Vorurteile und ihre Bekämpfung

Kolumne | Hans Rauscher, 20. Dezember 2011, 18:48

Einige Bücher nehmen sich zweier gesellschaftspolitischer Langzeitthemen an

Die gesellschaftspolitische Diskussion wird von zwei Langzeitthemen beherrscht: 1) Werden wir in Europa unseren Wohlstand aufrechterhalten können? 2) Wie sieht unser Zusammenleben in Europa angesichts der (hauptsächlich muslimischen) Immigration in Zukunft aus?

Dazu sind nun einige Bücher neu erschienen, die versuchen, dem Phänomen auf sachliche Weise beizukommen und sich daher gut als Diskussionsunterlage eignen.

Halbmond über Österreich? von Christa Chorherr (Leykam-Verlag) kommt im Titel fast als eines jener Pamphlete daher, das schon die Ersetzung der Gipfelkreuze durch die muslimische Symbolik sieht. Die Autorin liefert aber einen guten, soweit beurteilbar, faktensicheren Überblick von "Der Islam als gesellschaftliches Modell" bis "Europäische Identität - christliches Abendland?", um im Kapitel "Gemeinsame Lösungen" ebendiese zu skizzieren. Wobei das Fragezeichen hinter "christliches Abendland" von der christlich sozialisierten Autorin bewusst gesetzt wird: "Europäische Wurzeln sind zwar christlich, aber 'im Erbe' steht noch mehr - die jüdische Religion, die griechische Philosophie, die römische Zivilisation (...) und die Aufklärung".

Christa Chorherr formuliert die "gemeinsamen Lösungen" allerdings vor allem als Forderungen an die Muslime: "Es wäre sinnvoll, wenn sich alle (muslimischen) Bürger aktiver am gesellschaftlichen Leben beteiligten und sich nicht absonderten oder gar ghettoisierten. Das Bildungsangebot ist zu nutzen und die sich daraus ergebenden Chancen wahrzunehmen."

Vorurteile sind die Vorstufe zu Fremdenhass und Schlimmerem. Ein Handbuch gegen Vorurteile. Von der Auschwitzlüge bis zum Zuwanderungstsunami (Czernin-Verlag) haben die Falter-Journalistin Nina Horaczek und der Rechtsanwalt Sebastian Wiese zusammengestellt. Was es da an Stammtisch-Weisheiten gibt, von "im Dritten Reich gab es keine Arbeitslosigkeit" bis "Ausländer nutzen den Sozialstaat aus" wird faktenreich widerlegt. Innerhalb der einzelnen zu falsifizierenden Vorurteile wird richtig angemerkt, dass das Kopftuch sehr wohl auch von den Trägerinnen als politisch-religiöses Abgrenzungsmerkmal getragen wird. Innerhalb einer Zurückweisung des Vorurteils, dass "die meisten Ausländer ungebildet" sind, wird doch angemerkt, dass die Zuwanderer aus Anatolien zu mehr als 70 Prozent nur Pflichtschulabschluss haben.

Die deprimierende Dauerhaftigkeit von aggressiver Isolation in den eigenen Vorurteilen untersucht der Familientherapeut Johann Lauber in Wie Menschen zu Fanatikern werden. Fundamentalismus. Ein Befund (Molden-Verlag). Seine Überlegungen zu Jugendlichen, die Identität in radikalen Gruppen suchen, mündet in einem Lob auf das "Halt gebende System Familie" - "Wer aus einem nährenden und Halt gebenden Ursprungssystem stammt, wie es intakte Familien (...) meist sind, wird seltener anfällig für fundamentalistische Entwicklungen sein". Die Vermittlung von Identität werde nicht mehr so sehr über Umwelt und Gesellschaft laufen, sondern über Familie.(DER STANDARD; Printausgabe, 21.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 60
1 2
Arbeiter
01
21.12.2011, 19:29
Integration - was dürfen auch konservative Christen, was MuslimInnen nicht dürfen:

An normaler Geselligkeit teilnehmen, in Gasthäuser und auf Bälle gehen, mit dem anderen Geschlecht tanzen, dieses ansehen, mit jeglicher Frau sprechen, sich attraktiv kleiden, in Maßen beliebiges essen und trinken, sich einen Hund halten, jegliche Literatur und Musik konsumieren, das andere Geschlecht im Rahmen beruflicher Tätigkeit berühren, eine Perücke tragen, Seidenhemden und Goldschmuck, sich den Bart rasieren, im Ramadan tagsüber essen. All das darf auch ein strenger Christ. Lockerere, das sind die meisten, tun und dürfen noch viel mehr. Z.B. Nichtchristen heiraten....

Kommerztschetnik459
00
21.12.2011, 18:36
"Werden wir in Europa unseren Wohlstand aufrechterhalten können?"

