Bei landesweiten Razzien im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen mutmaßliche kurdische Separatisten
Istanbul - Die türkische Polizei hat bei
landesweiten Razzien zahlreiche Journalisten im Zusammenhang mit
Ermittlungen gegen mutmaßliche kurdische Separatisten festgenommen.
Allein in Istanbul setzten die Beamten am Dienstag 25 Menschen in
fest, darunter auch einen Fotografen der Nachrichtenagentur AFP.
Dieser wurde aus seinem Haus abgeführt, wie ein Reuters-Mitarbeiter
beobachten konnte.
Mehr als zehn Journalisten der pro-kurdischen Nachrichtenagentur
Dicle wurden ebenfalls festgenommen, meldeten staatliche Medien. Auch
in Ankara, Izmir und Diyarbakir im kurdischen Südosten der Türkei
wurden Büros und Wohnungen von Dicle-Mitarbeitern durchsucht. CNN
Türk berichtete, andere Nachrichtenagenturen seien ebenfalls Ziel der
Ermittler gewesen. Es seien Computer und Dokumente beschlagnahmt
worden.
Das Vorgehen gegen die Medien dürfte auf Kritik im Westen stoßen,
zumal bereits vor den Razzien in der Türkei 70 Journalisten im
Gefängnis saßen - so viele wie in kaum einem anderen Land. Die
Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen führt die Türkei in
ihrer Rangliste zur weltweiten Lage der Pressefreiheit auf Platz 138
von insgesamt 178 Staaten und Regionen. 2007 belegte das Land noch
Platz 101.
Die Polizei geht angeblichen Verbindungen zu kurdischen
Aktivisten und bewaffneten Separatisten nach. Die Ermittlungen
konzentrieren sich auf eine Organisation mit dem Namen "Union der
Gemeinschaften Kurdistans" (KCK), die von der verbotenen PKK
(Arbeiterpartei Kurdistans) geschaffen worden sein soll. Die PKK wird
unter anderem von der Türkei und der Europäischen Union als
terroristische Vereinigung eingestuft.
Bereits im vergangenen Monat waren mehr als 100 Menschen bei
ähnlichen Razzien festgenommen worden, nachdem sich Angriffe der PKK
auf türkische Sicherheitskräfte gehäuft hatten. Die PKK kämpft seit
den 1980er Jahren für mehr Autonomie. Mehr als 40.000 Menschen kamen
in dem Konflikt seither ums Leben. (APA)