Mobilkom steckt 100 Millionen Euro in "Evolution" von UMTS

6. Juni 2003, 19:28
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Mobilkom-Boss Boris Nemsic bestätigt Einstiegsinteressen in Bulgarien, Serbien und Bosnien-Herzegowina.

In Österreich konzentriert sich der größte heimische Handynetzbetreiber A1/Mobilkom auf die "Evolution" von UMTS. Ansonsten liegt der Fokus auf Südosteuropa - Mobilkom-Boss Boris Nemsic bestätigt Einstiegsinteressen in Bulgarien, Serbien und Bosnien-Herzegowina.

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Wien - "Bei UMTS geht es heuer noch nicht um die Kundenzahl, sondern darum, die Evolution zu beginnen", sagt Boris Nemsic - und um zu unterstreichen, dass der Marktführer unter den heimischen Mobilfunkbetreibern die Sache massiv angeht: "Wir investieren heuer 100 Millionen Euro in 3G", überwiegend in den Netzausbau.

Derzeit liege die Abdeckung bei 42 Prozent, in 54 Städten. Es seien 1500 Kunden für die dritte Generation der Mobiltelefonie (dafür steht 3G) bei A1/Mobilkom registriert. "Aber davon bin einer auch ich", so Nemsic am Freitag zu einer Journalistenrunde im Wiener Klub der Wirtschaftspublizisten - soll heißen: Ein guter Teil der Nutzer sind Profis aus der Branche. Konkurrent Hutchison ("3") hat laut eigenen Angaben weniger als tausend Kunden.

"UMTS fehlt noch ein bisschen"

Den derzeit erhältlichen UMTS-Endgeräten "fehlt noch ein bisschen etwas", außerdem seien sie zu unhandlich. "Aber ich erwarte ein Portfolio an Geräten vor Weihnachten." Das Preisniveau werde von derzeit rund 800 Euro wie üblich in der Branche recht schnell fallen, UMTS werde bei Handys künftig nur eine Funktion unter vielen sein.

Der zweitgrößte Mitbewerber in Österreich, T-Mobile, will übrigens den Start seines UMTS-Netzes von den verfügbaren Endgeräten abhängig machen, heißt es offiziell. Brancheninsider sagen, die deutsche Mutter habe noch nicht Grünlicht gegeben.

Einstiegsinteresse

Auch in Südosteuropa, dem erweiterten Interessengebiet der Telekom-Austria-Tochter, spiele UMTS eine Rolle: So werde sich die kroatische VIPNet, an der Mobilkom jetzt den Anteil von 51 auf 99 Prozent erhöhte, sich um Lizenzen bemühen. Diese sollen in der zweiten Jahreshälfte ausgeschrieben werden.

Laut Nemsic gebe es in Serbien und Bosnien-Herzegowina Einstiegsambitionen, in beiden Ländern seien aber die derzeitigen Eigentumsverhältnisse an den Telekombetreibern zu klären.

Interesse an Bulgarien

Schließlich das Thema Bulgarien: Dort wollen ja wie berichtet österreichische Investoren um den Industriellen Josef Taus und den Osthändler Martin Schlaff den Betreiber Mobiltel verkaufen. Nemsic bestätigte, Interesse zu haben, man sei in einer allerersten Runde eines Verhandlungsverfahrens. Bis Ende Juni soll feststehen - dies sei auch die Meinung des gesamten Telekom-Austria-Vorstandes -, ob man ein Non-Binding-Offer legen werde. Über den Wert von Mobiltel wollte Nemsic nicht öffentlich spekulieren. Analysten sprachen in jüngster Zeit von 1,3 bis 1,5 Mrd. Euro, zuletzt wurde eine Mrd. Euro als Wunschpreis der derzeitigen Eigner kolportiert. Was gerechtfertigt sei, lasse sich erst nach einer Due-Diligence-Prüfung sagen, so Nemsic.

Bulgarien gehöre jedenfalls "zu unserem Interessengebiet", betonte Nemsic. Der Markt habe mit heute erst 29 Prozent "Penetration" Wachstumschancen. Das Bruttoinlandsprodukt liege aber unter dem Osteuropa-Schnitt, weiters werde voraussichtlich ein dritter Netzbetreiber kommen, was den Umsatz pro Kunden drücken würde. (DER STANDARD Printausgabe, 7./8.6.2003,szem)

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