Ökoteiche sichern Schmankerlernte

6. Juni 2003, 18:48
posten

Wasser aus Drainagen und kostbares Nass von Hausdächern werden zu Naturparadiesen für Käferbohne, Kürbis und geschützte Tierarten

Graz - Die Trockenheit der vergangenen Jahre in weiten Teilen der Oststeiermark hat zwölf Vollerwerbslandwirte erfinderisch gemacht: Um ihre Ernte Käferbohnen - unverzichtbarer Bestandteil des kulinarischen Angebots in steirischen Buschenschenken - abzusichern, wurde ein System von sechs Teichen samt Drainagen und Regenwasserzufluss von Dächern angelegt.

Refugium für geschützte Tierarten

Das Bewässerungsprojekt für rund 50 Hektar Bohnenkulturen ist gleichzeitig ein ökologisches Refugium für geschützte Tierarten in einem Natura-2000-Gebiet.

Wasserrückhaltebecken

"Im Jahr 2001 haben wir nur zehn Prozent der Käferbohnen-Ernte eines Normaljahres gehabt, ein Jahr davor waren es nur rund 40 Prozent", beschrieb Landwirt Robert Lenz aus Stainz bei Straden im oftmals von Trockenheit heimgesuchten oststeirischen Bezirk Feldbach seine Situation und die seiner Kollegen. Statt gottergeben über die Dürre zu jammern und noch mehr Marktanteile wegen Lieferreduktionen zu verlieren, kamen die betroffenen zwölf Bauern vergangenes Jahr überein: "Wir bauen Wasserrückhaltebecken."

Wasser aus Drainagen und kostbare Nass von Hausdächern

Technisch nicht zu lösen und zu unsicher war die Variante mit der Einspeisung des Wassers aus Bächen in die sechs Teiche: Diese führen selbst wenig Wasser, wenn es darauf ankommt. Stattdessen wurden natürliche Gerinne, Wasser aus Drainagen sowie das abfließendes kostbare Nass von Hausdächern in der feuchten Jahreszeit genutzt. "Sechs Teiche zwischen den Ortschaften Karbach, Muggendorf und Dirnbach, zwischen drei und sieben Meter tief, haben wir ausgehoben und Böschungen angelegt", berichtete Josef Fuchs.

Wasserreserve reicht genau

Mittels einem Kilometer Rohrleitungen können nun 45 Millionen Liter auf die Äcker gelangen. "So viel, dass zwei Mal die gesamte Fläche mit jeweils 20 bis 30 Millimeter Niederschlag bewässert wird, also 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter. Das ist genau jene Menge, die in den vergangenen Jahren gefehlt hat - durch das Ausbleiben des Adriatiefs im Juli und August."

Schlammkraut Büchsenkraut und Vogel Blauracke Die Naturfachleute sind von dem Projekt angetan - Harald Kittel von der für Schutzwasserwirtschaft und Bodenwasserhaushalt zuständigen Rechtsabteilung 19b des Landes: "Das Wasser aus niederschlagsreichen Monaten bleibt kleinregional in der Gegend, ohne den natürlichen Wasserhaushalt zu beeinflussen." Mit ein Grund, warum 100.000 der 170.000 Euro Projektkosten vom Land kamen. Dem Ökologen Bernard Wieser zu Folge haben geschützte Tierarten bereits Einzug gehalten: "Der geschützte Vogel Blauracke ernährt sich von den unzähligen Kaulquappen, die wiederum ungebremstes Algenwachstum verhindern." Auch seltene Libellenarten und das EU-weit geschützte Schlammkraut und Büchsenkraut hätten die Teiche bereits zu ihrem Lebensraum erkoren. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.