Bestände an Boswellia-Bäumen gehen dramatisch zurück - Brände, Viehzucht und Käferbefall als Ursachen
London - "Weihrauch wird knapp" - das klingt zunächst nach einer der typisch anlassbezogenen Meldungen in der Vorweihnachtszeit, wie sie alle Jahre wiederkehren. Andere Beispiele wären "Weihnachtsgebäck kann Allergien auslösen" oder mehr oder weniger wissenswerte Fakten zu Truthähnen. Anlassbezogenheit liegt natürlich auch vor - doch sollte der Umstand, dass die "Gunst der Stunde" genutzt wird, nicht die Tatsachen vergessen lassen, auf die hier aufmerksam gemacht wird.
Im konkreten Fall geht es um die schrumpfenden Bestände an Weihrauchbäumen aus der Gattung Boswellia, die vor allem am Horn von Afrika und auf der arabischen Halbinsel wachsen. Nach Angaben eines Forscherteams aus den Niederlanden und Äthiopien könnten die Bestände binnen 50 Jahren um verheerende 90
Prozent zurückgehen. Für ihre Studie untersuchten die Forscher zwei Jahre lang den Zustand von 6.000 Boswellia-Bäumen im Nordwesten Äthiopiens auf Überlebensdauer, Wachstum und Samenproduktion.
Schuld am Niedergang der Bäume habe aber nicht die
Harz-Gewinnung, sagen die Forscher: Der festgestellte Rückgang betreffe auch Bestände, die nicht in dieser Weise genutzt werden. Als maßgebliche Faktoren nennen die Forscher die
zunehmende Zahl von Bränden, den Befall durch Bockkäfer und die zunehmende Viehzucht: Die Rinder fressen die Boswellia-Samen, immer weniger neue Pflanzen können auskeimen. Die
gegenwärtige Verwaltung der Baumbestände trage diesen Problemen keine
Rechnung, kritisierte Teamleiter Frans Bongers von der Universität
Wageningen. Bereits in 15 Jahren könnte sich daher die Produktion des würzigen Harzes halbieren, warnten die Forscher in ihrer Studie. In 50 Jahren wäre die jahrtausendealte Tradition dann endgültig "dem
Untergang geweiht". (red)