Strategienspiele im Haifischbecken

20. Dezember 2011, 17:10
  • Im Banne  der Kampagne:  Ryan Gosling als Polit-Berater Stephen Meyers 
in "The Ides of March". 
    foto: tobis

    Im Banne der Kampagne: Ryan Gosling als Polit-Berater Stephen Meyers in "The Ides of March". 

  •  George Clooney, Philip Seymour Hoffman und Ryan Gosling.
    foto: tobis

    George Clooney, Philip Seymour Hoffman und Ryan Gosling.

George Clooneys neue Regie-Arbeit "The Ides of March" ist eine elegant inszenierte Polit-Parabel um den falschen Schein in der Politik

US-Star Ryan Gosling tritt als Jungtalent den Weg in die Desillusionierung an

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Wien - Obwohl bereits alle Ampeln auf Grün standen, hat George Clooney im Jahr 2007 sein Regieprojekt The Ides of March noch einmal auf Eis gelegt. Die Adaption von Beau Willimons Theaterstück, in dem es um Inszenierung und Amoral in der Politik geht, schien ihm nach der Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten nicht mehr den Zeitgeist zu treffen. Dass sich dies nun am Ende von dessen erster Amtsperiode geändert hat, spricht eigentlich für sich selbst. Dabei ist der Fokus des Films, wie schon sein cäsarischer Titel vermuten lässt, gar nicht so sehr auf wiedererkennbare Realitäten ausgerichtet. The Ides of March ist eher eine Parabel als ein Zeitstück: Ihre härteste Lektion liegt vielleicht darin, dass sie sich keinen Illusionen hingibt.

Für seinen Helden, den Polit-Berater Stephen Meyers (Ryan Gosling), trifft das anfangs allerdings noch nicht zu. Er ist einer jener hochtalentierten Männer im Schatten des Demokraten Mike Morris (George Clooney), welcher die Primaries für sich entscheiden will, um der nächste Präsident zu werden. Während Morris durch Charisma und für die US-Politik ungewohnt offene, ökologiebewusste Statements besticht, sorgt Meyers dafür, dieses strahlende Image zu bewahren, indem er Presse und Gegner in Schach hält. Er glaubt an seinen Mann, auf eine vielleicht sogar ein wenig naive Weise. Damit hat er natürlich einiges zu verlieren.

Flache Hierarchien

Clooney hat schon in seinem Medienkammerspiel Good Night, and Good Luck bewiesen, dass er sich auf die Inszenierung sozialer Häufungen versteht. Er mag flache Hierarchien, um sich ein Bild von jenen versteckteren Zonen einer Arbeitswelt machen zu können, die sonst gerne im Dunkeln bleiben. Ähnlich wie Sidney Lumet kombiniert er dies mit einer engagierten Haltung, die eher zum Differenzieren als zum Moralisieren neigt. So sind die besten Passagen von The Ides of March dann auch jene, in denen das nervöse Auswerten von Daten in den Blick gerät, die Wendigkeit im Planen von Strategien, um die Performance zu verbessern, Chancen zu erhöhen, kurzum: der Kontrollraum der Kampagne.

Der Nachdruck, den Clooney auf diese Ebene legt, zeigt sich schon in der Besetzung der gegnerischen Hauptstrategen durch zwei schauspielerische Schwergewichte wie Philip Seymour Hoffman und Paul Giamatti. Der eine ein Kerl, der viel auf Integrität hält und seine Erfahrung wie einen Bauch vor sich herträgt; der andere ein schmieriger, mephistophelischer Zuflüsterer, dem jedes Mittel recht ist, um zum erwünschten Ergebnis zu kommen. Ihnen zuzusehen, wie sie diese Welt der falschen Freunde geschickt zu nutzen verstehen und kantige Dialoge im Stil von Allan Sorkin (The West Wing) wechseln, macht am meisten Spaß.

Das Drama um Ryan Goslings ehrgeizigen Meyers, der neben diesen beiden bestehen will, gehorcht dagegen eher gängigen Erzählkonventionen. Der aufstrebende Mitarbeiter mit dem sanften Lächeln - mit Gosling übrigens ideal besetzt - lässt sich verführen und gerät dabei unter die Kontrolle von anderen. Evan Rachel Wood als flirtende Praktikantin spielt dabei neben anderen eine Rolle - es gehört zu den Seltsamkeiten dieses Filmskripts, dass es zwar das Naheliegendste umgeht, mit dem, was tatsächlich eintritt, aber auch nicht zu überraschen versteht.

Aber vielleicht ist die Profanität des Geschehens genau der Punkt von The Ides of March. Hinter allen Versprechungen und Inszenierungen der Politik finden sich keine sinistren Verschwörungen, wie dies in den Polit-Thrillern der 1970er-Jahre proklamiert wurde, sondern nur das, was wir alle immer schon vermuten haben: ein paar Männer (und wenige Frauen) mit aufgeblähtem Ego in einem Rennen, in dem nicht der Klügste gewinnt, sondern der Gerissenste. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD/Printausgabe 21.12.2011) 

Ab Freitag im Kino

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yeahh,

profil schreibt, dass es wie eine lange west wing-folge ist... werds mir sicher anschauen.

Das Verhängnis nimmt seinen Lauf = eigentlich ohne einen Anlass

... hab den Film gerade gesehen: Der Gouverneur / Kanditat mit liberalen Ansichten ist schwach geworden und mit der Praktikantin im Bett gelandet ="Er machte die Tür hinter ihr zu"!

