ÖVP-Wien

"Kann mir keine Koalition mit der FPÖ vorstellen"

Interview | Katrin Burgstaller, 21. Dezember 2011, 10:44
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    Veronika Mickel, eine Zukunftshoffnung für die ÖVP: "Ich bin überzeugt, dass wir die besten Zeiten vor uns haben und nicht hinter uns."

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    "Es ist ganz klar, dass die ÖVP Wien hart arbeiten und wahlkämpfen wird, damit Michael Spindelegger Nummer Eins wird."

VP-Wien Vize Mickel über die "wenig sinnvollen Ideen" der Blauen und über ihre Präferenz für Öko- statt Wienstrom

Veronika Mickel ist eine Entdeckung Josef Prölls. Während Pröll die Bundespolitik wieder verlassen hat, legt Mickel eine steile Karriere in der ÖVP hin. Vor gut einem Jahr hat die Bezirksvorsteherin den Wiener Bezirk Josefstadt zurückerobert. Mit 100 Prozent der Stimmen wurde sie zur Chefin der ÖVP Wien Frauen gewählt und seit kurzem ist sie eine von sechs StellvertreterInnen des designierten ÖVP-Wien Chefs Manfred Juraczka. Wie  sich Mickel die Politik der ÖVP vorstellt und warum sie im Josefstädter Amtshaus lieber Ökostrom statt Wienstrom haben will, erzählt sie im derStandard.at-Interview.

***


derStandard.at: Sie sind eine von sechs Stellvertreterinnen des neuen ÖVP Wien-Chefs Manfred Juraczka. Freuen Sie sich über Ihren neuen Job?

Mickel:  Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe und die Zusammenarbeit mit einem neuen, jungen Team. Das hängt eng zusammen mit meinem Grundverständnis von Politik. Ich verstehe Politik als Dienstleistung, wo man für die Menschen da ist. Ich freue mich, dass ich meine Erfahrung als Bezirksvorsteherin der Josefstadt auch auf Wien-Ebene einbringen kann.

derStandard.at: Warum gibt es gleich sechs StellvertreteInnen?

Mickel: Jeder bringt sehr unterschiedliche Aspekte ein. Wir sind ein Team von Freunden. Ich bin überzeugt, dass wir viel weiterbringen.

derStandard.at: Der Politologe Peter Filzmaier hat gesagt, der Job des VP-Wien Obmanns ist der "undankbarste Job der Republik". Sehen Sie das auch so?

Mickel: Nein, das sehe ich nicht so. Ich habe grundsätzlich einen positiven Zugang zur Politik. Sie ist etwas Wichtiges und sie ist für die Menschen da, deshalb sehe ich das nicht so wie Herr Filzmaier.

derStandard.at: Michael Spindelegger hat von einem Generationenwechsel bei der Wiener ÖVP gesprochen. Was soll jetzt anders werden?

Mickel: Jeder der Stellvertreter bringt seinen Part ein. Isabella Leeb ist eine sehr erfolgreiche Gemeinderätin, gerade was die Kulturpolitik betrifft, Alexander Biach ein erfolgreicher Wirtschaftsbunddirektor. Meine Rolle ist die der Bezirkspolitikerin, ich kann aus meiner Erfahrung aus der Josefstadt sehr viel einbringen, was erfolgreiche Stadtpolitik betrifft. Mir geht es um eine sehr konkrete Politik, wo man Probleme für die Menschen lösen kann.

derStandard.at: Die große Herausforderung für die ÖVP Wien ist, ein Profil zu finden. Die Rot-Grüne Koalition will Sozialthemen für sich beanspruchen, Blau deckt das rechte Spektrum ab.

