Das Plumpsklo als Protest

22. Dezember 2011 06:15
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    Foto: logar

    Seit September 2011 bezahlen die Bleiburger durchschnittlich 340 Euro mehr Kanalgebühr. Mit dem Plumpsklo wollen sie gegen die massive Teuerung protestieren.

Mit einem "Ajzl" protestieren Bleiburger Bürger gegen massiv erhöhte Kanalgebühren

Nicht nur zweisprachige Ortstafeln werden in Kärnten aufgestellt. Neuerdings werden hier auch Plumpsklos in die Landschaft gesetzt. In liebevoller Tischlerarbeit gefertigt, fügt sich ein solches Objekt in das malerische Wiederndorf-Vidra ein. Inklusive herzförmiger Lüftungsluke. Zwei Weihnachtsbäumchen zieren das Dach des "Ajzls", wie man das Plumpsklo hier nennt. Und die festliche Weihnachtsbeleuchtung ließe Notdürftige auch Nachts den Weg ins stille Örtchen finden.

Das Plumpsklo soll jedoch einen anderen Zweck erfüllen. Es ist ein Zeichen des Protests, aufgestellt von Bewohnern aus Aich-Dob, Wiederndorf-Vidra vas und Schilterndorf-Čirkovče in Bleiburg/Pliberk, die die im September massiv erhöhten Kanalgebühren nicht hinnehmen wollen. Das "Ajzl" sei ein Mahnmal "gegen eine staatliche Förderpolitik". Hintergrund: Die von Bürgern gegründete Abwassergenossenschaft Aich-Dob (AWG) hat sich im Jahr 1998 überlegt, wie man „möglichst kostengünstig" an ein Kanalsystem kommen könnte. Im Jahr 2000 schloss die Genossenschaft einen Entsorgungsvertrag mit der Gemeinde ab, 2004 konnten schließlich 150 Haushalte an das Kanalnetz angeschlossen werden. "Aufgrund verzögerter beziehungsweise ausbleibender Landes- und Bundesförderung", musste die AWG schließlich in Konkurs anmelden, erklärt Jakob Logar, der Sprecher einer Bürgerinitiative. Die Gemeinde übernahm schließlich den Kanal.

340 Euro mehr pro Jahr an Kanalgebühren

Eine vom Bund laut Logar in Aussicht gestellte Förderung von fast 900.000 Euro bleibt nun jedoch aus, was in einer saftigen Gebührenerhöhung resultiert. "Jeder Haushalt muss durchschnittlich 340 Euro mehr pro Jahr an Kanalgebühren bezahlen, das ist eine Katastrophe", sagt der Kärntner Plumpsklo-Aktivist.

Tatsächlich ist die Kanalbenützungsgebühr massiv gestiegen: Bisher lag sie bei 1,68 Euro pro Einheit, seit 1. September bezahlen die Bleiburger 3,06 Euro. Der Bund habe die "gesetzlich vorgesehene Förderung von etwa 900 000 Euro wegen Formalfehlern bei der Antragstellung verweigert", erklärt Logar die Bürgerinitiative.

Aus dem Büro von Umweltminister Berlakovich heißt es gegenüber derStandard.at: "Im vorliegenden Fall der ehemaligen Abwassergenossenschaft Aich/Dob wurden von Beginn an wissentlich wesentliche Förderungsvoraussetzungen, insbesondere betreffend die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens, nicht beachtet. Im Sinne der für alle Abwasservorhaben österreichweit gleich geltenden Regelungen für den optimalen Einsatz der öffentlichen Förderungsmittel, kann daher für dieses Projekt keine Förderung gegeben werden. Die Verantwortung dafür darf aber aufgrund der oben genannten Gründe nicht beim Fördergeber Umweltministerium gesucht werden".

"Nicht aus Verantwortung ziehen"

Logar sagt zu derStandard.at, es fehle die entsprechende Studie, die belege, dass der Kanal der AWG die günstigste Variante wäre. Zweifellos sei bei der Planung und beim Bau des Kanals einiges schief gelaufen. Auch Land und Gemeinden dürften sich nicht aus der Verantwortung ziehen, sie hätten schließlich entsprechende Bewilligungen erteilt.

Und auch bei anderen Kanalprojekten in Kärnten seien Fehler gemacht worden."In diesen Fällen wurde die Förderung trotzdem bezahlt. Das Geld steht uns moralisch zu", so Logar, der die Proteste ausweiten will. Zwei weitere Plumpsklos sollen aufgestellt werden. Bei einer Bürgerversammlung sei auch in den Raum gestellt worden, den Differenzbetrag zur letzten Gebühren-Erhöhung nicht zu bezahlen. Vorher hoffe man aber auf eine politische Lösung.

