Keine ruhigen Weihnachten bei der Wiener Austria. Trainer Karl Daxbacher wurde überraschend beurlaubt. Ihm folgt der bisherige Amateure-Trainer Ivica Vastic. Der wünscht sich von den Spielern mehr Effizienz.
Wien - Just als der urlaubende Karl Daxbacher am Dienstag beim
Damen-Slalom in Flachau auf der Ehrentribüne den Siegeslauf von Marlies
Schild beklatschte, wurde 300 Kilometer weiter nordöstlich die
Entlassung des Austria-Trainers besprochen. Der Aufsichtsrat der Wiener
Austria tagte am Dienstag bis kurz nach 19 Uhr in der Generali Arena,
Mittwochfrüh wurde schließlich der einstimmige Entschluss gefasst.
Um neun Uhr informierte AG-Vorstand Thomas Parits den 58-jährigen
Niederösterreicher über die "nicht leichte, aber notwendige
Entscheidung". Daxbacher muss weiter urlauben, die Agenden als
Cheftrainer übernimmt ab 9. Jänner 2012 der bisherige Amateure-Coach
Ivica Vastic. Als Grund für die Beurlaubung führte Parits ausschließlich
fehlende Ergebnisse ins Treffen. "Nur ein Sieg in den jüngsten neun
Liga-Partien ist eindeutig zu wenig. Wir haben zu viele Punkte vor allem
vor Heimpublikum verschenkt."
Trotz der fehlenden Siege überwintern die Violetten vier Zähler hinter
Leader Rapid auf dem vierten Platz. In der Europa League wurde der
Aufstieg aufgrund des Torverhältnisses verpasst. Parits: "Wir schauen
nicht auf andere. Wenn wir Wiener Neustadt oder Mattersburg geschlagen
hätten, müssten wir diese Diskussion wahrscheinlich nicht führen." Mit
Ivica Vastic wechselt ein weiterer Ex-Kicker der Austria auf die
Trainerbank. Der 42-Jährige, der 2009/10 seine Trainerkarriere bei
Regionalligist Waidhofen/Ybbs mit einem Meistertitel startete, war seit
Sommer 2010 Chef der Austria Amateure. "Ivo war die Nummer eins für die
Nachfolge Daxbachers. Er hat nach einem kurzen Gespräch gleich
zugesagt", sagte Parits.
Einen Plan B hat es nicht gegeben. "Wir haben fix damit gerechnet, dass
er dabei ist. Er wird als junger Trainer einen frischen Wind ins Team
bringen. Und er hat den Vorteil, dass er alle Partien der Austria
gesehen hat und jeden Spieler kennt."
Vastic, der nach der Weihnachtspause ab 9. Jänner die volle Vorbereitung
mit der Mannschaft durchführen kann, war von der Entscheidung
"überrascht. Aber ich kenne das Umfeld, also ändert sich nicht viel für
mich", sagte er dem Standard.
Vastic erhält einen Vertrag bis Saisonende. Erreicht Österreichs
einziger EM-Torschütze aller bisherigen Zeiten (Elfmeter zum 1:1 gegen
Polen am 12. Juni 2008) einen Startplatz für einen internationalen
Bewerb, verlängert sich der Kontrakt automatisch um ein Jahr. Vastic:
"Vom Kader her wird sich nicht viel ändern. Die Austria pflegt einen
technisch guten Fußball, hat Qualität. Aber die Spieler müssen
effizienter sein." Das Gehalt, Vertragsdetails und mögliche
Verstärkungen sollen heute, Donnerstag, besprochen werden. Auch seinen
Co-Trainer muss Vastic noch bestimmen.
Der 50-fache ÖFB-Teamspieler und vierfache Fußballer des Jahres (1995,
1998, 1999, 2007), der als Spieler mit Sturm Graz zwei Meistertitel
feierte, kam schon 2003 für zwei Saisonen zur Austria. 2005 gelang der
Cupsieg, international stieß man im Uefa-Cup bis ins Viertelfinale vor.
Vastic löst mit Daxbacher den längstdienenden Austria-Coach seit 40
Jahren ab. Daxbacher trainierte die Favoritner seit 21. Mai 2008.
Größter Erfolg war der Cupsieg 2009. (David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe 22.12.2011)