Niederösterreich

Älteste Homo-erectus-Faustkeile im gesamten Alpenraum entdeckt

21. Dezember 2011, 12:19
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    foto: apa/a. binsteiner

    Ein Faustkeil aus Flusskiesel, der vermutlich zum Aufschneiden des Felles und Zerlegen des Fleisches nach der Jagd diente. Die Homo-erectus-Werkzeuge dürften nach Ansicht von Alexander Binsteiner rund 500.000 Jahre alt sein.

Hobbyarchäologe legte im Vorjahr in Haidershofen an der Enns rund 500.000 Jahre alte Steinwerkzeuge frei

Linz/St. Pölten - Ein zunächst vergleichsweise unscheinbarer Fund im Bezirk Amstetten in Niederösterreich hat sich nun als wissenschaftliche Sensation herausgestellt: Sieben im Vorjahr im Gemeindegebiet von Haidershofen entdeckte Steinwerkzeuge dürften rund 500.000 Jahre alt sein - damit sind sie die vermutlich ältesten derartigen Artefakte im Alpenraum. Die Werkzeuge wurden nicht von modernen Menschen hergestellt, sondern stammen von Vertretern des Homo erectus. Das berichtete der renommierte Steinzeitexperte Alexander Binsteiner.

Der Hobbyarchäologe Franz Mitterhuber entdeckte 2010 die insgesamt sieben Werkzeuge des Steinzeitmenschen auf einem Höhenrücken in Haidershofen. Die an die 3.600 Einwohner zählende Gemeinde liegt an der Enns, die die Grenze zwischen Niederösterreich und Oberösterreich darstellt. Nach einer umfassenden Untersuchung mit einem Vergleich mit zahlreichen ähnlichen Funden aus Afrika und Europa stuft Binsteiner jetzt das Alter auf rund 500.000 Jahre ein. Damals herrschte am Alpenrand eine Zwischeneiszeit. Das Klima war dort teils wärmer als heute und es gab viel Wasser und Wild; Umweltbedingungen also, die die damaligen Menschen vom Typ Homo erectus vermutlich dorthin lockte.

Schlachtplatz

Er geht davon aus, dass die Fundstelle keine serienmäßige Produktionsstätte der Werkzeuge war, sondern ein Schlachtplatz. Die Steinzeitmenschen haben bei der Jagd ein Großwild erbeutet, beispielsweise ein Mammut oder ein Wildpferd. Dann fertigten sie spontan am Ort aus Flusskieseln Faustkeile, Schlägel und scharfkantige Abschläge an. Sie dienten zum Aufschneiden des Felles, Zerlegen des Fleisches und Aufhacken der Knochen, um an das Mark zu kommen. Die Beute wurde abtransportiert, die Geräte blieben zurück.

Für Binsteiner handelt es sich bei den Entdeckungen in Haidershofen um die ältesten Artefakte nicht nur in Österreich, sondern im gesamten Alpenraum. Sie zählten zu den sehr wenigen dieser Art in ganz Europa. Ähnliche Fundstellen gebe es nur in Nordspanien, Südengland und Georgien. Binsteiner bearbeitet sie wissenschaftlich gemeinsam mit dem Linzer Stadtarchäologen Erwin Ruprechtsberger im Rahmen eines Steinzeitschwerpunktes des Stadtmuseums Nordico. Die Gemeinde Haidershofen fördert die Forschungen. (APA, red)

Kommentar posten
22 Postings
john pell
00
10.2.2012, 19:51

wieder der lugner

1.Kp / EW 74
 
10
22.12.2011, 22:09
Der Herr Mitterhuber hat sich eindeutig eine Auszeichnung

verdient.

Er hatte offenbar mehr Erfolg als unsere Profis von der Wissenschaft.

Aber bei uns in Bagdad müsen ja hauptsächlich Politiker dekoriert werden...

Experte für eeh alles
01
21.12.2011, 21:54

Wer es als erster wagt einen Scherz über den Herrn Binsteiner zu machen bekommt das Namensanhängsel Geröllheimer verliehen.

waniwiadawödua
01
21.12.2011, 17:38
wow,

den hat wohl der onkel erwin in seinen jugendjahren eingenhändig vergraben.

Toni Laddorfer
00
21.12.2011, 15:31
http://www.weingenuss-noe.at/news/erwi... ntstanden/

sehr gewagte Schlußfolgerung bezüglich Entstehungszeit. Noch dazu in NÖ. Wie man sich täuschen kann zeigt obiges Fundstück aus demselben Bundesland.

Dirty Sanchez i.R.
 
15
21.12.2011, 11:19
Sieht aus wie

der abgegangene Nierenstein von der Steffi Werger.

BK W. Shoyssel
01
21.12.2011, 10:33
Homo-erectus-Faustkeile

und ich dachte anfangs, da geht es schon wieder um irgendwelche Schlägereien unter aufgeputschten FP-Kärnten Funktionären.

Heinz Anderle
 
03
22.12.2011, 05:24
Was Sie da meinen, fällt nicht unter die Gattung der Hominiden,...

