Die Aktion sagt mehr über die Gedankenwelt dieses Kärntner Politikers aus als jede politologische Analyse
Das wird das Kärntner Budget wahrlich sanieren: Der Kärntner Soziallandesrat Christian Ragger streicht 300 hochbetagten NS-Opfern die Weihnachtszuwendung und spart somit auf einen Schlag 22.000 Euro.
Für die alten Menschen, die einst unter Lebensgefahr gegen das Nazi-Regime gekämpft haben, hat der forsche Blaue offenbar nur Verachtung über. „Die kriegen die 75 Euro eh weiter", sagte er flapsig zum Standard, "die" müssten halt künftig nur ein Ansuchen stellen, in dem sie um "Hilfe in besonderen Lebenslagen" ersuchen.
Der Satz und die Aktion sagen mehr über die Gedankenwelt dieses Kärntner Politikers (und seiner Gesinnungsgenossen) aus als jede politologische Analyse. Jörg Haider wäre wahrlich stolz auf seine Erben: Denn erstens handeln die ganz in seinem Geiste - und nach seinem Verständnis von "sozialer Verantwortung", wenn sie ihre Landsleute zu Almosen beziehenden Untertanen degradieren. Zweitens zeigt der Fall wieder einmal, dass sie weder willens noch in der Lage sind, die historische Mitverantwortung an den größten Verbrechen der Menschheit anzuerkennen.
Wer geglaubt hatte, die Kärntner Ortstafel-Einigung sei ein erster Schritt zur politischen Läuterung gewesen, wird eines Schlechteren belehrt. Die Kärntner Regierungspartei und ihre Anhänger ändern sich offenbar nie. Das Land bleibt historisch uneinsichtig, politisch unsensibel und für den Rest Österreichs Anlass zum häufigen Fremdschämen. (DER STANDARD; Printausgabe, 21.12.2011)