Vom Frosch geküsst

20. Dezember 2011, 19:18
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Eva Ringler erforscht das Paarungs- und Territorialverhalten von Pfeilgiftfröschen

Allobates femoralis lautet der Name der tropischen Pfeilgiftfrösche, mit denen Eva Ringler seit fünf Jahren arbeitet. Sozusagen vom Frosch geküsst wurde die Evolutionsbiologin im Sommer 2005 auf einer Exkursion zur Station La Gamba in Costa Rica. Dort lernte sie auch ihren heutigen Mann kennen, mit dem sie seither eine wissenschaftliche Karriere im Paarlauf plant.

Die Forschung führt die 27-jährige Wienerin immer wieder nach Französisch-Guyana. Sie nimmt dort Gewebeproben der Frösche und wertet sie im Molekularlabor des Departments für Evolutionsbiologie an der Universität Wien aus: "Genetische Proben sind für meine Untersuchungen zum Paarungs- und Fortpflanzungsverhalten nicht ausreichend. Also erhebe ich auch umfangreiche verhaltensbiologische und räumliche Daten."

Heimische Frösche wandern im Frühjahr zu den Laichgewässern, um sich zu paaren. Bei den Pfeilgiftfröschen bleibt zumindest eines der Geschlechter in seinem Territorium und wird von Individuen des anderen Geschlechts aktiv gewählt. Die Eiablage erfolgt in der Laubstreu. Brutpflege ist essenziell für das Überleben der Nachkommen. Die Kaulquappen, die mit Kiemen atmen, müssen zu sorgfältig ausgewählten Wasserstellen transportiert werden. Das komplexe Paarungs- und Territorialverhalten macht Pfeilgiftfrösche zu einer spannenden Modellgruppe für Verhaltensbiologie und Kognitionsforschung.

Die Freilandarbeit erfordert insbesondere im Urwald eine Menge Disziplin, Ausdauer und Planung. Von äußeren Einflüssen wie Hitze, Schwüle und Moskitos lässt sich die Zoologin nicht abschrecken. Auf der Station arbeitet sie fast rund um die Uhr. Die Gefahr, abgelenkt zu werden, besteht nicht wirklich: Es gibt nur ein Satellitentelefon für Notfälle. Das nächste Dorf ist in knapp fünf Stunden mit dem Boot zu erreichen.

Mit einem der Stipendien "For Women in Science", das L'Oréal gemeinsam mit der Unesco-Kommission, der Akademie der Wissenschaften und dem Wissenschaftsministerium kürzlich vergeben hat, möchte Ringler als Post-doc ein eigenes Forschungsprojekt einreichen und einige Zeit ins Ausland gehen. Um ihre eigene Arbeit zu präsentieren, aber auch, um Arbeitsmethoden anderer Forschungseinrichtungen kennenzulernen, hat die Biologin bereits zahlreiche Reisen unternommen, unter anderem in die USA, nach Brasilien, Indonesien und Portugal.

Reizvoll an ihrer Tätigkeit findet sie die Verknüpfung von verhaltensbiologischen, akustischen, räumlichen und molekularen Untersuchungsmethoden. Ursprünglich wollte Eva Ringler Lehrerin werden und schloss das Lehramt für Biologie und Umweltkunde sowie für Mathematik ab. Die Fortsetzung des Studiums machte dann aber den Weg in die wissenschaftliche Forschung frei.

Ihrem Untersuchungsobjekt, der A.-femoralis-Population in Französisch-Guyana, geht es im Vergleich zu weltweit verbreiteten Verwandten gut: "Der Chitrydenpilz ist noch nicht akut, obwohl wir ihn in unserem Untersuchungsgebiet bei anderen Froscharten nachgewiesen haben", sagt Ringler. Und auch die Habitatzerstörung sei keine ernsthafte Bedrohung, da große Teile des Landes unter Naturschutz stehen. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.12.2011)

  • Eva Ringler ist "For Women in Science"-Stipendiatin.
    foto: l'oréal

    Eva Ringler ist "For Women in Science"-Stipendiatin.

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