Mickel: Zu Rot-Grün: Zu sagen man propagiert Sozialpolitik und belastet zugleich die Wienerinnen und Wiener mit 170 Millionen Euro an Gebühren - das ist für mich absolut unsozial. Was das Profil der ÖVP betrifft: Ich bin davon überzeugt, dass wir bei einer sehr konkreten Politik vor Ort ansetzen müssen. Wir haben uns in der Josefstadt konkret um die Anliegen der Menschen bemüht: Sei es um einen zusätzlichen Kinderkassenarzt oder um die Renovierung der U 6-Station Josefstädterstraße, die ich mit meinem Team forciert habe und wofür sich die Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin nicht zuständig fühlte.

derStandard.at: Traditionell ist die ÖVP als bürgerliche Kraft positioniert. Wird sie als solche in Wien noch wahrgenommen?

Mickel: Grundsätzlich würden wohl zwei Drittel aller Wähler und Wählerinnen, die Frage ob sie bürgerlich sind mit "Ja" beantworten. Solche Kategorien sind sehr schwammig und für die politische Praxis wenig tauglich. Man muss uns daran messen, was wir konkret vor Ort für die Menschen erledigen.

derStandard.at: Welche Rolle spielt die Politik der Wiener ÖVP bei den nächsten Nationalratswahlen?

Mickel: Die Menschen können sehr gut zwischen den verschiedenen Ebenen unterscheiden. Wenn die Bundeswahlen anstehen, werden die Bundespolitiker gewählt. Es ist ganz klar, dass die ÖVP Wien hart arbeiten und wahlkämpfen wird, damit Michael Spindelegger Nummer Eins wird.

derStandard.at: Die Wiener ÖVP würde momentan zehn Prozent der Wählerstimmen bekommen. Glauben Sie diesen Umfragewerten und wie wollen Sie wieder aufholen?

Mickel: Umfragewerte sind immer Momentaufnahmen. Ich bin überzeugt, dass wir die besten Zeiten vor uns haben und nicht hinter uns. In der Josefstadt leben zum Beispiel überproportional viele 30-Jährige. Deshalb müssen wir uns auch Themen annehmen, die in die Zukunft gerichtet sind, wie zum Beispiel die Bildungspolitik. Ich werde in der Josefstadt in Zukunft bei Schulsanierungen immer alle Schulpartner einbinden: Eltern, Schüler, Lehrer und die Direktion. Das funktioniert in Wien derzeit ganz anders. Die Schulen werden derzeit mit Sanierungsprogrammen beglückt ohne sich einbringen zu können.

derStandard.at: Wie soll das konkret aussehen?

Mickel: Zuerst muss das Budget abgesteckt werden. Aber bei der Planung eines Schulhofes in der Josefstadt müssen in Hinkunft auch Schüler einbezogen werden. Sie sollen zum Beispiel bei der Begehung sagen, was ihnen gefällt, wo sie sich wohl fühlen. Das alles muss auch dokumentiert werden.

derStandard.at: Warum machen Sie sich diese Mühe?

Mickel: Weil es bessere Ergebnisse in der Politik bringt.

derStandard.at: Das Thema Vermögenssteuer wird gerade heiß diskutiert. Wie halten Sie es damit?

Mickel: Jede Debatte über neue Steuern verhindert Reformen. Wien ist das einzige Bundesland, das die Pensionsreform für Beamte nicht umsetzt. Dadurch gehen 350 Millionen Euro verloren. Mit diesem Geld könnte man viel machen. Ich müsste mich zum Beispiel nicht mit der Vizebürgermeisterin um 200.000 Euro für die Sanierung einer U-Bahnstation streiten.

derStandard.at: Wie stehen Sie eigentlich zur Schwarz-Blauen Koalition?

Mickel: Mir ist wichtig, dass ich zu allen Fraktionen eine sehr gute Gesprächsbasis habe. Sinnvolle Ideen der FPÖ sind mir auf Bezirksebene wenig untergekommen. Die Bundes-FPÖ hat gesagt, sie möchte aus dem Klimaschutzprotokoll austreten. Das ist ein Wahnsinn. Unter diesen Bedingungen kann ich mir auch auf Bundesebene keine Koalition mit der FPÖ vorstellen.

derStandard.at: Apropos Klimaschutz: Sie waren unter anderem im Umweltministerium Referentin für Klima und Energie. Ist Ihnen der Umweltschutz auch als Bezirksvorsteherin ein Anliegen?

