Software- und Hardware-Absatz bleiben hinter Erwartungen zurück - Aktie bricht ein, SAP fällt im Sog ebenfalls
Oracle hat der Technologiebranche eine kalte Dusche verpasst: Der weltweit drittgrößte Softwarekonzern enttäuschte erstmals seit einem Jahrzehnt die Umsatzerwartungen. Das schürte Sorgen, Unternehmen und Regierungen könnten im weltweiten Abschwung die Gürtel noch enger schnallen. Vor Oracle hatten bereits Industriegrößen wie Dell und Intel mit ihren Bilanzen Verunsicherung hervorgerufen. "Jeder Technologiekonzern wird leiden", sagte der Analyst Trip Chowdhry. "Dies ist erst der Anfang." Die in Frankfurt gehandelten Oracle-Aktien brachen am Mittwoch mehr als sieben Prozent ein. Die Papiere des deutschen Rivalen SAP verloren drei Prozent.
Hinweise
Traditionell gilt Oracle als ein Konzern, der branchenübergreifend Hinweise auf die Konjunkturentwicklung liefert. Die von dem Milliardär Larry Ellison geleitete Firma gibt eher als andere Einblick ins jüngste Geschäft. Mit der neuen Bilanz machte Oracle dann auch viele Hoffnungen zunichte. Der Umsatz legte im zweiten Geschäftsquartal zu Ende November lediglich um zwei Prozent auf 8,8 Mrd. Dollar (6,73 Mrd. Euro) zu, Analysten hatten 9,2 Mrd. erwartet. Der Gewinn pro Aktie betrug 57 Cent, drei Cent weniger als prognostiziert. In den meisten Quartalen des vergangenen Jahrzehnts hatte Oracle prozentual zweistellige Wachstumszuwächse präsentiert. "Die Technologie-Ausgaben stehen stärker unter Druck als erwartet", sagte Branchenkenner Peter Goldmacher.
Neben den Erlösen aus dem Geschäft mit Wartungsverträgen schnitten auch die neuen Software-Lizenzen unter Durchschnitt ab. Sie geben stets einen Hinweis auf die künftige Entwicklung. Der Umsatz kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwei Prozent auf zwei Mrd. Dollar. Bei der Vorlage des Geschäftsberichts vor drei Monaten hatte Oracle einen Anstieg von sechs bis 16 Prozent in Aussicht gestellt. Unter dem Strich blieben dank einen scharfen Sparkurses knapp 2,2 Mrd. Dollar, was einem Plus von 17 Prozent entspricht.
"Das passiert bei einem Abschwung. Unternehmen verlangsamen ihre Ausgaben. Sie bremsen ihre Zusagen"
Oracle begründete die Entwicklung mit der Zurückhaltung von Kunden bei größeren Investitionen und längeren Prüfungszeiträumen vor dem Kauf. "Das passiert bei einem Abschwung. Unternehmen verlangsamen ihre Ausgaben. Sie bremsen ihre Zusagen", sagte Analyst Fred Hickey. Oracle ist stark im unter der Schuldenkrise leidenden Europa engagiert.
Im Gegensatz zu dem US-Konkurrenten schlägt sich SAP wacker. Der Weltmarktführer für Unternehmens-Software traut sich dank prall gefüllter Auftragsbücher 2011 einen Verkaufsrekord zu. (Reuters)