Fritz Kater alias Armin Petras ist Dramatiker des Jahres

6. Juni 2003, 13:15
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Mülheim - Fritz Kater ist der Dramatiker des Jahres: Die Jury der Mülheimer Theatertage zeichnete am Freitagmorgen den Autor, ein Pseudonym, hinter dem sich der Regisseur Armin Petras verbirgt, nach spannender öffentlicher Diskussion in der Mülheimer Stadthalle für sein Stück "zeit zu lieben zeit zu sterben" aus. Die Entscheidung um den mit 10.000.Euro dotierten Dramatikerpreis fiel um Haaresbreite gegen Roland Schimmelpfennigs Stück "Vorher/Nachher" erst durch das Votum des Publikums. Das Preisträgerstück in der Inszenierung des Thalia Theaters Hamburg wird am 29. und 30. August bei den Salzburger Festspielen aufgeführt.

Zunächst sah es so aus, als würde Roland Schimmelpfennig Sieger, drei Juroren der sechsköpfigen Jury hatten sich für ihn ausgesprochen. Nach Mülheim war Schimmelpfennigs Uraufführungsinszenierung von "Vorher/Nachher" des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg eingeladen, Regie führte Jürgen Gosch. Doch ebenfalls drei Preisrichter stimmten für Fritz Kater, einen Dramatiker der mittleren Generation, in dessen Werk die Spannungen zwischen Ost und West in Deutschland eine bedeutsame Rolle spielen. In Mülheim war Armin Petras' Uraufführungsinszenierung von "zeit zu lieben zeit zu sterben" zu sehen, eine Produktion des Hamburger Thalia Theaters.

Erwachsenwerden in der DDR

"zeit zu lieben zeit zu sterben" ist eines der wenigen explizit politischen Stücke, die in diesem Jahr nach Mülheim eingeladen worden waren. Es erzählt vom Erwachsenwerden in der DDR, von Brüchen und Umbrüchen, von kleinen Tragödien und großen Sehnsüchten. Dabei erzählt Kater alles schnell, lakonisch und grell. Dennoch kann er nicht verhehlen, dass in ihm auch ein großer Romantiker steckt. Fritz Kater war im vergangenen Jahr mit "Fight City. Vineta" erstmals im Mülheimer Wettbewerb vertreten. Roland Schimmelpfennig hat erneut Pech gehabt - schon im letzten Jahr musste er sich mit Platz zwei begnügen. Publikumsliebling wurde "Schieß doch, Kaufhaus!", eine Attacke auf die Globalisierung und ihre Folgen von Martin Heckmanns.

Das am 17. Mai begonnene Festival zeigte die sieben besten uraufgeführten Stücke lebender deutschsprachiger Dramatiker des vergangenen Jahres in den jeweils gelungensten Inszenierungen. Die ausgewählten Stücke stellten sich in der Ruhrgebietsstadt dem Publikum und den Kritikern. Bewertet wurden die Stücke und nicht die Inszenierungen, hieß es. In Mülheim dabei waren neben dem Thalia Theater auch das Schauspielhaus Hamburg, das Theater Basel, das Theaterhaus Jena, das Landestheater Tübingen und die Berliner Schaubühne. Von Elfriede Jelinek waren die beiden Prinzessinnendramen-Teile "Der Tod und das Mädchen II und III" zu sehen, eine Koproduktion von steirischen herbst und Schauspielhaus Graz. (APA/dpa/AP)

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