Konservative suchen raschen Weg aus der Krise

Jan Marot aus Granada, 20. Dezember 2011, 18:37

Spaniens neuer Premier Mariano Rajoy will am 30. Dezember erste Austeritätsmaßnahmen beschließen

Mariano Rajoy Brey wurde am Dienstagnachmittag vom spanischen Parlament mit der absoluten Mehrheit der Abgeordneten seines Partido Popular (PP) sowie den Stimmen der Volksunion Navarras und Asturiens Bürgerforum als Ministerpräsident bestätigt. Auf ihm ruhen nun die Hoffnungen, dass Spanien in der Euro-Schuldenkrise doch noch die Wende schafft.

Großbaustellen am Arbeitsmarkt, etwa das Senken der Arbeitslosigkeit von gut 20 Prozent mit Spitzen von fast 50 Prozent bei Unter-30-Jährigen will Rajoy ebenso anpacken wie das Defizit, das 2012 um 16,5 Milliarden Euro schrumpfen soll. Auch das zur "Drop-out-Schmiede" verkommene Schulsystem mit einer Abbruchrate von 30 Prozent will der Premier rasch angehen. Und selbst wenn das reale Pensionsantrittsalter in Spanien mit 63,5 Jahren (gesetzlich: 67 Jahre) deutlich über dem EU-Durchschnitt liegt, sollen Frühpensionen fortan Ausnahme sein.

Endspurt für Kabinettliste

Der Turbogang dürfte für den bisher wortkarg und bedächtig agierenden Rajoy zum Gebot der Stunde werden. Am 30. Dezember sollen erste Gesetze auf Schiene sein: Anreize für Unternehmer, KMUs und Selbstständige, die den Arbeitsmarkt reanimieren sollen, sowie der Inflationsabgleich der Pensionen dürften auf der Agenda stehen. Ausstehend ist zudem die Verankerung einer Schuldenbremse in der Verfassung, die den Kongress passierte.

Heute, Mittwoch, will Rajoy sein Kabinett präsentieren, über das er Stillschweigen verordnet hat. Parteikolleginnen, die mit die Fäden seiner Politkarriere zogen, dürften mit gewichtigen Ämtern belohnt werden: Soraya Sáenz de Santamaría kursiert als Vize-Ministerpräsidentin. Ex-EU-Abgeordnete Ana Mato sowie Ex-Gesundheitsministerin Ana Pastor sind ebenso im Gespräch wie Madrids Bürgermeister Alberto Ruiz Gallardón, dem das Verteidigungsministerium (oder Inneres) winkt.

Um das Wirtschaftsministeramt herrscht Rätselraten: Exwährungsfondschef und Bankia-Präsident Rodrigo Rato, der unter Exministerpräsident José Maria Aznar über acht Jahre das iberische "Wachstumswunderland" zementierte, werden Chancen zugerechnet. Als Unabhängiger und EZB-Direktoriumsmitglied scheint José Manuel González Páramo aussichtsreicher, wenngleich unter Kommentatoren Rajoys rechte Hand und PP-Wirtschaftssprecher, Cristóbal Montoro, als Favorit gilt.

Aufatmen kann Spanien am Anleihenmarkt. Bei der letzten Bond-Auktion des Jahres am Dienstag wurden 5,6 Milliarden Euro zu drei und sechs Monaten aufgenommen. Erwartet wurden 4,5 Milliarden Euro. Vor einem Monat lag die Zinslast spanischer Halbjahresbonds bei 5,3 Prozent. Gestern waren lediglich 2,5 Prozent gefordert. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD-Printausgabe, 21.12.2011)

amused8
12
21.12.2011, 15:17
Mit Rajoy statt Zapatero kommen die Spanier vom Regen in dir Traufe

Konservative Politiker stehen der neoklasischen Stabilitaetsideologie nahe, fuer die Staatsverschuldung als schlimmes Uebel angesehen wird. Von dem abgesehen, dass diese Lehre voellig falsche Ansichten ueber Staatshaushalte verbreitet, ist Staatsverschuldung gar nicht das spanische Problem. Es ist nach Platzen der Immobilienblase die Ueberschuldung des Privatsektors, von dem deshalb viel zu wenig Impulse, sprich Investitionen, sprich Kreditaufnahmen, ausgehen. Sparpakete in einer solchen Phase werden die Wirtschaft vollstaendig abwuergen.

Guigui
10
21.12.2011, 12:17

An der Steuerhinterziehung durch die Großkopferten, die einen beträchtlichen Teil der spanischen Staatsschulden ausmacht, wird natürlich nicht gerüttelt. Da müssten doch glatt zu viel Macher und deren Freunderl blechen.

EUphoriker
10
21.12.2011, 09:29
Ich hätte einen vorschlag

wie wäre es mit pensionen erhöhen. das hilft sicher beim einsparen.

Ruben Weil
00
21.12.2011, 01:39
Den raschen Weg gibt es nicht:

http://www.faz.net/aktuell/w... 52994.html

oas
00
21.12.2011, 00:31
Der rasche Weg aus der Krise

wird wohl der Spung über die Klippen sein.

Alf von Melmak
 
02
20.12.2011, 21:14
Sicherheitshalber...

...wird schon jetzt festgelegt, daß überall gespart werden wird, außer beim Militär.

Man kann ja nie wissen, wie die Leute so reagieren...

La Réunion
17
20.12.2011, 20:46
alle Wähler,

die gedacht haben, mit Rajoy statt Zapatero wird es ihnen besser gehen, werden sich noch wundern ...

byron sully
00
21.12.2011, 15:15

denk ich auch.

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