In welcher Welt lebt Herr Rauscher?
Was für ein Wohlstand?
Nur weil auf der Straße blahde SUVs herumgurken, alles durchkomerzialisiert ist und weil wir soviel essen, dass es uns schon bei den Ohren rauskommt, soll es uns gut gehen?

Viel eher ist die Wahrheit, dass wir zwar äußerlich Klumpert im Überfluss haben, es uns aber innerlich - und das ist ja die menschliche Realität, die zählt - so schlecht geht wie noch nie. Wir werden abgefüttert mit, wie Düringer es sagt: "geistigem Müll und Falschinformationen" und merken gar nicht, wie wir daran ersticken und das, was wir als Menschen sein könnten, unwiederbringlich verspielen, solange wir dem Wahnsinn huldigen, der uns heute als Normalität verkauft wird.

sociovation
03
21.12.2011, 17:02
Vorurteile sind die Vorstufe zum Rassenhass

Das ist vollkommen richtig und kann nicht oft genug wiederholt werden.
Vorurteile sind aber auch die Vorstufe zum Klassenhass.
Vielleicht denken Sie angesichts des Weihnachtsfestes einmal darüber nach, Herr Rauscher...

tom2312
11
21.12.2011, 15:13
Hier fehlt ...

... das Buch „Wozu Ausländer?“ von Robert Dempfer, Ueberreuter.

Habe ich mit Gewinn gelesen, kommt nicht gutmenschlich, sondern sachlich und informiert - und das sind immer die besseren Argumente.

Zwischenton
00
22.12.2011, 13:31

Was bedeutet für Sie "gutmenschlich", wohl doch offensichtlich was Negatives, oder?

sociovation
03
21.12.2011, 17:36
Daraus folgt zwingend

Schlechtmenschlich = sachlich.
Eine interessante Logik.

super Typ
00
21.12.2011, 19:18
Unzulässiger Umkehrschluss.

Gutmenschlich = unsachlich

Und schlechtmenschlich?

Schlechtmenschlich ist auch unsachlich.

Kein Widerspruch!

Logisch ist es möglich, dass alle entweder gutmenschlich oder schlechtmenschlich sind und daher alle unsachlich sind, aber auch, dass es etwas abseits von gutmenschlich und schlechtmenschlich gibt, wo die Sachlichkeit zu Hause ist.

mikromalist
 
24
21.12.2011, 16:33
Gutmenschlich IST sachlich.

In jedem System, besonders in jenen mit Menschen, ist Kooperation die überragende Strategie.

Erstversuch
01
21.12.2011, 17:13
Da müsste man sich vorher auf eine Gutmensch Definition einigen

politisch verfolgt
00
21.12.2011, 14:48
zum vorurteile-buch

wurde ja letzte woche schon ausgiebig gepostet.
mich würde nur interessieren, wie die autoren beweisen wollen, daß zuwanderer mehr ins sozialssystem einzahlen als herausnehmen. diese zahlen erhebt die statistik austria nämlich gar nicht bzw. darf sie nicht erheben.

Pintinho
01
21.12.2011, 14:19
"aus intakten Familien seltener anfällig"

MÜn völlig ausgeschlossen, dass Jugendliche aus einem liebenden Umfeld sich von menschenfeindlichen Gruppierungen auch nur irgendwie angezogen fühlen!
Da wird wieder einmal die elterliche Verantwortung kleingeredet.

Noch was: Wenn Eltern "freundlich grüßen" + "einen Beruf ausüben reicht das bei uns für das Prädikat "intakte Familie". Mehr will man bei uns gar nicht wissen.

politisch verfolgt
00
21.12.2011, 14:46
jene

die das buch kaufen, wollen wahrscheinlich schon mehr wissen.

Sarah L.
 
11
21.12.2011, 13:54

und worüber haben sie sich sonst noch privatnotizen gemacht, so in letzter zeit? - hunderl im park bös angschaut, neues kochrezept ausprobiert, ...?
könnt´ma gleich einen artikel draus machen.

Geoengineering13
00
21.12.2011, 13:53
Ich schreibe auch ein Buch - über VERRRAT an Europäern. DENN -Zentraleuropa sollte zu den Persern

(mit Libanon,Syrien u folglich Irak übernehmen)stehen..ÖL für Euros...mitsamt dem kaspischen Meer.Zumal die Iraner in diesem Jahrzehnt das Regime einschränken werden...Die Iraner(die Jüngeren sowieso-da ist nix mehr mit theologischen Hokuspokus)sagen alle-dass sie die Führung bald zurechtweisen werden
DAGEGEN
Die Arab-Islam!Brotherhood ist das genaue theolog.! gesplittete Gegenteil..das sind rein amerikanische Interessen(Steinzeitpolitik)