Dass das Klo neben der Protestfunktion auch seinen eigentlichen Zweck erfüllt, sei nicht erwünscht. Tagsüber schaue man darauf, dass es nicht benützt wird. Und wenn es Nacht wird, wird das "Ajzl" zugesperrt.  (burg/rasch, derStandard.at, 22. Dezember 2011)

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james7
04.01.2012 11:41
das kommt von unüberlegten alleingängen!

aich-dob hat ja unbedingt einen eigenen kanal und eine eigene entsorgungsanlage gebraucht, um "unabhängig" von der gut funktionierenden abwassergenossenschaft völkermarkt-jaunfeld zu sein. und da man auch betriebswirtschaftlich alles besser wußte, ging man schlichtweg pleite!!! daher nun die erhöhten gebüren - absolut zu recht. wenn man als laie alles besser kann und besser weiß, als jahrelange profis, dann soll man seinen "erfolg" auch selbst bezahlen.

Josef Speckbacher
01.01.2012 14:22
...sind die Gemeinnützig oder Gewinnorientiert aufgestellt?

gratuliere
23.12.2011 09:41
Gesetz ignoriert

Jedermann muss vor (!) Baubeginn einen Förderantrag stellen, sonst hat er laut Gesetz seinen Anspruch auf eine Förderung verwirkt.
Das haben die Betroffenen natürlich gewusst, aber es hat sie nicht davon abgehalten, ihr Kanalprojekt durchzuziehen. Und dies, obwohl in unmittelbarer Nähe der Gemeindekanal vorbeiführt.
Jetzt die Fehler bei den anderen zu suchen, ist zwar verständlich, aber nicht ganz stichhaltig.

globetrotter40
23.12.2011 09:11
Abwassergenossenschaften

Ich gratuliere zu den Aktionen der AWG Aich/Dob!

Bund, Land und manche Gemeinden wollten in ihren "Studien" nur zentrale Großkläranlagen erzwingen, mit vielen kilometerlangen Kanalsträngen, wo weit und breit kein Haus ist. Diese wurden auch oft am Land gebaut, haben riesige Schuldenberge, leben nur von Förderungen und sehr teuren Anschluss- und Betriebskosten.

Dorfbewohner (u.a. in der Weststmk, Graz-Umgebung, Oststeiermark, in Kärnten) haben sich das nicht fallen gelassen und haben eigene Abwassergenossenschaften gegründet. Sie arbeiten wesentlich billiger, haben meist kaum Schulden und leisten das gleiche um weniger Geld.

hentai
23.12.2011 08:24
Sehr tolle Initiative, Herr Prof. Logar!

wie zu erwarten von meinem ehem. Religions-Professor. WEITER SO!

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
23.12.2011 07:51
"... wegen Formalfehlern bei der Antragstellung verweigert"

Zu blöd, ein Formular auszufüllen, und jetzt dürfen's die Bürger ausbaden. Hoffentlich vergessen sie das nicht bis zur nächsten Wahl!

Da Flowmaster
22.12.2011 23:12
Trockentrenn-Toilette

Die nachhaltige Lösung mit vielen positiven Nebeneffekten...

hier ein marktreifes Produkt welches sich nicht verstecken muss: http://holzapfel-konsorten.de/fileadmin... ineral.pdf

Auf unserer Experimentalfläche - Sprungbrett-Aspern entsteht auch gerade eine Eigenentwicklung.

Für die Zukunft der Menschen fühlt auch nichts daran vorbei Kreisläufe zu schließen, wie auch diesen.

Urin ist beispielsweise ein wertvolles Gut, es enthält Phosphor ein Stoff der einen sehr hohen Stellenwert für uns hat weil er als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt wird. Jedoch sind die Vorkommen begrenzt und neigen sich dem Ende zu...

blablabla blablabla
22.12.2011 21:57
kein Wunder,

Kärnten ist ja noch tiefstes 18. Jahrhundert.

Also ein Donnerbalken eher ein Fortschritt.

sauerkraut1
29.12.2011 10:04
18. Jahrhundert

Im Verglleich zu Ihrer dargebotenen Geisteshaltung ergibt das einen Unterschied von 50.000 Jahren.

Logyal
22.12.2011 19:24
Grauzone Abwasserentsorgung

Zu einigen Reaktionen auf mein früheres posting zur Alternative "humanure":
Nachbarn werden nicht (geruch-)belästigt, der Kompost stinkt nicht, da Sägemehl/Asche geruchsbindend sind.
Die ABWASSERKLÄRUNG funktioniert wie erwähnt eben NICHT für Paracetamol, Hormone und CO -link dazu:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/um... e-1.997961
"muss man halt verbessern" ist irgendwie wie "der Papi wird's schon richten" -Tatsache -es funktioniert nicht.
Es wird kein "Kompost zurückgewonnen" ein Kläranlage ist kein Kompostierungsvorgang.
Der Klärgrubenschlamm enthält ausser genannten Medikamenten und Chemikalien Schwermetalle -wenn SIe das in dem Futter haben "das auf den Supermarktegalen wächst" -good luck!