Das reicht für eine Tragödie!
Aber DAS ist die wirkliche Tragöide!

Und das ist zugleich der Sand, den "Sie" (wer?) uns in die Augen zu streuen versuchen! =Das "anheimelnde" Beziehungsgeschehen kennt jeder!
Zugleich ist "natürlich" die Performativität eine Macht: Glaube man an den Fehltritt als Fehltritt, gereicht das ja vielleicht wirklich zur Illusion, so was bedeute mehr als politische Entscheidungen!
Insofern finde ich den Film gut: Die "reaktionären Kräfte" verhandeln Politik als persönliches Beziehungsgeschehen - dem solle sich ja niemand entziehen

danke für die karten, lieber standard!

hochkarätig besetzt, grandios gespielt, keine sekunde langweilig, einfach famos!

clooney?

ist das der mit der kaffeemaschine und dem immer gleichblöden gesichtsausdruck?
schlimmer als als valentino, kaum besser als benny hill.
.
KILL IT WITH FIRE
.

clooney ist - kaffeemaschine hin, kaffeemaschine her - ein guter schauspieler.
Tip: the stranger

Der Dean Martin der Neuzeit, nur nüchtern...

jojo

mit aufgedunsenen worthuelsen wie "inszenierung sozialer haeufungen" um sich schmeissen und dann "Allan Sorkin" schreiben (er heisst Aaron).

Diesseits der im Moment wohl noch spekulativ zu nennenden Beteiligung außerirdischer Reptilien bestehen alle Verschwörungen aus Männern und Frauen mit aufgeblähtem Ego -- auch die sinistersten!

für mich ist wie oft ps hoffman das highlight

und wer den film auf deutsch anschaut ist selber schuld.

absolut richtig - eine grossartiger Schauspieler - leider völlig verkannt.

Oscar

hat er schon einen.
Als sooo verkannt ist er dann doch nicht

Durch seine ewigen Nebenrollen (die ich nicht schlechtreden möchte) ist er für mich schon etwas verkannt. Der Oscar 2005 war mehr als überfällig.

der Film ist so lala. das Thema, die Problematik des Films sind durchaus interessant und aktuell. Es ist jedoch die Erzaehlungsweise, woran's hapert.

Die Geschichte verlaeuft plump und einfaeltig, vor allem sehr voraussehbar. Es fehlt ueber lange Strecken der politische Thrillfaktor, was in solchen Filmen den eigentlichen Reiz ausmacht. Dadurch wird der Film langweilig.

Clooney ist OK, Paul Giamatti und PS Hoffmann spielen bekannt gut, man haette deren Rollen mehr Gewicht geben muessen. Leider sind sie ziemlich im Hintergrund.

Der Ryan Gosling spielt imho miserabel. Hat der eigentlich einen Gesichtsausdruck? Ich habe bisher 4 Filme von ihm gesehen (Notebook, Crazy Stupid Love, Drive und nun das) und in jedem Film kommt er mit derselben Mimik, dh mit demselben dumm-langweiligen Gesichtsausdruck, durch. Es haette durchaus bessere Kandidaten fuer den skrupellosen Karrieretypen gegeben

gosling: schau dir "stay" von marc forster an.

habe den Film zwar (noch) nicht gesehen, aber generell:

glauben Sie, daß Schauspieler nach ihrem Gesichtsakrobatikvermögen besetzt werden oder weil sie einen bestimmten Typ verkörpern - und das konstant?

Immer gleicher Gesichtsausdruck?

Der Kerl ist Putin!!!!

Die deutsche Synchronisation ist eine Katastrophe!

Deshalb am Besten im Original (wenn es sein muss mit Untertitel) anschauen! ; )

Glaube ich gerne - nur hat die Synchronisation ja mit dem Film nichts zu tun.

Das ist ein Hörspiel des übersetzten Textes, das anstelle des Originaltons abgespielt wird.
Wer von der Synchronversion auf den Originalfilm schließt, macht einen Fehler. Dass Stimmfarben oder Sprachmelodien Menschen total verändern, weiß ohnehin jeder - ganz abgesehen von Übersetzungsfehlern oder der Tatsache, dass die Mundbewegungen nicht zum Gehörten passen (wie schlechtes Playbacksingen im TV). Der schöne Film "The Queen" wurde in der deutsch synchronisierten Version zur lächerlichen Farce (die Schauspieler sprachen plötzlich gestelzt, wichtigtuerisch und pseudo-englisch daher, während der Reiz des Originals eben darin besteht, dass die Royal Family ganz normal redet - und Regisseur Frears wollte eben quasi normale Menschen zeigen).

Der geniale Autor heißt Aaron Sorkin, nicht Allan Sorkin

West Wing ist Kult! :)

Filme von George Clooney werden im Regelfall durch die schwache Besetzung des Hauptdarstellers ihrem Potenzial beraubt.

und der dativ ist dem genetiv sein tod, net woa.

Stimmt, wobei in Wien

der Dativ als Doppelmörder auftritt und auch den Akkusativ killt.

Clooney hat nicht die tragende Rolle in diesem Film.

naja

ich meinerseits finde, dass george clooney diese consultant-ähnlichen rollen immer sehr gut zu gesicht (und stimme) standen.

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