EU-Gericht

Aus für sektorales Lkw-Verbot auf Inntalautobahn

21. Dezember 2011, 12:06

Das Fahrverbot für Lastkraftwagen, die bestimmte Güter befördern, ist mit dem in der EU geltenden freien Warenverkehr nicht vereinbar

Luxemburg/Brüssel - Der Europäische Gerichtshof hat erneut das sektorale Lkw-Fahrverbot auf der Inntalautobahn in Tirol gekippt. Das Fahrverbot für Lastkraftwagen, die bestimmte Güter befördern, sei mit dem in der EU geltenden freien Warenverkehr nicht vereinbar, urteilten die EU-Richter. Die österreichischen Behörden hätten nämlich nicht nachgewiesen, dass die von der EU-Kommission verlangten Alternativen ungeeignet wären. Das Land Tirol hingegen will das sektorale LKW-Fahrverbot wieder einführen. Das kündigte Landeshauptmann Günther Platter an. Er wolle dies "so rasch als möglich im nächsten Jahr" umsetzen. "Das ist realistisch", sagte er.

Die sektoralen Fahrverbote auf Teilen der Inntalautobahn in Tirol sind vom Europäischen Gerichtshof bereits 2005 für EU-rechtswidrig erklärt worden. Damals hatten die EU-Richter die Durchführung als "unverhältnismäßig" verurteilt, wenngleich aus Gründen des Umweltschutzes eine Behinderung des freien Handels grundsätzlich gerechtfertigt sein könne. Die EU-Kommission hatte kritisiert, Österreich keine geeignete Alternative zum Transport auf der Straße nachgewiesen.

"Willfähriger Handlanger"

Das Transitforum Austria-Tirol hat den EuGH als "willfährigen Handlanger einer aus den Fugen geratenen EU" bezeichnet. Grundrechte würden mit Füßen getreten, die Brennerstrecke zur "grundrechtlosen Transitstrecke". Die Wirtschaftskammer sah "keinen Grund zur Freude", die Politik habe aber jahrelang wider besseres Wissen gehandelt.

Der freie Mülltransit sei wichtiger als das Grundrecht auf Gesundheit durch den sensibelsten Gebirgsraum des gesamten Binnenmarktes, meinte Transitforum-Chef, LAbg. Fritz Gurgiser (Bürgerklub). Der Gerichtshof habe sich nicht am Lissabon-Vertrag orientiert, der Begrenzungen des Warenverkehrs dort vorsehe, wo Gesundheits- und Wirtschaftsinteressen massiv belastet seien.

Auch die EG-Grundrechtscharta habe die Gesundheit als Grundrecht festgeschrieben. Allein auf der Brennerstrecke würden weit mehr als 200.000 Ladungskapazitäten nur bei der RoLa mit einer jährlichen Subvention des Steuerzahlers von mehr als 15 Mio. Euro angeboten.

Bevor durch Schnellschüsse weiteres Porzellan zerschlagen und dem Standort Tirol geschadet werde, müssten Urteilsbegründung und Argumente es EuGH genau analysiert werden, verlangte hingegen WK-Präsident Jürgen Bodenseer. Bevor die Landesregierung überfallartig neue (sektorale) Fahrverbote überlege, sollten die bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen, welche die Verkehrsbeschränkungen begründen, überprüft werden.

Gerade im Bereich der Nutzfahrzeuge habe sich in den letzten Jahren technisch sehr viel getan - mehr als bei den Pkw. Lkw mit Euro-6-Motoren seien beinahe schadstofffrei. Und die kürzlich beschlossene Förderung zur rascheren Umrüstung des heimischen Lkw-Bestandes auf moderne EEV- oder Euro-6-Fahrzeuge werde einen weiteren Beitrag zur Senkung der Schadstoffe im Inntal leisten.

 

Österreich hätte Alternativen prüfen müssen

Der EuGH hält grundsätzlich eine Beschränkung des Warenverkehrs für den Umweltschutz für geeignet und erforderlich. Die österreichische Regelung trage tatsächlich zum Schutz der Umwelt bei, da damit die Schadstoffemissionen reduziert würden und dies zu einer Verbesserung der Luftqualität im Inntal führe, heißt es in dem Urteil weiter.

Österreich habe aber den freien Warenverkehr dadurch unverhältnismäßig beschränkt, indem es ein sektorales Fahrverbot erlassen habe, ohne weniger einschränkende Maßnahmen ausreichend zu prüfen, stellten die EU-Richter fest. Die EU-Staaten müssten vor Erlass einer so radikalen Maßnahme sorgfältig prüfen, ob sie nicht auf Maßnahmen zurückgreifen könnten, die den freien Verkehr weniger beschränken.

Insbesondere könnte die von der EU-Kommission vorgeschlagene Lösung ebenso wirksam sein, wonach ein Fahrverbot für Lastkraftwagen bestimmter umweltverschmutzender Euro-Klassen auf anderer Klassen ausgeweitet würde. Die Euro-Normen würden die tatsächlichen Emissionen von Fahrzeugen in Bezug auf die Stickstoffoxide zuverlässig wiedergeben.