Mickel: Wir sind ein Klimabündnisbezirk und das Amtshaus sollte eine Vorreiterrolle spielen. Einerseits ist eine Fassadenbegrünung geplant, um mehr Grünraum im innerstädtischen Bereich zu schaffen andererseits planen wir die Umstellung auf Ökostrom.

derStandard.at: Das heißt Sie würden bei der Wienenergie kündigen? Ist der Ökostrom teurer?

Mickel: Mir liegen sehr attraktive Angebote vor. Ich denke, es spricht dafür dass wir ökologisch sinnvoll handeln und auf das Geldbörsl schauen. Derzeit warte ich noch auf das OK der Stadt Wien. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 21. Dezember 2011)

VERONIKA MICKEL-GÖTTFERT, geboren 1978 in Wien, hat Rechtswissenschaften in Wien und in der Schweiz studiert. Von 2002 bis 2010 arbeitete sie für den ehemaligen VP-Chef Josef Pröll, zuerst als Referentin im Lebensministerium, zuletzt im Kabinett des Finanzministers, wo sie für Parlamentarische Angelegenheiten und Personalfragen, Klima- und Energiepolitik zuständig war. Im November wurde sie als Bezirksvorsteherin in der Josefstadt angelobt. Sie ist außerdem Chefin der VP-Frauen in Wien und Stellvertreterin des VP-Wien Chefs.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 151
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Festnetzwiederanmelder
10
16.2.2012, 15:22
Anzumerken wäre noch, dass in Josefstadt

ein stiller, netter Augustinverkäufer in der Florianigasse von der ÖVP weggeekelt wurde. Der vorherige Bezirksvorsteher hat sich persönlich für den kranken Mann, der einen Sessel in einer Nische beim Billa benützte eingesetzt. Arztgutachten, alles da, beim Billa und den Kunden war er beliebt. Seit dem Machtwechsel wird er von der Polizei ständig schikaniert. Im Auftrag von Mickel, die dann von nichts weiß.

M. deLind
20
16.2.2012, 14:59
Welche Bedeutung hat diese ÖVP in Wien eigentlich????

das ist fix
11
22.1.2012, 10:41

"Veronika Mickel ist eine Entdeckung Josef Prölls"
Wer zum Teufel ist Josef Pröll?
Ach ja, der war derjenige, welcher die finanziellen Schwierigkeiten einer deutschen Bank den österreichischen Steuerzahlerinnen aufgebürdet hat.
Und in Brüssel hat er die für Österreich sehr belastenden "Rettungsschirme" abgenickt - um sich dann später in das finanziell superweiche Raiffeisenbett zu legen.

M. deLind
01
16.2.2012, 14:58
Richtig; und er hat das Belastungspaket aus Loipersdorf...

...als "Zukunftsbudget" zu verkaufen versucht was ein Jahr später dazu geführt hat, dass man mit großem Jubel ein riesiges Belanstungs- und Sozialradikalrundumschlagspaket verkündet hat, auf das man unglaublich stolz ist....

Johnny Chicago
21
22.1.2012, 04:57

"eine Zukunftshoffnung für die ÖVP"

-das haben wir in den letzten Jahren oft hören X-D

das ist fix
23
22.1.2012, 10:44

ja, auch josef p. war eine zukunftshoffnung der övp, tatsächlich war er eine katastrophe für österreich

armin delmenhorst
 
20
Muss sie auch nicht

denn mit etwas Glück ist diese unnötige Partei zumindest in Wien draußen. Piratenpartei, LIF alles besser als diese Dollfuss-Heinis. Wobei das nicht als Unterstützung für die Beutesozen interpretiert werden sollte. Diese würden sich es auch verdienen, dass die Wähler ihre "Leistungen" bewertet.

