? Alle Motoren außer dem Einstiegs-Otto kriegen diese angesagte Spritspartechnik. Zwar kommt der Panda nicht mit Bambussprossen aus wie sein Namenspatron, der sparsamste begnügt sich aber mit 3,9 l/100 km, der durstigste auch mit nur 5,2. Serie in Österreich ist das elektronische Stabilitätsprogramm ESP, in Kleinwagen längst noch keine Selbstverständlichkeit - und ein weiteres Argument pro Panda. Und weil VW im up! als besonderes Feature eine City-Notbremse einbaut, die bis 30 km/h den Wagen im Krisenfall automatisch radikal einschleift, hat der kleine Fiat das ab sofort auch.


Ein wenig größer, ein wenig runder als bisher. Ansonsten bleibt sich der Panda auch in dritter Generation treu. Moderner Kleinwagen, auch technisch auf Höhe der Zeit.

Bär, aufbinden, sprichw.; irgendwie schien das bisher fast so, denn der Wagen lief im schlesischen Tichau (Tychy) vom Band, wie Fiat 500, Ford Ka, Lancia Ypsilon - er war also gar kein echter Italiener. Das ist jetzt anders. Generation 3 wird im komplett umgerüsteten Werk Pomigliano gebaut, nahe Neapel, Pompeji und Vesuv. Dort wurden weiland die legendären Alfasud fabriziert, die schneller rosteten, als die Tinte am Kaufvertrag trocknen konnte. Heute, nach 900 Mio. € Investitionen ins Projekt Panda neu, präsentiert Pomigliano sich als modernstes aller Fiat-Werke. Alles da, inkl. brutaler Qualitätskontrolle, für die sinnbildlich ein "zero tolerance room" steht. Beim Panda müssen schließlich über 5000 Teile an den rechten Ort.

Angebär ist 1.) sogar nach der idiotischen neuen Rechtschreibung ein gravierender Fehler und 2.) der Panda mit Sicherheit keiner. Der ist einfach ein hübsches, geradliniges Stadtmobil. Selbst dem Hartplastik im Innenraum konnten die Stilisten richtig Chic abgewinnen, ja, das können sie, die Italiener.

Entbärlich ist also viel mehr diese Wortmeldung als der Panda. Der übrigens im März, zur Zeit der

Erdbeer-Ernte in Spaniens Gewächshäusern, in Österreich vorfährt. Es soll sich dann erweisen:

Panda mag man eben. Bärig. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/16.12.2011)

  • VW-Kleinwagen-Attacke vor dem Petersdom, wo ein deutscher Papst regiert: Der up! macht traditionelle Kleinwagenbauer hochgradig nervös. Fiats Antwort: ein gediegener neuer Panda.
    foto: werk

    VW-Kleinwagen-Attacke vor dem Petersdom, wo ein deutscher Papst regiert: Der up! macht traditionelle Kleinwagenbauer hochgradig nervös. Fiats Antwort: ein gediegener neuer Panda.

  • Gebaut wird der nicht mehr in
 Schlesien, sondern in Süditalien, Pomigliano.
    foto: werk

    Gebaut wird der nicht mehr in Schlesien, sondern in Süditalien, Pomigliano.

  • Das Design variiert die 
Heckansicht des Fiat Qubo: Kubus/Quadrat, Ecken gerundet.
    foto: werk

    Das Design variiert die Heckansicht des Fiat Qubo: Kubus/Quadrat, Ecken gerundet.

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