Was den Wohnungsmarkt stabil macht

Martin Putschögl, 21. Dezember 2011, 13:17
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    foto: putschögl

    "Boom-Bust"-Land Spanien: Hier stehen heute drei Millionen Wohnungen leer.

Robert Wieser klopfte die Wohnungspolitik von 14 EU-Ländern auf krisenfördernde und krisenhemmende Faktoren ab

Anderswo platzten die Immobilienblasen wie Seifenblasen - nicht so in Österreich: Hierzulande legten die Immobilienpreise zwar auch stark zu in den vergangenen Jahren, jedoch bei weitem nicht so dramatisch wie in Spanien oder Irland, wo sich die Häuserpreise von 1995 bis 2007 real mehr als verdoppelten. Auf den "Boom" folgte dann aber eben der "Bust", die geplatzte Preisblase, die die gesamte Wirtschaft einbrechen ließ. 

Studie sucht nach Ursachen

Der Wirtschaftsforscher Robert Wieser hat sich nun für eine Studie im Auftrag des Verbands der Gemeinnützigen Bauvereinigungen (gbv) angesehen, welche Faktoren auf den Wohnungsmärkten von 14 EU-Ländern stabilisierend, und welche destabilisierend wirkten bzw. wirken. Sein Fazit: Immobilienkrisen treten in jenen Ländern auf, bei denen eine hohe Wohnungseigentumsquote auf ein liberalisiertes Wohnbaufinanzierungssystem mit deregulierten Hypothekarmärkten und einen hohen Anteil von stark risikobehafteten Kapitalmarktinstrumenten zur Refinanzierung der Wohnbaukredite trifft.

Stichwort Eigentum: In fast allen der von ihm untersuchten 14 EU-Länder stieg der Anteil des Wohnungseigentums am Gesamtbestand der Wohnungen an, im Durchschnitt von 57 Prozent im Jahr 1980 auf 64 Prozent im Jahr 2008. Besonders starke Anstiege verzeichneten Portugal (+24 Prozentpunkte), die Niederlande (+16), Großbritannien (+11), Frankreich und Italien (beide +10).

Interessanterweise ging die Quote in Irland sogar leicht zurück, allerdings von sehr hohem Niveau aus. Spanien und Irland weisen heute Eigentumsquoten von 85 bzw. 75 Prozent aus. Zum Vergleich: In Österreich liegt diese Quote bei 56 Prozent, bei einem entsprechend höheren Mietwohnungssektor von rund 40 Prozent. 

Überschuldung droht

Die Häuserpreise sind in den 14 Ländern seit 2001 auch wesentlich stärker gestiegen als die Einkommen und die Mieten. "Solange die Immobilienpreise stiegen und so zur Vermögensbildung der Haushalte beitrugen, schien die eigentumszentrierte Wohnungspolitik auch erfolgversprechend", analysiert Wieser. Mittelfristig bringe der damit einhergehende Anstieg der Haushaltsverschuldung - Stichwort Hypotheken - allerdings "enormes Gefahrenpotenzial durch Einbruch der Wohnimmobilienpreise mit sich". Sprich: Wenn der Hauspreis wieder fällt, droht die Überschuldung.

Wieser unterteilte die 14 Länder punkto Preisentwicklung grob in drei Kategorien: Zu den "Boom-Bust"-Ländern zählt er Spanien, Irland und Großbritannien. Zu den "NonBoom-NonBust"-Länder gehören Österreich, Deutschland und Italien; diesen blieb ein spanisches oder irisches Schicksal erspart, hier entstanden erst gar keine Preisblasen. Die größte Gruppe machen aber die so genannten "Boom-NonBust"-Länder aus: Staaten, die den Anstieg der Häuserpreise zwar mehr oder weniger voll mitmachten, in denen es aber zumindest bisher zu keinem nachfolgenden Preissturz kam. Diese Gruppe besteht unter anderen aus Frankreich, Schweden und den Niederlanden.

Finanzmarktliberalisierung nicht per se blasenfördernd

"Die Länder mit Boom-Bust-Zyklus hatten schon Mitte der 1990er-Jahre weitgehend liberalisierte Finanzmärkte", erklärte Wieser bei der Präsentation seiner Studie am Montag. Allerdings: Dass die Liberalisierung per se schon die jeweiligen Preisblasen begünstigt hätte, diese Schlussfolgerung kann er nicht ziehen. Es komme nämlich vor allem auf die institutionelle Umsetzung der Finanzmarktliberalisierung an, außerdem auf die "sonstigen Rahmenbedingungen und auf das Verhalten der Akteure".

Eine wichtige Rolle spiele auch die generelle Ausrichtung des Wohnbaufinanzierungssystems und die vorherrschende Form der Refinanzierung der Wohnbaukredite durch die Kreditgeber. Märkte mit traditionell langfristiger Finanzierung, in denen Fixzinskredite die Regel sind, würden sich stabiler entwickeln. Auch müsse die verbreitete starke Förderung des Wohnungseigentums sehr kritisch betrachtet werden, denn es brauche einen bestimmten Bestand an Mietwohnungen, damit sich die Wohnungsmärkte stabil entwickeln können. 

