Auch ihre schwarze Abaya hat sie nicht geschützt. Das Video mit den
Szenen, in denen eine junge Frau minutenlang von einem Dutzend Soldaten
geschlagen und getreten wird, hat in und außerhalb Ägyptens für
Entsetzen gesorgt. Seit die Gewalt vor fünf Tagen im Zentrum von Kairo
wieder aufgeflammt ist, sind sehr wenige Frauen unter den Demonstranten.
Das ist immer ein Indikator dafür, wie gefährlich die
Auseinandersetzungen eingestuft werden.
Nach Aussagen von Augenzeugen haben sich Soldaten die junge Frau
gegriffen und sie an den Beinen hinter sich hergeschleift. Dabei wurden
ihr die Kleider vom Leib gerissen, bis sie halb nackt war. "Die Soldaten
haben geschlagen und geschlagen. Sie hatten kein Hirn, sie waren wie
Tiere", schilderte ein junger Mann den Gewaltexzess gegen die Frau,
deren Name er mit "Azza" angab.
In einem Notspital wurde sie versorgt, bevor sie in das El-Nadim-Zentrum
für die Rehabilitierung von Gewaltopfern gebracht wurde. Ein Bekannter
von ihr erklärte später, sie wolle nicht, dass ihre Identität bekannt
werde. Es spiele keine Rolle, ob sie mit den Medien spreche oder nicht.
Dass die Soldaten sie ausgezogen hätten, sollte jenen genug sagen, die
immer noch an die Armee glaubten.
Schussverletzungen
Nach Informationen ägyptischer Medien hat die Staatsanwaltschaft
festgestellt, dass 25 der insgesamt mehr als 700 Verletzten, die nach
den Ausschreitungen der vergangenen Tage medizinisch behandelt worden
waren, Schussverletzungen hatten. Ein Sprecher des Obersten Militärrates
hatte am Montag bestritten, dass die Militärpolizisten - die er als
"Helden" bezeichnete - mit scharfer Munition geschossen hätten. Auch am
Dienstag gingen die Auseinandersetzungen weiter. Die Aktivisten sprachen
von bisher mindestens 16 Toten. (Astrid Frefel aus Kairo, DER STANDARD-Printausgabe, 21.12.2011)