Insolvenzrecht

Weniger Härte bringt mehr

Kommentar | Günther Oswald, 20. Dezember 2011, 18:22

Möglicherweise ist für den Steuer- und Beitragszahler mehr herauszuholen, wenn dem Schuldner eine zweite Chance eingeräumt wird

Man glaubt gar nicht, wie groß die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen des Großstaates Österreich sein können. Während in Salzburg zwei Drittel aller Insolvenzverfahren mangels Masse gar nicht eröffnet werden, sind es in Niederösterreich nur knapp 30 Prozent. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass mit zweierlei Maß gemessen wird.

Zwar ist es verständlich, wenn Finanz oder Sozialversicherung jenen Firmen skeptisch gegenüberstehen, die sie um Geld gebracht haben. Ein vorschneller Verzicht auf die Einleitung eines Insolvenzverfahrens, das in einer Fortführung des Betriebs münden kann, ist aber kontraproduktiv. Möglicherweise ist für den Steuer- und Beitragszahler mehr herauszuholen, wenn dem Schuldner eine zweite Chance eingeräumt wird.

Weniger Härte kann also mehr Einnahmen bedeuten. Ähnlich verhält es sich bei der seit Jahren verschleppten Reform des Privatkonkurses. Derzeit ist es nicht attraktiv, dieses Instrument zu nutzen. Hat man sich finanziell schwer verhoben, besteht kaum ein Anreiz, sich noch jemals einen gut bezahlten Job zu suchen, weil das höhere Gehalt von den Gläubigern aufgesogen wird. Dafür sind Schwarzarbeit und rechtliche Scheinkonstruktionen umso attraktiver. Keine Frage: Ein Privatkonkursverfahren darf nicht zu einfach sein, es muss aber darauf ausgerichtet sein, dass die Betroffenen Licht am Horizont sehen. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.12.2011)

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hulu33
05
21.12.2011, 15:24
Höchstwahrscheinlich

wäre das schwedische Modell am besten. Jeder kann sehen wieviel Schulden der andere hat. In den meisten Fällen Abschreckung genug gar keine Schulden zu machen.

Isegrim1
00
22.12.2011, 01:14

Es gibt jetzt schon solche Listen (z.b. beim KSV), jedoch halt geheim da Datenschutz.

Ingrid Goeschl
00
22.12.2011, 10:25

Ich nehme an, dass es Mittel und Wege gibt, da nicht aufzuscheinen.

Grundsätzlich kann man nur zur Vorsicht raten, bei einem Konkurs kann man seine Forderungen üblicherweise vergessen.

großgoscherter Zwerghamster
00
23.12.2011, 18:41
Keinen blassen Dunst von der Materie aber

ohne Bedenken ungqualifizierten Senf dazu geben.

Typisch!

Und ein Menschenbild, dass einer Sau graust.

Wie können sie eigentlich ruhig schlafen, wenn sie von lauter Betrügern und Verbrechern umgeben sind. Und - sie selbst haben keine Schulden? Ansonsten sollten sie nicht mit Steinen nach anderen werfen.

Letztendlich gilt für Leute wie sie und diesen komischen Hulu: Wie der Schelm denkt, so ist er. Also sollten sie sich in erster Linie selber bei der Nase nehmen.

Isegrim1
00
22.12.2011, 12:38

Sind mir nicht bekannt (außer Altfälle die die Löschung beantragen konnten), was nicht heißen soll das es auf formellen oder informellen bzw. nicht unbedingt legalen Weg möglich wäre.

großgoscherter Zwerghamster
27
21.12.2011, 13:59
Das allgemeine Menschenbild, dass im Standard vorherrscht, ist erschreckend.

Alle, die jede Form des Konkurses als gefährlich/bedenklich betrachten, sollten einfach mal darüber nachdenken, weshalb im kapitalistischen Mutterland USA/GB der Konkurs bereits seit vielen Jahrhunderten existiert, weshalb es dort für Private möglich ist, dass sie Konkurs machen ohne auch nur EINEN Cent bezahlen zu müssen - und wieso diese Staaten dann immer noch existieren!

