Analyse

Beethovens Hörverlust schlug sich zweifach in seinem Werk nieder

23. Dezember 2011, 14:12

Mediziner nahmen Streichkonzerte unter die Lupe und stellen unterschiedliche Verwendung hoher Töne fest

London - Ludwig van Beethoven (1770-1827) hat wegen seines zunehmenden Hörverlusts in seinen Spätwerken vermehrt auf hohe Töne verzichtet - jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, als sich sein Leiden zur völligen Taubheit verschlimmerte. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die im "British Medical Journal" veröffentlicht wurde. Die drei Autoren, Wissenschafter am Institut für Stoffwechsel im niederländischen Leiden, nahmen für ihre Analyse Beethovens Streichkonzerte unter die Lupe.

Sie teilten die Konzerte in vier Perioden ein - von den frühen Kompositionen der Jahre 1798-1800 bis hin zu den Spätwerken des deutschen Musikers, die er von 1824 bis 1826 komponierte. Dabei zählten die Wissenschafter Töne, die auf der Notenskala über G6 liegen, was einer Frequenz von 1,568 Hertz entspricht. Während es in den Frühwerken zahlreiche hohe Töne gab, wurden diese mit zunehmender Taubheit des Komponisten immer weniger. Beethoven klagte erstmals im Jahre 1801 im Alter von 31 Jahren über Gehörverlust. Ab 1812 mussten seine Gesprächspartner schreien, damit er sie hören konnte. 1818 begann er, mit schriftlichen Botschaften zu kommunizieren. In den letzten Jahren vor seinem Tod war er vermutlich völlig taub.

Mit zunehmendem Gehörverlust konnte Beethoven hohe Töne, die von den Musikern gespielt wurden, immer weniger hören. Er komponierte daher mehr mit Tönen im mittleren Frequenzbereich, so die Studienautoren. Danach jedoch änderte er seine Herangehensweise ein weiteres Mal: Bei seinen letzten Werken verwendete er nämlich wieder häufig hohe Töne. Weil er da bereits völlig taub gewesen sei, habe sich der Komponist nur noch auf sein inneres Ohr verlassen, vermuten die Autoren. So sei er allmählich wieder zu seiner verinnerlichten Musikwelt und den Erfahrungen der frühen Kompositionen zurückgekehrt. (APA/red)

Kommentar posten
25 Postings
Der Chronist
00
29.12.2011, 09:04
Mich würde nur interessieren, wieviel EU-Förderung es für dieses sinnlose Projekt gab, während ernstzunehmende musikwissenschaftliche Forschung keine Gelder bekam.

Der Chronist
01
29.12.2011, 09:01
Streichkonzerte :-)

Da hat einer geschrieben, der eher was von Streichwurst versteht, als von... ja, wovon denn nun? Die Streichquartette werden gemeint sein, schätze ich mal.

Ausserdem ist es Schwachsinn, von den verwendeten Tonhöhen auf den Zustand des Gehörs schließen zu wollen - offenbar brauchte Beethoven kein Instrument, um die im Kopf gehörte Musik aufzuschreiben, sonst hätte es in seiner letzten Schaffensphase nicht mehr funktioniert - gerade da, wo wirklich keine Note zuviel oder zuwenig oder unpassend gesetzt ist.

Ich behaupte, dass die Wahl der Tonhöhe immer, durch alle Phasen seines Schaffens, seinem Ausdruckswillen und nicht dem Gehör geschuldet war.

Absurde Vermutungen über Kompositionen, die einer nicht verstanden hat.

Renzo Pasolini
02
24.12.2011, 20:18
Es ist immer wieder faszinierend, dass die APA Schwachsinn kolportiert,

aber die echte Beethoven-Forschung konsequent unbeachtet bleibt. Allein der Begriff "Beethovens Streichkonzerte" markiert den schon gewohnten Nonsens!