Österreich: Mieten werden steigen

Der österreichische Wohnbausektor habe sich bisher als krisenresistent erwiesen, so der Wirtschaftsforscher abschließend. Hierzulande sind die Preissteigerungen seit 2007 auch nicht mit einem Anstieg der Verschuldung der Haushalte verbunden. Wegen der aktuellen Kürzungen bei der Wohnbauförderung werde aber in den nächsten Jahren zuwenig gebaut werden, und im Zusammenspiel mit der weiter vorherrschenden Flucht der Anleger in "sichere Häfen" sowie mit dem prognostizierten starken Bevölkerungswachstum insbesondere in Ostösterreich werden aber künftig die Mieten stark zulegen.  (Martin Putschögl, derStandard.at, 21.12.2011)

Link

Die Studie kann auf der Website des gbv sowohl in Kurz- als auch in Langfassung downgeloadet werden

Elisa B
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Strategie

Bevölkerungswachstum eindämmen und schon sinken die Preise!

Donna Camilla
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Habe ca 6 Monate vor Weihnachten damit begonnen, im Standard und Kurier Onlineausgaben die Mietpreise für Altbauwohnungen in zwei bestimmten (Außen)Bezirken regelmäßig zu studieren und definitiv festgestellt, dass diese seit GESTERN 1.1. durchschnittlich um 70-80 euro pro Monatsmiete bei gleicher Ausstattung gestiegen sind. z.b 64 m²
vorher 750 euro, jetzt Miete 822. das große tamtam, das über die Teuerung und Einsparungen überall gemacht wird kann man vergessen; während man beimVolk noch Augenauswischerei betreibt, angeblich nach fairen vertretbaren Lösungen zu suchen, sind im Stillen die Verteuerungen für die , die sich am wenigsten wehren können, schon längst geplant und zug um zug vollzogen worden.

Saurer Zivi
00
Die Langfassung von Dr. Robert Wieser sei allen Vermietern, die hier immer das Mietrechtsgesetz attackieren, wärmstens zu empfehlen:

Gemäß Wieser sind nämlich die mietrechtlichen Bestimmungen in Ö auf einer Skala von 0 bis 14 im Mittelbereich ( Stufe 7) angesiedelt.

Können also keineswegs als "restriktiv" oder stark regulierend gelten.

Viel einschneidendere Bestimmungen gibt es zb in Schweden.

Allerdings ist mir nicht ganz klar, wie Dr Wieser zu diesem Skalenwert gelangte.

Saurer Zivi
00
23.12.2011, 13:02
die preisstabilität NICHT auf das Mietrechtsgesetz zurückzuführen sondern auf alle möglichen Investments rundherum... das ist schon sehr stark, muss ich sagen.

Wieder ein Artikel, in dem das Wichtigste ausgespart wurde.

Chocoholic
00
22.12.2011, 22:45
20% Nebenkaufkosten sprechen eine klare Sprache:

Langfristige Investition.

Gobi Todic
00
22.12.2011, 10:42
Es wird zeit die Spekulation einzudämmen

bin gerade in der glücklichen Lage im richtigen Lebensabschnitt zu sein um mich für eine Eigentumswohnung im Grazer Großraum umzusehen.

1. auf ca 80% der Angebote hängt ein Makler - absolutes no-go.
2. ca. 50% der Wohnungen werden offensiv "für Anleger" beworben.
3. geförderte Eigentumswohnungen sind sofort weg und teilweise ebenso nicht leistbar.

Ich würde mir folgendes Wünschen:
* Gesetze die die spekulation eindämmen
* viel viel mehr geförderten Wohnbau
* höhere staatliche Kredite für Wohnraumschaffung und auch Sanierung (ja, die Raikapartei wird dagegen sein)

lesmuts
00
22.12.2011, 11:46

ich war mittlerweile mehrmals als Immobilienkäufer wie -verkäufer dabei und finde ihren Wunsch nach maklerfreien Wohnungen absolut verständlich, denn was mir als Käufer durch diese an "Dienstleistung" widerfahren ist, spottet jeder Beschreibung.
Als Verkäufer, der anfangs privat inseriert hatte, muss ich zugeben, dass mir die Maklerdienste dann wieder sehr willkommen waren - schneller, besserer Preis, keinen Ärger mit nervenden Besichtigungstouristen.
Um die Angelegenheiten fairer zu regeln, wäre es wohl angebracht:
1) Maklerprovision begrenzen, entweder per Maximalwert bzw. Prozentsatz senken
2) Verkäufer zaht 2/3, Käufer 1/3

Ein Privatimmobilienmarkt wäre mir zwar wesentlich lieber, der ist aber glaub ich eher in BUWOG Kreisen üblich:-)

Gobi Todic
00
22.12.2011, 12:01

Punkt 2 erinnert mich an den REMAX Nepp "Provisionsfrei für den Käufer".

Sollte meiner Meinung nach von der AK auf Unterlassung geklagt werden, weil irreführend.

Jedenfalls, wer den Makler bezahlt ist klar. IMMER der Kunde über den Kaufpreis.

Di Fazz
00
22.12.2011, 16:27

Genauso ist es - und warum sollte es auch anders sein?

Ich hab meine Wohnung privat UND über Makler inseriert. Beim Angebot vom Makler waren die 3,6% am Kaufpreis drauf.

Zugegebenermaßen waren meine Inserate (Kurier, ein paar kleinere online Portale) bescheidener als das vom Makler. Aber auf mein Inserat haben sich lediglich zwei Interessentinnen gemeldet, denen die Wohnung aber deutlich zu teuer war, während der Makler innerhalb zweier Wochen 14 Interessenten zu einer Besichtigung hatte.

Also, es scheint schon auch ein wenig an der Faulheit der Suchenden zu liegen...

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