Zum Wirtschaften gehört scheitern genau so dazu , wie das Amen zum Gebet. Aber offensichtlich sind die Menschen hier zu Lande zu dämlich, das zu verstehen.
Kein Wunder, dass wir in Ö noch immer eine der niedrigsten Selbständigkeitsraten der ganzen westlichen Welt haben.

Aber im blöd daher reden sind wir Weltmeister. Man braucht nur hier nachschauen - Beweis erbracht!

Isegrim1
10
22.12.2011, 01:16

He sie vergessen wir reden hier über Österreich, wo der Staat sorgen muss das jeder im Land von Milch und Honig fließt und am besten schon Pension bekommt wenn er geboren wird (achja und das Doktorat neben der Geburtsurkunde gleich mit) ;)

Ingrid Goeschl
00
23.12.2011, 10:51

Ist es "übertriebene Sorge des Staates", dass man Leute, die Schulden anhäufen, meist wissend, dass sie sie nie zurückzahlen werden können, mittels Konkurs stoppt?

Wenn jemand eine andere Person auf der Straße überfällt und ausraubt trägt der Staat auch dafür Sorge, den Räuber möglichst zu stoppen.

hulu33
12
21.12.2011, 15:22
warum

glauben sie geht es den USA so schlecht?

großgoscherter Zwerghamster
10
21.12.2011, 16:06
*rofl*

Made my day

Danke für diese Wortspende.

Ingrid Goeschl
01
21.12.2011, 20:07

Ihr "rofl" ist unnötig, der Vorposter hat recht, es ist in den USA natürlich ein großes Problem, dass die Leute so hoch verschuldet sind.

Diese Mentalität hat ja letztlich auch die Immobilienblase platzen lassen, bei der viele unter der Brücke gelandet sind.

hulu33
00
21.12.2011, 22:12

in erster Linie wurde man vor ein paar Jahren in den USA fast schon schief angeschaut wenn man KEINE Schulden hatte, frei nach dem Motto Schulden haben und machen ist was gutes. Etwas was uns ja auch der Vorposter defacto einzureden versucht. Wobei die Politiker reden uns ja auch jeden Tag ein dass Schulden nichts schlechtes sind.

Peter G
10
21.12.2011, 15:01
"Zum Wirtschaften gehört scheitern genau so dazu , wie das Amen zum Gebet."

Das Scheitern gehört nicht nur zum Wirtschaften.

Das Scheitern gehört zum Leben.

Ohne Scheitern gibt's auch keinen Fortschritt.

Ihrem Bezug auf die Selbständigkeitsraten stimme ich voll und ganz zu.

Saurer Zivi
12
21.12.2011, 12:43
das Problem ist das Vermögensverzeichnis...

niemand weiß, ob es vollständig ist.

gelder können nämlich einfach zurseite geräumt worden sein, man eröffnet dann den privatkonkurs freut sich über eine 30% quote, bezahlt die gläubiger und ...

hat sich 70% quasi arbeitsfrei erwirtschaftet.

das ist die andere Seite der Medaille.

In diesem Spannungsfeld werden wohl alle Konkurse betrachtet werden müssen.

Schuldnern "Licht am Ende des Tunnels" zu verschaffen mag in diesem Zusammenhang genau die falsche Maßnahme sein.

Wie leicht Vermögen zur Seite geräumt u ö Fahndern nachhaltig vorenthalten werden kann, kann jeder in der BUWOG Affäre live beobachten.

Je besser der Schuldner im Verbergen ist, umso größer seine Chancen, reich zu werden.

Isegrim1
10
22.12.2011, 01:18

Sie haften strafrechtlich für die Vermögensauskunft.
Glauben sie mir das Konkursgericht findet schon raus wie richtig das ist, die Leute und die Gerichtsvollzieher sind ja auch nicht blöd und können ihren Job.

Ingrid Goeschl
00
22.12.2011, 10:17

Gerichtsvollzieher sind nicht mit Konkursen befasst.

Ich möchte Ihnen die Illusionen nicht nehmen, aber es ist beinahe unmöglich, einen geschickt gesteuerten Konkurs aufzudecken.