Kummerl1
22.12.2011 23:50
Was ich aus dem zitierten Artikel lese:

Abwässer von Arzneimittelerzeugern sind nach der Kläranlage noch immer nachweislich mit Chemikalien belastet, wenngleich auch nur im Mikrogrammbereich pro Liter (0,001x g/l).
Bei kommunalen Abwässern ohne Arzneimittelfabriken als Einleiter gibt es nur ein Tausendstel dieser oben angeführten Belastung, also 0,00000x g/l .
Man macht also viel Lärm um maximal
homöopathische Dosen.
Es bleibt jedem unbelassen, sein Kompostklo zu betreiben. Falls dort jedoch intensivere Medikamentenkonsumenten tätig sein sollten, hätte ich bei deren Kompost auch Bedenken.
In Kärnten scheint es nicht nur bei der Mehrheitsbevölkerung üblich zu sein, sich nicht an Gesetze und Spielregeln zu halten. Missachtung von Förderverträgen führt eben zum Entzug der Förderung

ameno
23.12.2011 13:34

milli, micro, nano, pico, femto.
wer damit schon probleme hat, sollte eher nix zu dem thema posten.

Kalvarienberg
22.12.2011 17:25
Extra fürs Jörg Haider-Gedenksch•$*¥#$ entwickelt...

Rot/Grün Farbsehschwächling
22.12.2011 14:44
da hat jemand bald ausgschi**n!

shit happens :)
22.12.2011 14:03
Peinlich!!

Als Kärntner selbst sage ich, gebt doch Klagenfurt und alles was unter Klagenfurt sich befindet Slowenien wieder zurück! Kärnten ist ein so schönes Land mit alten Brauchtum und Kultur, mit wunderschöner Landschaft usw., da sind ständige negativ Schlagzeilen eher nicht wünschenswert!

sog i eh
22.12.2011 18:52

teutsches Regime-Denken lässt grüßen.

mbli
22.12.2011 13:54
super, protestsitzen mit häusln und nachtscherben vor dem wiener rathaus, auch in wien werden die gebühren drastisch erhöht. außerdem ist die koppelung vom wasserverbrauch mit der kanalgebühr eine frechheit, etc.

aufruf: sch............ wir den verantwortlichen mal was ;-)

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
22.12.2011 13:39
nicht im einklang mit der natur

ich erlaube mir höflichst, der geschätzten P.T. leser/innenschaft in den betroffenen kärntner gemeinden ein fürwahr ganz treffliches büchlein zur besinnlichen lektüre an den kommenden feiertagen zu empfehlen:
Kathleen Meyer, How to Shit in the Woods: An Environmentally Sound Approach to a Lost Art
http://books.google.at/books/abo... edir_esc=y

Dreistein
 
22.12.2011 13:29

Wieder ein Beispiel, dass es in Kärnten scheisse läuft!

progo
22.12.2011 13:22

Wenn irgendwo in Kärnten jemand einen Scheiß baut, sind die Abzocker in Wien schuld! Das hat Tradition.

!!! Für die Abspaltung Kärntens, jetzt !!!

Sollen Sie ihre Hyporettungsmilliarden und Kanalförderungen anderswo suchen. Bei ihrem Rechtsempfinden kann das nicht lange dauern.

flatus incarceratus
22.12.2011 13:09
kärnten pur

ist das turismuswerbung?

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
22.12.2011 12:42

aha, ein paar kärntner gemeinden zeigen dem land und dem bund, daß sie im fall des falles auf kanalbauten scheiBen.

Kummerl1
22.12.2011 23:52

wahrscheinlich haben die nicht kapiert, dass sie damit auf die Förderungen des Bundes scheißen.

Thomas Geißler
22.12.2011 12:24

Wenn schon zweisprachig, dann aber alle geografischen Namen.

Kärnten/Koroška
Bleiburg/Pliberk

fehlen noch.

Ein Nichtkärntner.

Logyal
22.12.2011 12:18
Alternative

http://humanurehandbook.com/contents.html

Wahnsinnkosten, damit "Mensch" seine Kacke mit 10l (3-5l pro "Pipi") Trinkwasser "verschwinden" lassen kann -enorme Umweltprobleme (teilweise ungelöste: Hormone und Medikamente passieren unsere Kläranlagen und verseuchen das Grundwassser).
Auf der anderen Seite fehlt uns der Stickstoff, den wir über die Nahrung aus dem Ölosystem entziehen und wir ersetzen ihn durch Kustdünger (Schwermetalle und hochgiftige radioaktive Elemente mitverpackt).

Klar, Trockentoiletten ERFORDERN EIN UMDENKEN. Sind aber EU-Konform. Nach Franz. Gesetzen muss der sich ergebende Kompost mind. 18 Monate "reifen".
"Humanure"-Literatur berichtet, dass ein Grossteil der problematischen chem. Substanzen im Kompost abgebaut werde

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