Kühlung hilft Patienten mit Herzstillstand

  • Der Effekt einer milden Hypothermie ist umso besser, wenn die Reanimation erst nach mehr als zwei Minuten gelingt.
    foto: apa/ögari

    Der Effekt einer milden Hypothermie ist umso besser, wenn die Reanimation erst nach mehr als zwei Minuten gelingt.

Die milde Hypothermie hilft umso mehr, je länger der Kreislaufstillstand dauert - Schwere Hirnschäden eventuell verhinderbar

Wien - Seit Jahren beschäftigen sich Spezialisten von der Universitätsklinik für Notfallmedizin der MedUni Wien am AKH mit dem Konzept der "milden Hypothermie" - also einer künstlichen Kühlung - von Patienten nach Herzstillstand. Jetzt haben sie die Daten von rund 1.200 Betroffenen ausgewertet. Fazit: Eine Senkung der Körpertemperatur hilft allen, jedoch umso mehr, je länger der Kreislaufstillstand gedauert hat.

Der Hintergrund: In Industrieländern erleiden jedes Jahr etwa 100 bis 200 Patienten pro 100.000 Einwohner einen akuten Herzstillstand. Die damit einhergehende Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff führt bei den Überlebenden in den meisten Fällen zu mehr oder weniger starken neurologischen Defekten. Der Grund dafür ist einfach: Bei reanimierten Patienten nach einem Herzstillstand, die bewusstlos sind, sinkt die Sauerstoffversorgung des Gehirns um 50 Prozent. Doch der Sauerstoffbedarf des Gehirns bleibt gleich. Die künstliche Abkühlung des Körpers des Patienten auf um die 33 Grad Celsius halbiert ihn. Dadurch werden Bedarf und Versorgung einander angeglichen.

Nach mehreren anderen Publikationen, so auch in der weltweit angesehenen Medizin-Fachzeitschrift "The New England Journal of Medicine", haben Christoph Testori und die Co-Autoren die Daten von 1.200 Patienten analysiert, die im Alter über 18 Jahren in den Jahren zwischen 1992 und 2010 einen Herzstillstand erlitten hatten und nach Reanimation bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Dabei waren 598 Patienten auch per Hypothermie behandelt worden.

Je länger, desto besser

Die Ergebnisse, so die Autoren in der Fachzeitschrift "Resuscitation": "Trotz einer statistisch signifikanten Verbesserung der neurologischen Resultate bei allen Patienten, die mit milder Hypothermie behandelt worden waren, verändert sich dieser Effekt mit der Zeitspanne, in welcher der Kreislauf zusammen gebrochen war (no-flow-time, also unterbrochener Blutkreislauf, Anm.)." So sei der Effekt besser gewesen, wenn die Reanimation erst nach mehr als zwei Minuten gelungen war, noch größere Unterschiede zwischen später künstlich abgekühlten Patienten wäre das bei einem Kreislaufstillstand von mehr als acht Minuten gewesen."

Der Wiener Notarzt Michael Holzer - auch er an der neuen Studie beteiligt - hatte mit Co-Autoren bereits im Jahr 2002 einen positiven Effekt der Hypothermie-Behandlung bei solchen Patienten zeigen können. In zehn europäischen Zentren waren insgesamt 137 Patienten per Zufall der Hypothermie-Gruppe zugeteilt worden, 138 bekamen die Therapie nicht.

Die wichtigsten Resultate: Bei 75 von 136 Hypothermie-Patienten oder 55 Prozent zeigte sich damals in der direkten Vergleichsstudie ein gutes Ergebnis bezüglich des neurologischen Zustandes. In der Vergleichsgruppe war das nur bei 54 von 137 Patienten (39 Prozent) der Fall. Dieser Effekt war so stark, dass man bei sechs auf diese Weise Behandelten damit rechnen kann, einem Betroffenen das Los schwerer bleibender Gehirnschäden zu verhindern. Die Todesrate war in der Hypothermie-Gruppe um 14 Prozent geringer als in der Vergleichsgruppe. Würde man sieben Personen nach Herzstillstand und Reanimierung behandeln, könnte ein Menschenleben gerettet werden, schlossen die Fachleute damals aus ihren Ergebnissen. (APA)

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