Wäre doch ein schöner Gedanke, wenn rot/schwarz überall von der Macht entfernt würde.

Schleiereule
10
17.2.2012, 12:13

und Weg frei für Blau? Das würd ich mir überlegen...

Politiker sind Gauner!!
12
ich kann mir nichts vorstellen wo ÖVP dabei ist

nicht mit dieser blockadepartei
mir ist alles andere lieber als diese angeblich christlichen nichtskönner, nichtstuer...
die ÖVP hat dieses land und seine bürger nachhaltig mehrmals geschädigt.

allein schon die papierverschwendung... da ein papierl dort ein papierl, die witzpapierln vom molterer

Vintageologist
 
11
Das war's dann wohl für die ÖVP.

Dass die SPÖ mittlerweile das grüne Beiwagerl bevorzugt, dürfte der Dame wohl nicht aufgefallen sein...

Gustav Lecker
10
29.12.2011, 10:08
Schüssel

Schlag nach bei Schüssel......

incanto401
20
23.12.2011, 20:49
Chefin der ÖVP Wien Frauen

Die ÖVP Wien Frauen haben genau 850 Mitglieder, die sind so bedeutend, wie eine Seniorensektion der SPÖ Wien in Hietzing

Mathias Steinlaus
 
00
23.12.2011, 10:32
irreführende Überschrift!

" Die Bundes-FPÖ hat gesagt, sie möchte aus dem Klimaschutzprotokoll austreten. Das ist ein Wahnsinn. Unter diesen Bedingungen kann ich mir auch auf Bundesebene keine Koalition mit der FPÖ vorstellen."

Wo ist sonst noch ein generelles Dementi zu finden? Also im Artikel fehlen entsprechende Passagen oder es wird gezielt des-informiert.

Ravenhorst
41
22.12.2011, 22:58
ÖVP

kotz.............

naja2009
 
27
22.12.2011, 15:38
...ich glaube,das ist nicht die Frage...

wie sollte die Fpö auch mit einer Partei zusammenarbeiten,die es im nächsten Landtag gar nicht mehr geben wird.

Fritz Meyer
12
22.12.2011, 13:40
Sie nicht...

aber Ihre Partei bestimmt.

Tuxedo Mask
03
22.12.2011, 12:46
Vollenden Sie bitte folgenden Satz:

Wenn wir dritter werden, ...

Peter Hammer 06
22
22.12.2011, 12:07
Veronika - allein zu Hause....

h 90
23
22.12.2011, 10:15
OEVP-Strategie

Machma bisserl auf liberale Froschversteher und auf stramme Recht(s) und Ordnung im Stechschritt und dann bekommen wir die Gruenen und FPOE Waehler zurueck.

Leider ist es genau umgekehrt.....Alles was sich noch wenigstens im Rollstuhl bewegen kann laeuft davon.

Gernot Schandl
01
22.12.2011, 09:13
Was die Überschrift verspricht...

Hält der Standard den einen Nebensatz zur FPÖ tatsächlich für die zentralste Aussage des Interviews?

Und ist für die ÖVP-Wien tatsächlich das Klimaschutzprotokoll jener Punkt, der Koalitionsfragen entscheiden soll?

Neppomuk Novak
20
22.12.2011, 06:02

Wer´s glaubt...

odrr
01
22.12.2011, 04:52
der schuessel nr.II

verhandelt mit haider nr.II

und das k im wort "keine" verschwindet ..........

rabe56
01
22.12.2011, 02:00

eine schwalbe macht noch keinen sommer, aber immerhin einen anfang!

onkel frank
03
22.12.2011, 00:33
"Wir sind ein Team von Freunden."

Aber geh?

M. P.1
00
22.12.2011, 02:19

A team of friends' economy.

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