U Vielmehr gehört die Billigarbeitersklavenmasse aus China sanktioniert
http://derstandard.at/plink/132... 7/24024259
u ein neues Bündniss mit Russland geschlossen(dessen Volk ebenfalls einen neuen Weg anstrebt)auch-um einen nachhaltigen Rohstoffweg zu forcieren-ECHTE FORSCHUNG statt F-Derregulierung

ilse schmidt
03
21.12.2011, 13:04
"Es wäre sinnvoll, wenn sich alle (muslimischen) Bürger aktiver am gesellschaftlichen Leben beteiligten und sich nicht absonderten oder gar ghettoisierten. Das Bildungsangebot ist zu nutzen und die sich daraus ergebenden Chancen wahrzunehmen."

Ich kann es nicht mehr hören! Schicht-un-spezifische Analyse einer im "christlichen Background" sozialisierten. Was kommt als nächstes? Das Gebrabbel von den "bildungsfernen" Schichten (seufz). Es geht nicht um "die Bildung" (und dann wird alles gut) sondern es geht um eine ganz bestimmte Bildung - nämlich die POLITISCHE BILDUNG! Diese ist wiederum kein Aufzählen historischer Fakten, sondern die Fähigkeit gesellschaftliche Machtverhältnisse unterschiedlicher politischer Systeme zu verstehen und somit das Konzept des Individuums (als einzig-relevantes europäisches Erbe) als historisch gereift und politisch verfasst zu verstehen. Viele Muslime (genauso wie Österreicher) leben in rituell organisierten Leben. Demokratie lebt aber von Sprache!

Arbeiter
00
21.12.2011, 19:55
Verehrte Frau Ilse, der Islam fördert Bildungsferne, wenn man Hamed Abdel Samad glauben darf

und Necla Kelek. Das Islamische System ist extrem rigid, autoritätsgläubig, fördert das Auswendiglernen (speziell des Korans), verbietet Zweifel,....lesen sie "Der Untergang der Islamischen Welt" - erschienen vor dem "Arabischen Frühling" und eher noch bestärkt durch diesen.

aisa
02
21.12.2011, 10:21
so könnte es auch gehen

wie es gehen könnte, konnte man sich gestern in einer Sendung über Kardinal König ansehen. (oder auch heute noch in der TVTHEK)

http://tvthek.orf.at/programs/... z-und-quer

Dazu muss man Integration aber auch leben. Von beiden Seiten

Schade, dass es nich mehr Menschen dieses Kalibers gibt

Demokrit 007
31
21.12.2011, 10:01
Zu ergänzen ist ...

..., dass Europa neben den genannten Wurzeln auch die arabische Kultur aufweist. Denn nur diese war im Mittelater in der Lage die griechische Philosophie, anfangs für die Klöster, ins Lateinische zu übersetzen und somit rezibierbar zu machen. Und dies war ja wohl die Grundlage der AUfklärung ...

Quintus Beckloeffel
11
21.12.2011, 16:33
"rezibierbar"

Ach daher kommt die Brauereitradition der Klöster! Dennoch: was eine Bierbar ist, ist mir klar, aber wo wird "Rezibier" ausgeschenkt?

systemfehler1
41
21.12.2011, 10:55
Fakt ist:

die Aufklärung in Europa hätte bis ins 20Jhdt gedauert, hätten wir die maurischen Gelehrten nicht gehabt.
Aber Geschichte ist so ein Ding bei uns - und lernen wollen wir partout nix draus.

Erstversuch
10
21.12.2011, 17:16
Interessant:

selbst wenn es also keine Tradition antiken Wissens in das mittelalterliche Europa gegeben hätte warum hättern die Europäer um dieses Wissen " from scratch " zu finden länger brauchen sollen als die alten Griechen?

Chien de Pique
12
21.12.2011, 15:26

Sie sind schon kühn mit den Fakten. Haben Sie das im Miniatur-Paralleluniversum in Ihrem Labor durchgespielt?

systemfehler1
00
23.12.2011, 13:28
Haben die Ultrarechten wieder Witzküberln verspeist?

Zur Sache haben´s nix zu sagen, weil ahnungslos?
Deppen gibt´s, sagenhaft....

Querschädl
00
21.12.2011, 11:58
damit sind wir aber nicht alleine

spätestens nach zwei oder drei Generationen wird das vermeintlich "ewig" gelernte schon wieder relativiert, das ist denke ich in allen Kulturen so.

systemfehler1
42
21.12.2011, 09:15
Gut, das gehört diskutiert.

Keine Frage.
Solange nicht wieder ein moderner "Hexenhammer" erscheint wie unlängst vom Thilo S.
Solcherlei Pamphlete sind Wasser auf die Mühlen der Ewiggestrigen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 60
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.