Isegrim1
00
22.12.2011, 12:34

Sry ja war etwas blöd geschrieben natürlich hat der Gerichtsvollzieher nichts mit einen Konkurs zu tun.
Aber wie bitte soll denn so ein "geschickt gesteuerter Konkurs" denn ausschauen? Sie können genauso auf Vermögensteile zurückgreifen die vorher hergegeben wurden mit gewissen Fristen halt.

Ingrid Goeschl
00
22.12.2011, 13:08

Bitte erwarten Sie von mir nicht dass ich hier eine Anleitung poste, wie man einen Konkurs steuert.

Saurer Zivi
00
22.12.2011, 09:31
schauen Sie sich einmal die BUWOG Affäre genauer an!

Wie viel hat das Gericht schon herausgefunden von geheimen Konten in Zypern, Liechtenstein und weiß der Kuckuck noch sonst wo!

Schauen Sie sich den BAWAG Prozess an! Wie viel hat die Justziz über die angeblichen Verluste der Ross Capital des Herrn Flöttl herausgefunden?

So viel, dass jetzt das Verfahren bes. aus diesem Grund neu aufgerollt werden muss, anno 2012.

Dass ein Gerichtsvollzieher herausfinden wird, wo die Millionen stecken wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Der kann gerade mal eine Fahrnisexekution einleiten und mit dem Überraschungseffekt reüssieren.

Isegrim1
10
22.12.2011, 12:32

Das eine ist eine Staatsanwaltschaft, das ander ist ein Koknursverfahren das sind zwei Paar Schuhe.
Was mit Verlusten pasiert (sofern diese legal waren) hat doch nix mit einem Strafverfahren zu tun.
Die sensationsgeile Medienöffentlichekti sollte sich abfinden dass die Justiz nicht für den Showeffekt zuständig ist sondern um bestimmte Tatbestände und Klageinhalte zu prüfen. Ob jemand Klage erhebt im Zivilrecht ist allein die Sache des Anspruchberechtigten auch wenn die Meute nach "Aufklärung" (die wollen ja nur irgendwas interessantes an der Wahrheit sind die eh nicht interessiert) ruft.
Wie oft kommen denn bitte solche supergeplanten Insolvenzen denn vor, in Relation zu den Gesamtfällen?

Ingrid Goeschl
00
22.12.2011, 19:42

Ich schätze jetzt ca. 10 %, ohne eine aktuelle Statistik zu haben.

Dazu kommen noch die Konkurse von Leuten, die schlicht fahrlässig sind.

Eines haben sie jedenfalls alle gemein - sie prellen die Gläubiger um ihr Geld.

VoK
00
30.12.2011, 07:47

Ich schätze eher 1% aller Insolvenzen - ebenfalls ohne eine Statistik zu haben (welche es wohl auch kaum geben kann...).

Schnurz Homunculus
00
21.12.2011, 11:55
Spricht der Kommentar von der Bankenrettung 2008?

Das war doch genau das Szenario, das hier beschrieben wird und 2008 von der rosa Zeitung so bekämpft wurde....

paragraphenreiter
07
21.12.2011, 10:58
ahnungslosigkeit macht sich breit...

lieber autor, ob ein insolvenzverfahren eröffnet oder mangels kostendeckenden vermögens nicht eröffnet wird, liegt nicht daran, dass die Sozialversicherungen mit zweierlei maß messen. das vorliegen von kostendeckenden vermögen prüft der konkursrichter im Se-Verfahren. ist nix da, wird nicht eröffnet, ist was da, wird eröffnet. einzig die praxis, dass der antragsteller (finanzamt, SVA, GKK) selbst den kostenvorschuss für die eröffnung erlegt, könnte bundesländerspezifisch unterschiedlich sein. aber auch das hat nix mit dem einräumen einer 2. chance zu tun, denn in erster linie muss der schuldner dafür sorge tragen, dass die € 4000,- kostenvorschuss da sind, erst wenn da nix mehr ist (=unternehmen tot), wird beim antragsteller nachgefragt.

athos
00
21.12.2011, 17:53
Danke,

ich war zu faul, um den Schwachsinn in dem Artikel selbst anzuprangern,..

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