Aluc4rd
00
26.12.2011, 18:35

da hast allerdings recht :)

Dodelbert Engfuss
09
24.12.2011, 10:13
eins komma fünf sechs acht Hertz??

Welches Licht hat denn da aus dem Englischen übersetzt? So tiefe Töne hört vielleicht ein Wal. Sollte wohl tausend fünfhundert achtundsechszig heißen.

Hans der Wedler
01
25.12.2011, 14:21

1568 steht im Paper, also da ist nichtmal der "typische" englische "." für 1000er Stellen dabei. Irgendwie schon sehr schwindlich die Übersetzung

Mowgly@VIE
01
24.12.2011, 15:28
ca. 956m Wellenlänge

Ich glaube bei einer Wellenlänge von ca. 950m (Meerwasser) würde sich sogar ein Wal schwer tun diese zu hören.

Selbst in der Luft wäre die Wellenlänge noch ca. 230m.

Illegoquifuerim
310
24.12.2011, 00:10
Liebe APA, Qualitätsblatt Standard: Geballter Schwachsinn!

1. Folgt man den genannten Jahren, wurden die Streichquartette (und nicht das einzige echte Streichkonzert) untersucht.
2. Töne oberhalb von g6 (12.543,87 Hz) braucht man in Beethovens Schaffen nicht zu zählen: es sind gewiß null. 1.568 Hz = g3.
3. Hohe Töne werden subjektiv immer lauter (also "besser") gehört als tiefe - ein etwaiger Verzicht auf sie ist nicht der Schwerhörigkeit, sondern (neuentwickelten) Kompositionsprinzipien geschuldet.
4. Dass Beethoven bei den späten Quartetten "wieder zu seiner verinnerlichten Musikwelt und den Erfahrungen der frühen Kompositionen zurückgekehrt" sei, ist der Gipfel der Idiotie: Diese Musik ist reine Avantgarde und wurde schon von den Zeitgenossen als solche empfunden.
War der Autor Tosic?

Günther Hase
 
01
25.12.2011, 15:34
gehts auch weniger arrogant?

kritik kann man auch etwas dezenter verpacken ... macht rundherum einen besseren eindruck.

ad Punkt 3) hohe Töne werden von einem gesunden ohr leichter gehört - das ist korrekt. die analogie, dass das bei einem kranken ohr auch so sein muss (also das hohe töne bei einsetzender taubheit länger hörbar bleiben) ist aber inkorrekt.

Cuca Racha
 
00
24.12.2011, 00:03
Streichkonzerte

Der Artikel ist im Original in Ordnung und ganz interessant; es geht um die Streichquartette. Die Autoren behaupten auch nicht, Beethoven mit einem medizinischen Befund 'erklären' zu können.

@ Standard: Der Bildungszustand der APA-NachrichtenverweserInnen dürfte Ihnen bekannt sein; machen Sie sich bitte wenigstens die Mühe die Artikel selber zu lesen, die Sie referieren.

Cuca Racha
 
01
23.12.2011, 23:56
Streichkonzerte

SterzinOz
01
24.12.2011, 04:23
Im BMJ-Original steht natürlich "string quartets",

aber bei der APA hält man Quartette halt für Kartenspiele.

Reinhold Loecker
03
23.12.2011, 18:44
Was ist der Unterschied ...

... zwischen Beethoven und Dieter Bohlen?

Beethoven war ein sympathischer Künstler und Dieter Bohlen ist nicht taub.

Der Waehlerwille
 
00
24.12.2011, 20:27
bei Beethofens Werken war der Komponist taub ...

... bei Bohlens Werken hingegen ...

Der Waehlerwille
 
00
24.12.2011, 22:24
ich tausch dann mal ein f gegen ein v ..

woifee 0.0
00
24.12.2011, 14:43

Ich würde sagen, Beethoven hat wirklich Musik gemacht, und positiv zur Kultur beigetragen.

h k
11
24.12.2011, 09:25
Ob Beethoven zu Lebzeiten wirklich vielen sympathisch war bleibt dahingestellt

Vielen galt er als rüpelhaft, mürrisch und ungepflegt.

