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Geht es nach Premierminister Nuri al-Maliki, so wird Tarik al-Hashimi seinen 70. Geburtstag nächstes Jahr im Gefängnis verbringen: Noch ist der religiöse arabische Sunnit jedoch Vizepräsident des Irak. Diesen Posten hat er seit 2006 inne.
Am Montag stellte das Innenministerium einen Haftbefehl gegen ihn aus, demnach soll er an Putschplänen gegen Maliki beteiligt gewesen sein. Das klingt unglaublich. Tarik al-Hashimis historisches Verdienst ist es, im Jahr 2005, als der Irak seine Post-Saddam-Verfassung bekam und danach in die ersten regulären Parlamentswahlen ging, einen Teil der dem neuen irakischen Staat entfremdeten arabischen Sunniten wieder in den politischen Prozess zurückgeführt zu haben.
Damals war er Chef der Irakischen Islamischen Partei (IIP) und des sunnitischen Parteienblocks Tawafuk. 2006 war er als Parlamentspräsident im Gespräch, die Schiiten lehnten ihn jedoch ab - akzeptierten ihn aber als einen von zwei Vizepräsidenten. Die IIP-Parteileitung legte Hashimi 2009 zurück. Bei den Wahlen 2010 trat er gemeinsam mit dem säkularen Schiiten Ayad Allawi an, von dem sich die Sunniten vertreten fühlen.
Wann Hashimi sich so radikalisiert haben sollte, dass er den Premier ermorden lassen wollte, ist unbekannt. Im Gegenteil, Hashimi wurde von sunnitischen Radikalen stets als Feind betrachtet - sie brachten mehrere Mitglieder seiner Familie um. Da half ihm auch nicht, dass er einen legitimen "Widerstand" gegen die US-Präsenz im Irak anerkannte und nur Al-Kaida und die Extremisten verurteilte.
Hashimi wurde 1942 in Bagdad geboren, seine Familie gehört zum Mashhadan-Stamm. Eigentlich war für ihn eine Militärkarriere vorgesehen, die 1975 jedoch abrupt zu Ende war: Es war ihm vorgeworfen worden, dass er Mitglie- der der Muslimbruderschaft, der auch er angehörte, in die Armeekader einschleusen wollte. Seine spätere Irakische Islamische Partei wurde immer als irakischer Ableger der ägyptischen Muslimbruderschaft betrachtet.
2010 hielt Hashimi die irakischen Wahlen wochenlang auf, als er von seinem Vetorecht Gebrauch machte und ein neues Wahlgesetz blockierte: Er setzte sich für mehr Mandate für die irakischen Flüchtlinge im Ausland ein - unter denen die Sunniten überrepräsentiert waren. Er verlor aber politisch an Bedeutung, je mehr jener Sunniten, die zuvor dem neuen Irak feindlich eingestellt waren, sich vom Aufstand ab- und dem politischen Mainstream zuwandten. (Gudrun Harrer, DER STANDARD-Printausgabe, 21.12.2011)
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