"Größte potenzielle Umweltbelastung": Stadtplaner kritisierten aktuell favorisierte Variante schon 2003
Wien - Die Stadtplaner von der MA 18 waren alles andere als begeistert. Jene Variante der Lobau-Autobahn, bei der die Donau auf Höhe des Ölhafens gequert wird und die in weiterer Folge durch den Nationalpark führt, kam 2003 bei der Strategischen Umweltprüfung Entwicklungsraum Nordosten Wiens ("SUPer NOW") gar nicht gut weg.
Mit dem sogenannten Außen-Szenario würde "eine geordnete, ressourcensparende und ökologisch vertretbare Stadtentwicklung nicht erreicht". Eine Verbesserung der Verkehrsentwicklung sei nicht abzusehen; Standorte an der Stadtgrenze und im Speckgürtel würden zwar gefördert, diese seien aber öffentlich nur schwer erreichbar, was zu mehr Autoverkehr führen werde. "Größte potenzielle Umweltbelastung in diesem Szenario; Trasse zerschneidet die Marchfeldlandschaft", stellten die Magistratsbeamten weiter fest.
Sehr kritische Stellungnahme erwartet
Ausgerechnet dieses Außen-Szenario hat die Asfinag nun für die Lobau-Autobahn vorgesehen. Derzeit läuft die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), im Zuge derer die Stadt eine Stellungnahme abgegeben hat. Diese ist der Öffentlichkeit noch nicht zugänglich; Standard-Informationen zufolge dürfte sie aber sehr kritisch ausfallen, orientiert sie sich doch an besagter Umweltprüfung aus dem Jahr 2003.
Auch koalitionsintern ist das Thema wild umstritten. Während die Grünen fordern, dass die UVP "zurück an den Start" geht, ist der Bau der Autobahn für die SP "alternativenlos". Bürgermeister Michael Häupl (SP) besteht außerdem auf den Bau eines Tunnels.
Pröll: "Schlamassel" für Wien
Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (VP), bei dem auch der Verkehr ressortiert, sagte kürzlich im Standard-Interview, ihm habe die Asfinag bedeutet, dass die Lobau-Autobahn zu teuer sei, "weil sich die Grünen weigern, eine Brückenlösung herbeizuführen". Wenn bei der Lobauquerung nichts weitergehe, werde "halb Wien von diesem Schlamassel beeinträchtigt sein". Niederösterreich habe seinen Teil des Rings um Wien mit der Donaubrücke Traismauer bereits erledigt und zudem mehr Park-&-Ride-Anlagen errichtet als alle Bundesländer zusammen.
Die Wiener Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) hatte die niederösterreichische Verkehrspolitik als "à la longue katastrophal" bezeichnet, weil das Land zu wenig in Öffis investiere. Das verwundere ihn, sagte Pröll dem Standard, von einem gemeinsamen Gespräch habe er einen "sehr guten und sachbezogenen Eindruck" von Vassilakou. In Sachen Nahverkehr könnten Wien und Niederösterreich "ohne weiteres noch enger kooperieren". (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 21.12.2011)