... sondern der Lemuren.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

pfff.
00
23.12.2011, 09:02

das war ihr schwächstes posting.
brachialhumor.

Heinz Anderle
 
00
23.12.2011, 23:06
U-u-u!

(Effenlaut.)

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Heinz Anderle
 
63
21.12.2011, 05:09
Ist es sicher, daß man nicht auf die Überreste einer Sonnwendfeier...

... gestoßen ist, bei der die Teilnehmer einander mit den Faustkeilen gegenseitig die Wangen aufritzten?

Selbst mit der Datierung von vor 1000 Jahren wäre ich vorsichtig.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Günther Hase
 
00
21.12.2011, 21:14
Als Faustkeil - Experte

warum ist das Alter so fragwürdig? Inwiefern unterscheiden sich die gefundenen Faustkeile von den Referenzstücken aus anderen Fundstellen.

Gehen Sie ruhig ins Detail ...

Heinz Anderle
 
00
22.12.2011, 05:36
Die Keile bei der Sonnwendfeier...

... tragen eine \Ironie-Marke.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Günther Hase
 
01
22.12.2011, 12:55

eigenartiger Humor ... aber vieleicht liegts ja auch an mir ;-)

Perynt
03
21.12.2011, 00:04
Die Datierung von Steinen ist schwierig

"Nach einer umfassenden Untersuchung mit einem Vergleich mit zahlreichen ähnlichen Funden aus Afrika und Europa stuft Binsteiner jetzt das Alter auf rund 500.000 Jahre ein."

Aufgrund der ziemlichen Unsicherheiten bei vergleichenden Zeitbestimmungen ist dieses Alter nicht sonderlich sicher. Steine kann man schlecht datieren, es sei denn, man findet sie in Erd-Schichten, deren Datierung durch Radio-Carbon, o.ä. relativ sicher durchzuführen ist.

Die Schnittkannten, bzw. der Abschliff der Schlagkanten kann auch kein genaues Datum angeben, also ist man auf Vermutungen angewiesen.

Wenn der ursprüngliche Fundort nicht genau untersucht bzw. der Fund nicht "in sito" geschehen ist, ist mMn., eine Datierung nicht seriös möglich.

mfg

bluebeard's 8th wife.
00
22.12.2011, 14:45

"in situ" heißt das, nebstbei.

pox vobiscum
00
21.12.2011, 16:20

Kommt mir auch etwas gewagt vor, aber vielleicht wurden ca 500 000 Jahre alte Mammutknochen daneben gefunden oder so.

Trurl
00
22.12.2011, 08:36

Wenn die Fundumstände gut bekannt und geeignet sind, kann bei quarzhaltigen Artefakten eine Datierung über kosmogene Nuklide (Al26-Be10) ev. ein Expositions- bzw. Bedeckungsalter liefern.

Die Methode ist allerdings nicht zerstörungsfrei. ;)

Perynt
00
22.12.2011, 12:21
Ja, aber das wurde anscheinend nicht gemacht, aber selbst wenn, dann bleibt es schwierig

"Vergleich mit zahlreichen ähnlichen Funden aus Afrika und Europa "

Es gab einen "Vergleich" mit zahlreichen anderen Funden. Das ist zwar möglich, bringt aber, meiner Meinung nach, sehr wenig Erkenntnis, weil die bisherigen Datierungen auch nicht sicher sind. Ihre Methode über die kosmogene Nuklide, ist notwendig, aber leider auch nicht hinreichend, da leider nur die Bedeckung (oder Freilegung) einigermaßen bestimmbar ist, nicht jedoch die Herstellung.

Ich bin somit der Meinung, dass das Alter relativ unsicher ist, solange nicht alle Methoden herangezogen werden, besonders die Analyse der Fundschichten *in sito* wären dafür eine relativ sichere Methode. Oder?

Trurl
00
22.12.2011, 12:43

Stimmt:
Ein 'Expositionsalter' ist relativ sinnlos, wenn der Faustkeil tatsächlich vor Ort aus einem "Flusskiesel" hergestellt und gleich wieder weggeworfen wurde. Ein 'Bedeckungsalter' könnte wenigstens ein größenordnungsmäßiges Mindestalter liefern, falls der Faustkeil überhaupt jemals tief genug im Sediment steckte. Darum ist es ja so wichtig, dass auch die genauen Fundumstände mitdokumentiert werden, sonst kann man analysieren was man will und wird trotzdem nur Hausnummern herausbekommen.

hanSteiner
01
21.12.2011, 09:33

Ich würde dem zustimmen. So sehr es mich freuen würde, wenn das Alter tatsächlich zuträfe, so ist die Sache ausserhalb des Kontextes, der nur durch eine moderne Grabung von Profis zu untersuchen wäre, wohl recht schwer zu beurteilen. Da würde ich mir schon ein paar Zusatzinformationen erwarten, die über einen typologischen Vergleich hinausgehen.

Toto Wien
00
21.12.2011, 10:23
Die Information ob die Erdschicht auch untersucht wurde

fehlt in dem Artikel. Grundsätzlich würde ich aber schon davon ausgehen, dass die Erdschicht auch berücksichtigt wurde.

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