Der EuGH widerspricht außerdem der Argumentation der österreichischen Regierung, wonach ein ständiges Tempolimit von 100 km/h in der Praxis nicht befolgt würde. Österreich wäre verpflichtet, die Befolgung dieser Geschwindigkeitsbegrenzung durch Sanktionen zu gewährleisten. Daher weise auch diese von der EU-Kommission vorgeschlagene Lösung ein Potenzial zur Schadstoffreduktion auf, das Österreich nicht ausreichend berücksichtigt habe.

Lange Geschichte

Die Inntalautobahn (A 12) sei einer der wichtigsten Verbindungswege zwischen Süddeutschland und Norditalien, stellt der EuGH fest. Tirol hat 2003 zunächst ein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen erlassen, die bestimmte Güter wie Abfälle, Steine, Erden, Kraftfahrzeuge, Rundholz und Getreide auf dem 46 Kilometer langen Streckenabschnitt beförderten. 2005 hob der Europäische Gerichtshof das Fahrverbot auf.

Danach ergriff Tirol schrittweise neue Maßnahmen, unter anderem ein variables Tempolimit und ein Fahrverbot für Lastkraftwagen bestimmter Euro-Klassen. Da sich die Luftqualität nicht verbesserte, erließ Tirol erneut ein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen die bestimmte Güter befördern, diesmal auf einem 84 Kilometer langen Autobahnabschnitt. (APA)

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gergl
00
22.12.2011, 08:56

bin für eine sektorale Abgassammlungen der Euro-6-Lkw's, weil die sind ja abgasfrei, und dann transportieren wir sie nach Brüssel (mit Lkw natürlich), damit dort mal frischer Wind hineinkommt!

radlfahrer
05
22.12.2011, 07:48
Woran sich die EU wirklich stößt:

Den Tiroler Politikern geht es nicht um Umweltschutz, sondern um Bevorzugung der heimischen Frächter. Das versucht man durch willkürliche Gesetze zu erreichen.
Bei einer Regelung zu Gunsten des Umweltschutzes, die alle gleich träfe, gäbe es keine Bedenken durch die EU. Aber da würden wiederum die Tiroler Frächter aufheulen.

Elegantestes Conversations-Lexicon für alle Stände
00
22.12.2011, 09:19

Völlig richtig. Und dieser Murks zieht sich schon seit dem Transitvertrag durch.

barney
20
22.12.2011, 06:47
das Herz Europas

Nun ist es also "amtlich", welch zentrale Rolle Österreich in der EU spielt: die des Transitlandes!
EU-Austritt und Aushandeln eines Transitvertrages nach Schweizer Vorbild (ui, jetzt werden sie aufheulen, die EU-Propaganda-Poster)!

Ben Hemmens
02
21.12.2011, 22:42
Argumentation der österreichischen Regierung, .... Tempolimit ... in der Praxis nicht befolgt würde. Österreich wäre verpflichtet, die Befolgung ... zu gewährleisten.

Ja so ein Schock aber auch: von einem Land wird erwartet, Regelungen zu beschliessen, die es selber vor hat, ernst zu nehmen.

stoiker
02
21.12.2011, 21:42

der transport von müll auf der strasse muss dringend untersucht werden.da fliessen unter garantie jede menge eu gelder.

italien erspart sich riesenaugaben durch nichtausbau ihrer müllentsorgungsmöglichkeiten.es wird eine bewusstseinsänderung in der italienischen gesellschaft hintertrieben.das land ist eine riesige müllhalde.

und wir sorgen dafür dass die strassen in ordnung sind..grenzwertig.

kurzpenisträger
71
21.12.2011, 21:07

ausländische lkw fahrer schikanieren bis zum erbrechen, wenn das gsindl zwei tage durch unser land braucht werden sie freiwillig mit der bahn fahren. und dann rauf mit den preisen damit die öbb saniert wird!

Poldi Fesch
00
21.12.2011, 21:48
da haust

die falschen. Der musz in X Std von Palermo in Hamburg sein, schafft ers nicht, no cash

molekühl
01
21.12.2011, 20:25

Vielleicht nochmals kurz zu den Abgasen: Transit-LKWs haben eine relativ kurze Nutzungsdauer in Mitteleuropa, bevor sie in den Osten gehen (und danach vielleicht noch nach Afrika). Durch diesen schnellen Umschlag wird der LKW-Transit in unserer Region der erste Bereich sein, der die NOx- (und Ozon) Problematik in den Griff kriegt, lange vor den heimischen Baustellen-LKWs, den Privat-Dieseln, den Kleintransportern und den Holzheizungen. In 4, 5 Jahren spätestens dürfte das Thema "NOx und Transit" tot sein, dann kommts nur noch darauf darauf an, die bestehenden Vorschriften zu überwachen.
Der Großteil des Drecks wird dann hausgemacht sein, und dort dauerts noch 10-15 Jahre bis es deutlich besser wird.

anton-aus-tyrol
 
11
21.12.2011, 19:56
Ein echter Fehler

Es war ein Riesenfehler, dass die Verhandler des EU Vertrages auf eine dauerhafte Lösung der Transitfrage vergessen haben. Teilweise erreichen die Länder sogar Ausnahmen beim Völkerrecht etc. und wir bekommen nicht einmal die Transitvertrag auf die Reihe...