Nick Tameer
00
24.12.2011, 02:56
Hackfresse und ("spurcidicus"? "faeceus"? Nun gut:) foul-mouthed arbiter elegatantorum Germaniae

"Cherry cherry Lady" hat sich bei mir leider eingeätzt, sonst ist jede die Erinnerung an seine Werke in mir gottlob getilgt. "Am Tag als Thomas Anders starb" ist zwar brachial, derb und beinahe unflätig, aber nicht von ihm, sondern von den "Goldenen Zitronen". Als größter punk in der Branche hat er bedauerlicherweise sein außerordentliches Talent in läppischem Pop verplempert, statt Sid Vicious und Johnny Rotten zu zeigen, was eine deutsche Harke ist(forget the Sex Pistols! Here come the Offene Hosentürls!) Deutscher Punk gelangte so nie zur Weltgeltung, sondern blieb - Tote Hosen, Tote Schnosen - epigonal und sowohl Bohlen selbst als auch Veronika Feldbusch sind immer noch quicklebendig.

ManfredZsak - occupied the Wirtshaus
00
23.12.2011, 20:36
Sind

sie sich da bezüglich dem Bohlen sicher ?

Haben sie sich schon eines seiner "Werke" engehört ?

Der Wappler
11
23.12.2011, 18:23
Der Wappler liebt die Symphonien von Beethoven

Sehr sehr intressant!

Langp
25
23.12.2011, 15:29

Unter "Streichkonzerten" sind vielleicht die Streichquartette gemeint.
Das Abzählen bestimmter Töne als Nachvollzug kreativer Arbeit entspricht der Erforschung, wie viele Umlaute Goethe im "Faust" verwendet hat.
Die Herren können aber trotzdem gute Ärzte bzw Spezialisten für stoffwechselerkrankungen sein.

Nick Tameer
11
24.12.2011, 02:04

Robert Neumann sich hat einmal in einer Freud-Parodie die fiktive psychoanalytische Untersuchung "Ein obszönes Geräusch in einer Kantate Johann Sebastian Bachs" ausgedacht, bei der im Prinzip immerhin noch neue Erkenntnisse herausspringen könnten. Aber das hier ist futil, selbst wenn es absolut richtig ist, denn dass Beethoven ertaubt ist, ist seit jeher bekannt. Musikalogisch-philologisch nach Nachweisen dafür in seinen Werken zu suchen, ist reichlich überflüssig und wäre allenfalls sinnvoll, um die Kriterien für das Art Gütesiegel: "Diese Synphonie wurde von einem Hörbehinderten geschrieben" zu verifizieren.

Johannes Benn
00
23.12.2011, 20:21
.

es haetten ja auch das violin konzert meint sein koenne - aber davon gibt es ja auch nur eins:-) sie meinten wohl wirklich die quartette

Nick Tameer
16
23.12.2011, 15:06
Rocking Biedermeier

Er hat sogar mit dem Gedanken gespielt als Bassist einer Rockband (NDW-Style, er wollte sie "Vormärz", eventuell auch "PÖF" nennen) weiterzumachen und hatte schon einen ersten Song (Pour Louis) fertig:

"Er mag Musik nur, wenn sie laut ist
Das ist alles, was er hört
Er mag Musik nur, wenn sie laut ist
Wenn sie ihm in den Magen fährt
Er mag Musik nur, wenn sie laut ist
Wenn der Boden unter den Füßen bebt
Dann vergisst er, dass er taub ist"

Er wäre sicherlich in der Hitparade des Deutschen Bundes weit oben gelandet, wenn die neue Karriere nicht am Einspruch der Nachbarn ("Der Lärm aus Ihrem Zimmer macht uns alle krank!") gescheitert wäre, die drohten, sich bei der gefürchteten Metternich'schen Polizei zu beschweren.

Lord Jim
01
24.12.2011, 14:25

großartig!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.