"Selfware.games" in Graz

8. Juni 2003, 22:00
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Im Juni finden zahlreiche Veranstaltungen zum Einfluss und Potenzial von Computerspielen statt

Graz - Der Einfluss von Computer- und Videospielen auf ihre "User", die Games selbst, aber auch das Phänomen der Game-Musik ist Thema einer speziellen Programmschiene von "Graz 2003". Unter dem Titel "Selfware.games" gibt es im Grazer Palais Thienfeld vom 12. bis zum 28. Juni zahlreiche Veranstaltungen, die von Vorträgen über Spiele-Präsentationen und Filmvorführungen bis hin zu Konzerten mit u.a. Spielkonsolen-Musik reichen.

Spätestens seit dem Amoklauf an einem Gymnasium in Erfurt, dessen Täter sich zuvor intensiv mit brutalen Video- und Computerspielen beschäftigt hat, stellt sich die Frage, ob und wie der Einfluss von digitalen Spielen auf die jungendlichen "User" einzuschätzen ist, so die Programmorganisatoren von der Grazer Kunst- und Medienplattform "midihy". Die Veranstaltungsreihe soll auch zeigen, dass Computerspiele das Potenzial haben, neue Formen von Gemeinschaften herzustellen, neue Formen der Wissensverteilung zu ermöglichen und Kompetenzen zu fördern.

Studie

Eine aktuelle US-Studie habe beispielsweise gezeigt, dass Computerspieler im Hinblick auf Aufgaben, die visuelle Aufmerksamkeit erfordern, bis zu 50 Prozent besser sind als Nichtspieler. "Der Zustand einer derart 'verspielten' Gesellschaft macht also deren Bedrohungen und Ängste sichtbar, signalisiert zugleich aber Auswege und Fluchtlinien, sich den Anforderungen einer Mediengesellschaft zu stellen", so die Veranstalter.

Eröffnet wird am 12. Juni (20.00 Uhr) mit der Präsentation eines speziell für Graz entwickelten Spiels zur Identitätsproblematik, das Spielmechanismen und -ideologien reflektiert. Die Besucher können im Rahmen des Spieles "Fluid" über Datenprojektionen verfolgen, wie sie sich gemeinsam in einer virtuellen Welt bewegen, in der sie Identitätsmodelle erkunden und mit fiktiven Identitäten experimentieren können.

Vorträge

Anhand von historischen Beispielen wird der Religions- und Medienwissenschaftler Andreas Lange in seinem Vortrag am 13. Juni durch die Geschichte der digitalen Spiele führen (ab 18.00 Uhr). Die "Heldinnen" dieser fiktiven Welten wird die Frankfurter Medienwissenschaftlerin Birgit Richard vorstellen. Mit "Avatars Offline" wiederum wird der erste abendfüllende Dokufilm über die Ursprünge, die gegenwärtige Situation und Ausblicke auf die virtuellen Welten gezeigt. (APA)

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