Para Dox
10
21.12.2011, 21:25

Ähem, auch die Tiroler haben am 12.06.1994 zu 57% für den EU Beitritt gestimmt. Die Bevölkerung Österreichs hätte es in der Hand gehabt. So weit ich mich erinnern kann, wurde der (faule) Kompromiss nur unter Schwierigkeiten erreicht. Zweifelhaft ob mehr herauszuholen gewesen wäre.

Porqué no te callas?
01
21.12.2011, 18:25

normalerweise würde ich sagen: "jungs und mädels, weiter kämpfen. das wird schon." rückschläge steckt man weg und nimmt einem neuen anlauf.
aber in diesem fall ist der grund des wiederholten scheiterns einfach nur die inkompetenz der handelnden personen (tiroler politiker und so). und das ist ärgerlich.

Thomas Geißler
11
21.12.2011, 18:05

Umweltschutz- Feinstaubzone definieren, Fahrverbot für LKW mit Abgasklasse 5 und weniger, Geschwindigkeitsbeschränkung IG-L 100er (60er für LKW über 7,5 to) oder eine Maximalanzahl an Fuhren pro Tag definieren und diese Versteigern, Section Control installiern.

Das wär' doch eine vertragskonforme Lösung, oder?

Aber anscheinend ist das in Tirol unmöglich, weil die Vorgaben auch für Tiroler Frächter gelten würden.

molekühl
03
21.12.2011, 20:17

Exakt. Aber (!): darum gehts ja auch überhaupt nicht. Woanders bricht man als Ablenkungsmanöver Kriege vom Zaun, wenn eine Regierung innenpolitisch nur Mist baut und vor der Abwahl steht, und in Tirol schart eine unfähige und korrupte Witztruppe als Landesregierung ihre loyalen Schäfchen hinter sich, indem sie einen Konflikt mit Brüssel konstruiert.

Thomas Geißler
00
21.12.2011, 21:56

Als Steier kann ich den Tirolern da wohl nur noch sagen: "Manda (und Weiba) s'isch Zeit!"

Jake Gittes
15
21.12.2011, 17:42

Du sollst nicht verstoßen gegen das Gesetz des freien Warenverkehrs. Sonst sollst du brennen in der Hölle.

Amen.

Speckbacher1
01
21.12.2011, 17:41
Na, sowas,

zwei Ex-Gendarmen (Platter und Gschwentner),die sich - aufmüpfig - nicht ans Gesetz (aus Brüssel) halten ...

flotter denker
94
21.12.2011, 17:04
Voellig zu Recht

War ein Schwachsinn und wurde, wie erwartet, zu Recht aufgehoben.
Diese ganze Verkehrsverhindererpartie soll sich doch in hochgelegene Almtaeler zurueckziehen.
Dort koennen sie dann im Einklang mit der Natur ihr armseliges Leben fristen.

Manfred Kien aus Wernberg/Kärnten
 
00
21.12.2011, 19:48
Frage:

Wo sind Sie zu Hause ?

flotter denker
00
22.12.2011, 06:02
In Wien, wos ja bekanntlich kaum Verkehr gibt

samis
29
21.12.2011, 16:57
lkw

per gesetz auf die schiene zwingen! Alles was durch österreich durch muss,muss auf die schiene! wird auch die luft besser und die bahn hat auch was davon!

Helmut Hagen Plakolmer
00
26.12.2011, 18:30
schoene idee....

nichts dagegen zu sagen. allerdings wo sind die technischen voraussetzungen: BRENNERBASISTUNNEL,
VIER GELEISE etc.
also zuerst die voraussetzungen schaffen.....

stoiker
00
21.12.2011, 21:33

na dann los,machen sie einen diesbezüglichen gesetzesvorschlag,am besten gleich in entsprechendes wortwerk gefasst,
welchen der eugh nicht kippen kann.
ich halte ihre daumen.

Helmut Hagen Plakolmer
00
21.12.2011, 21:18
das wird es nicht spielen ....

und wenn ihr den anderen zu sehr auf die nerven geht, dann wird man euch kurz und schmerzhaft beibringen, wo der bartel den most holt.
hat sich deutschland je ueber oest. LKWs aufgeregt, die auf der strecke salzburg kufstein gratis unterweges sind?
also schoen vernuenftig bleiben und frohe feste.

erinnye
 
00
26.12.2011, 16:05
nein, so whatund dann

wird der böse BÖSE Inn (von dem Ihr Apologet gewünscht hat er möge Innsbruck überschwemmen) wieder einmal eine Brücke ver-rücken und der Verkehr zwischen Deutschland und Italien steht still (ist ja nicht wirklich ein Problem, da unsere südlichen Freunde eh pleite sind)

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