Konzernzentrale

Razzia bei Olympus wegen Bilanzskandals

21. Dezember 2011, 09:08

Gegen die früheren Top-Manager des Kameraherstellers soll laut Medien voraussichtlich bis März das Verfahren eröffnet werden

Tokio - Der Bilanzskandal bringt dem japanischen Kamerahersteller Olympus neuen Ärger: In einer Großrazzia wurden die Zentrale, andere Büros und Wohnungen durchsucht. Ziel der Ermittler war es, Beweismaterial gegen frühere Top-Manager sicherzustellen. Ein Verfahren gegen sie könnte laut Medienberichten voraussichtlich bis März eröffnet werden. An der Razzia beteiligten sich neben einer Sondereinheit der Tokioter Staatsanwaltschaft die Wertpapier-Aufsicht und die Polizei. Unterdessen ist bekanntgeworden, dass Olympus auch mehrere Mitarbeiter deutscher und Liechtensteiner Banken bezahlt haben soll, um den Bilanzbetrug durchzuziehen.

Olympus hatte nach Erkenntnissen einer vom heutigen Management eingesetzten Prüfungskommission über mehr als ein Jahrzehnt Verluste von insgesamt 134,8 Mrd. Yen (1,323 Mrd. Euro) verschleiert. Die Fehlbeträge aus Anlagegeschäften in den 90-er Jahren wurden mit überhöhten Zahlungen bei Übernahmen vertuscht, statt sie in der Bilanz zu verbuchen.

Ex-Konzernchef als Drahtzieher

Als Drahtzieher des Bilanzskandals gelten vor allem der frühere Konzernchef Tsuyoshi Kikukawa, Ex-Vize-Chef Hisashi Mori und der frühere Buchprüfer Hideo Yamada. Auch die Wohnsitze von Kikukawa und anderen früheren Managern seien durchsucht worden, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Der 70-jährige Firmen-Patriarch zog bis vor kurzem noch als Verwaltungsratschef die Fäden bei Olympus.

Die Olympus-Prüfungskommission erklärte nun, es seien auch Zahlungen von mehr als drei Mrd. Yen an fünf Mitarbeiter deutscher und Liechtensteiner Banken geflossen, als Belohnung für die Kooperation beim Verschleiern der Verluste. Die Mitarbeiter seien inzwischen zurückgetreten. Konkret war bei Kyodo die Rede von einem Beschäftigten der Filiale eines deutschen Kreditinstituts in Singapur. Außerdem seien weitere 3,5 Mrd. Yen an Beschäftigte von Finanzfirmen gegangen. Olympus wolle rund 7,2 Mrd. Yen zurückfordern. Von den Zahlungen habe der einstige Vize-Chef Mori berichtet.

Olympus hatte zuletzt mit der Vorlage aktualisierter Zahlen die sofortige Verbannung von der Börse in Tokio in letzter Minute abgewendet. Die Börse schaut sich aber das Ausmaß der Bilanzfälschung weiter an und könnte die Aktie noch vom Handel ausschließen. Etwa, wenn sich die Affäre noch ausweiten sollte oder doch noch eine Verbindung zur organisierten Kriminalität nachgewiesen würde.

Vor kurzem hatte der derzeitige Chef Shuichi Takayama einen radikalen Neuanfang mit scharfen Kontrollen für das Management versprochen. Der geschasste Olympus-Chef Michael Woodford, der den Bilanzskandal aufgedeckt hatte, will mit Unterstützung von Aktionären an die Firmenspitze zurückkehren. Der Brite war nach seinen Nachforschungen zu den verdächtigen Deals gefeuert worden und ging danach sofort an die Medien, was den Stein ins Rollen brachte. Es ist unklar, ob Woodford genug Rückhalt bei den Aktionären finden kann, um wieder auf den Chefposten zurückzukehren. (APA)

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